Anna Zaja vor einem Jahr beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. In diesem Jahr sollte das Turnier vom 18. bis 26. April stattfinden, wurde wegen der Corona-Pandemie allerdings abgesagt. Foto: imago/ZUMA Press

Vom 8. Juni an veranstaltet der Deutsche Tennis Bund (DTB) eine nationale Turnierserie, im Juli stehen sogar Teile der Weltelite trotz Corona in Berlin auf dem Platz. Die Turniere sind wichtig für die Profis – nicht nur, um den eigenen Trainingsstand einzuschätzen.

Stuttgart - Eigentlich würde sich die Stuttgarterin Laura Siegemund (32) in diesen Tagen auf das wichtigsten Tennis-Turnier der Welt vorbereiten: Wimbledon. Das dritte Grand-Slam-Turnier ist nicht nur Schauplatz für Spitzentennis, sondern auch bekannt für weiße Kleidung, regelmäßige Regenpausen und für Zuschauer, die überteuerte Erdbeeren mit Sahne essen.

Vom 29. Juni an sollten sich die besten Spielerinnen und Spieler der Welt zwei Wochen lang auf diesem englischen Rasen messen. Doch wegen der Corona-Krise wurde das 1877 erstmals ausgetragene Turnier abgesagt – zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch nicht nur Wimbledon fällt dieses Jahr aus, das Profitennis insgesamt steht weltweit still: ATP und WTA pausieren bis mindestens Ende Juli, die Olympischen Spiele wurden abgesagt, die French Open um vier Monate nach hinten verschoben. Die US Open sollen planmäßig am 31. August starten. Weil New York aber besonders stark von der Corona-Krise betroffen ist, scheint auch das äußerst unsicher.

Turniere in Stuttgart und Überlingen

Die 28-jährige Anna Zaja aus Sigmaringen erreichte die Hiobsbotschaft Anfang März während eines Tennisturniers in Südafrika. Es war der Abend vor dem geplanten Viertelfinale gegen Chanel Simmonds, als es hieß, die weltweite Tennis-Tour werde wegen der Corona-Krise pausieren.

Für Zaja, die derzeit auf Rang 386 der Weltrangliste steht, folgten Wochen der Ungewissheit: Training war verboten, Sportstätten blieben geschlossen. „Während dieser Zeit habe ich versucht, fit zu bleiben – durch Laufeinheiten, Schnelligkeits- und Sprungübungen“, erzählt sie. Anfang April durfte sie zurück auf den Platz – dank einer Ausnahmeregelung für Profispieler. „Der Ansporn war aber nicht so groß, weil keine Turniere in Sicht waren, auf die man hintrainieren konnte.“

Bis jetzt. Denn von diesem Montag an bis zum 26. Juli veranstaltet der Deutsche Tennis Bund (DTB) eine nationale Turnierserie an unterschiedlichen Austragungsorten – darunter auch Stuttgart und Überlingen im Bodenseekreis. Neben Anna Zaja ist auch Laura Siegemund dabei. Die Weltranglisten-65. wird bei den Damen das Starterfeld anführen. Jan-Lennard Struff, Platz 32 auf der Weltrangliste, geht bei den Herren als topgesetzter Spieler in das Turnier.

Fünfmonatige Pause ist für die gesamte Branche neu

Für die insgesamt 32 Herren und 24 Damen ist der Wettbewerb wichtig, um einschätzen zu können, wo sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Das weiß auch Barbara Rittner, Frauentennis-Chefin beim DTB. „Tennis ist eine Sportart, in der es die Profis gewohnt sind, Woche für Woche zu spielen. Eine fünfmonatige Turnierpause ist für die gesamte Branche neu“, sagt sie. Unter Normalbedingungen pausieren die Spieler am Ende des Jahres gerade mal zwei Monate, ansonsten ist immer irgendwo Spielbetrieb. „Ich bin wirklich gespannt, wie schnell ich wieder in den Turniermodus finden werde“, sagte Laura Siegemund jüngst . Die DTB-Serie sei jedenfalls eine gute Vorbereitung für den Tag, an dem es dann wieder auf der WTA-Tour losgehe.

Zu dieser Unsicherheit kommen oft auch finanzielle Sorgen. Denn: Alle Sportler sind selbstständig und – um laufende Kosten für Trainer, Physiotherapeuten und Ausrüstung zu decken – auf die Turnierpreisgelder angewiesen. „Ich habe seit drei Monaten kein Geld mehr verdient, hatte aber glücklicherweise Rücklagen aus den letzten Turnieren“, sagt Zaja. Wer finanziell weniger gut aufgestellt ist, kann „im schlimmsten Fall seinen Trainer nicht mehr bezahlen, der dann selbst wiederum arbeitslos wird“, berichtet Rittner. Die Corona-Pause ziehe also „einen langen Rattenschwanz nach sich“ und sei „eine riesige mentale Belastung“ für alle.

Kein Damen-Rasenturnier in Berlin – aber Alternative

Rittner, einst selbst 15 Jahre Profi und später Fed-Cup-Teamchefin beim DTB, ist Direktorin eines Tennisturniers, das ebenfalls bald in Deutschland stattfinden soll. Bei den sogenannten Bett1 Aces in Berlin werden internationale Top-Spieler vom 13. bis 19 Juli in den Wettkampfmodus zurückkehren. Eigentlich sollte vom 13. bis 21. Juni im Rahmen der WTA-Tour erstmals ein Rasenturnier für Frauen, die Bett1 Open, im Steffi-Graf-Stadion ausgetragen werden. Doch auch das fiel Corona zum Opfer.

Bei dem Ersatzturnier einen Monat später, das nicht nur im Steffi-Graf-Stadion, sondern auch am Flughafen Tempelhof auf Hartplatz ausgetragen wird, messen sich Frauen und Männer. Neben Julia Görges und Andrea Petkovic aus Deutschland sind dabei die Ukrainerin Elina Svitolina und die Niederländerin Kiki Bertens. Bei den Männern sind gesetzt die deutsche Nummer eins Alexander Zverev, der Weltranglisten-Dritte Dominic Thiem aus Österreich, der Australier Nick Kyrgios und der Italiener Jannik Sinner. Je zwei Wildcards gibt es noch, für die Superstars wie Angelique Kerber und Roger Federer gehandelt werden.

Keine Zuschauer, keine Linienrichter, keine Ballkinder

Zaja findet es gut, dass auch der Wettbewerb des DTB kein reines Frauenturnier ist – nicht nur, weil man „auch mal andere Gesichter sieht“, sondern auch, „weil die Männer spielerische stärker sind als wir und wir einfach sehr gutes Tennis sehen.“ Beide Geschlechter im Wettbewerb das ist eigentlich nur bei den großen Turnieren so, etwa bei Olympia und den Grand Slams, auch bei den Masters in Indian Wells, Miami und Rom.

Und noch etwas ist beim DTB-Turnier und dem Wettbewerb in Berlin anders: Zuschauer, Linienrichter und Ballkinder wird es wegen Corona nicht geben. Und auch auf den obligatorischen Handschlag am Ende des Match muss verzichtet werden.

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