Die Blitzer an der A 8 erreichen inzwischen Millionenwerte – und sorgen für Rekordeinnahmen in der Landeskasse Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit Infografik - Die vier Stuttgarter Autobahn-Blitzer machen die teuersten Porträtfotos – und sorgen für Rekordeinnahmen in der Landeskasse. Auch wenn noch die Hälfte der erwischten Temposünder ungeschoren davonkommt.

Stuttgart - Blitz. Blitz. Blitz. Die neuen Starenkästen an der A 8 zwischen dem Kreuz Stuttgart und Leonberg sind noch nicht einmal ein Jahr in Betrieb – doch sie sind schon die einträglichste Einnahmequelle für die Zentrale Bußgeldbehörde des Landes. Knapp vier Millionen Euro in wenigen Monaten – das ist gut doppelt so viel wie an den stationären Anlagen bei der Ausfahrt Möhringen und auf Höhe Flughafen. Dort gab es in einem Jahr lediglich Anzeigen für knapp 1,9 Millionen.

Doch was heißt lediglich. „Die Anlagen bringen einen Großteil der Einnahmen unserer Behörde“, sagt Wilfried Schramm, Leiter der Zentralen Bußgeldstelle des Landes, über die vier Stuttgarter Blitzer zwischen Leonberg und Flughafen.

11,1 Millionen Euro Einnahmen aus Verwarnungen und Bußgeldern kamen 2014 zusammen – und gaben den Schub für einen neuen Einnahmerekord für die Landeskasse: 25,5 Millionen Euro gab es im vergangenen Jahr. „Die bisherige Höchstmarke im Jahr 2011 lag drei Millionen niedriger“, so Schramm.

Viele Fahrer schätzen Verkehrslage falsch ein

Eine Schlüsselrolle spielt die zuletzt in Betrieb genommene Anlage nahe der Rastanlage Sindelfinger Wald. Seit Ende Mai 2014 wird sie immer wieder von Schnellfahrern übersehen, die vom Kreuz Stuttgart in Richtung Dreieck Leonberg unterwegs sind. Auf der Kuppe kurz vor der langen Gefällstrecke nach Leonberg gilt meist Tempo 100.

Blitzer auf der A8

Autofahrern fehlt es nicht nur an den Starenkästen an Aufmerksamkeit, sondern auch bei der Beurteilung der Verkehrslage. Im April etwa übersah eine 49-jährige Skoda-Fahrerin Richtung Karlsruhe einen Stau auf dem linken Fahrstreifen und löste einen Auffahrunfall mit zwei Leichtverletzten und 9000 Euro Schaden aus.

Nachts übersah ein 30-jähriger Transporterfahrer sogar die Leuchtschilder einer Nachtbaustelle und kollidierte mit einer Absperrwand. Zum Glück waren keine Arbeiter in der Nähe, es blieb bei 20 000 Euro Blechschaden.

Geblitzt heißt noch lange nicht angezeigt.

Kein Wunder, dass es auf der Strecke am häufigsten blitzt. 333 852 Fälle sind zwar weniger als vor der Ausfahrt Möhringen mit knapp 378 000 geblitzten Sündern. Doch diese Zahl kam 2014 in einem ganzen Jahr zusammen. Am Sindelfinger Wald dagegen innerhalb von nur sieben Monaten. Geblitzt heißt aber noch lange nicht angezeigt. Etwa die Hälfte der Sünder kommt davon.

So wurden von 1,1 Millionen geblitzten Fällen am Ende nur 560 000 tatsächlich angezeigt. Und das aus verschiedenen Gründen: Mal spiegelte die regennasse Fahrbahn, mal verwechselte die Anlage einen Bus mit einem Lkw. In der Hälfte der Fälle aber wurden Ausländer aussortiert, für die es kein Abkommen mit automatisierter Halterabfrage gibt.

Italienische Sünder beispielsweise bleiben straffrei, wenn sie nicht gleich von der Polizei angehalten werden können, ebenso Fahrer aus Osteuropa. Von der Zentralen Bußgeldstelle des Landes verfolgt werden lediglich Sünder mit Fahrzeugen aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich. Bisher jedenfalls.

Anschreiben in der jeweiligen Landessprache

„Wir wollen auch hier konsequenter vorgehen“, kündigt Bußgeld-Chef Schramm an. Seit wenigen Wochen werden automatisierte Anschreiben in der jeweiligen Landessprache verschickt – mit der Kontonummer der Behörde. Wurden bisher französische Autofahrer erst ab 21 km/h zu viel zur Zahlung aufgefordert, so gibt es jetzt auch im Sündenbereich darunter Post in französischer Sprache.

„Auch belgische Autofahrer werden sich wundern“, sagt Schramm. Die stehen neuerdings ebenfalls auf der Liste der Bußgeldbehörde.

Auch wenn sich die Summen nicht direkt eintreiben lassen – die Zahlungsmoral ist hoch. Vor allem bei den Schweizern, die viel strengere Regeln in der Alpenrepublik gewohnt sind. Von 35 350 Sündern haben 84 Prozent ihren Bußgeldbescheid bezahlt. Unter den 33 651 geblitzten Temposündern aus Holland waren es immerhin 79 Prozent.

Zahl der Verfahren beim Amtsgericht explodiert

Weitaus weniger Sünder im Südwesten ­waren mit österreichischem Kennzeichen unterwegs. Von 13 800 Beschuldigten zahlten 84 Prozent. Franzosen lassen es eher drauf ankommen: Von 5700 Bußgeldern wurden nur 47,9 Prozent beglichen.

Das Blitzgewitter auf der A 8 hat übrigens auch für andere Behörden Konsequenzen: Beim Amtsgericht Stuttgart ist die Zahl der Verfahren von 3308 auf 4459 explodiert. „Das nimmt dramatisch zu“, sagt Gerichtssprecherin Monika Rudolph, „denn die Betroffenen versuchen mit ihren Einsprüchen dem Punkteeintrag in Flensburg und dem Fahrverbot zu entgehen.“

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