Für fast eine halbe Million Euro sollen in diesem Jahr Schilder vor Schulen aufgestellt werden. Das Geld liegt bereit, eine Liste mit den Standorten gibt es noch nicht. Foto: Zeichnung Egon Kaiser

Die Stadt prüft Tempo 30 vor ausgewählten Bildungsstandorten. Bisher besteht nur der politische Wille, das Thema anzugehen, eine Liste mit den Standorten gibt es momentan noch nicht.

Möhringen/Vaihingen - Die Anne-Frank-Realschule ist so ein Kandidat. Nach Schulschluss stehen die Kinder und Jugendlichen in großen Trauben an der Hechinger Straße und warten auf den Bus, manche laufen auf die andere Seite, weil sie in Richtung Fasanenhof müssen, manche schlendern auch einfach zu Fuß nach Hause. Autofahrer rauschen derweil mit 50 Kilometern pro Stunde vorbei, manchmal auch schneller, weil das kerzengerade Asphaltband dazu einlädt. Geht es nach der Stadt, könnten sie bald durch Tempo-30-Schilder eingebremst werden.

Auch mobile Geschwindigkeitsanzeigen sollen her

Denn jüngst hat der Gemeinderat dafür fast eine halbe Million Euro bewilligt. Dort, wo es vor den Stuttgarter Schulen möglich und sinnvoll ist, soll noch in diesem Jahr Tempo 30 umgesetzt werden. „Mit dem Geld könnte man 32 Schulen angehen“, sagt Bernd Eichenauer, der Leiter der Straßenverkehrsbehörde. Die Zahl ist nur grob überschlagen. Es könnten auch ein paar mehr oder weniger sein.

Eichenauer rechnet vor: Ein Mast samt Fundament, an den zwei Schilder geschraubt werden, kostet knapp 5700 Euro. Auf den Schildern stünde „Vorsicht Kinder“ und „30“. Das Ganze zweimal vor jeder Schule, und der Großteil des Geldes ist weg. Vom Rest sollen auch noch 25 mobile Geschwindigkeitsanzeigen gekauft werden, die mal hier, mal dort aufgehängt werden.

Die Polizei soll mit einbezogen werden

Ob das Tiefbauamt tatsächlich auch vor der Anne-Frank-Realschule den Gehweg aufreißt, ist aber vollkommen unklar. „Wir haben noch nicht festgelegt, vor welcher Schule wir das machen könnten“, sagt Eichenauer. Bisher besteht nur der politische Wille, das Thema anzugehen. Die Verwaltung wird deshalb in nächster Zeit eine Liste mit möglichen Standorten erstellen.

Dabei soll die Polizei zu Wort kommen. „Wir werden anfragen, ob es Unfallschwerpunkte gibt“, sagt Eichenauer. Dort werden vorrangig Schilder aufgestellt. Ein solcher Standort könnte zum Beispiel die Rembrandtstraße in Möhringen sein. Die Schüler des Königin-Charlotte-Gymnasiums und der Riedseeschule kreuzen diese wahlweise in der Pause auf dem Weg ins nahe Kaufland oder morgens und mittags, wenn sie zum Bahnhof laufen. Dazu ist die Ecke recht unübersichtlich, samt Bahnübergang und Fahrradstreifen. Anders sieht es beim Grundschulzweig der Riedseeschule aus, die zwar formall an der Vaihinger Straße liegt, sich aber in die andere Richtung öffnet. An solchen Stellen könnte Tempo 50 auch weiterhin gelten.

Bezirksbeiräte und Schulen bleiben vorerst außen vor

Vor vielen Schulen im Verbreitungsgebiet der Filder-Zeitung müssen die Autofahrer schon heute vom Gas. Die Fasanenhofschule, die Grundschule Kaltental, die Schönbuchschule in Dürrlewang, das Fanny-Leicht-Gymnasium in Vaihingen und das Schulzentrum in Rohr liegen beispielsweise allesamt in Tempo-30-Zonen.

Die Bezirksbeiräte und die Schulen will der Mann von der Straßenverkehrsbehörde übrigens erstmal nicht nach ihrer Meinung fragen. Das Ergebnis wäre absehbar: Wohl fast jeder würde sich für eine Geschwindigkeitsreduzierung aussprechen. „Ich will aber keine Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können“, sagt Eichenauer.

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