Smarte Technik auf der Piste: Die Stimme aus dem Kopfhörer berät Skifahrer via App während der Abfahrt, die Skibrille zeigt, wo es langgeht und per Knopfdruck aktiviert man die Anti-Schweiß-Funktion der Jacke.
Stuttgart - Die Skifahrer von heute müssen sich kaum mehr Gedanken machen, denn moderne, smarte Technik hält Einzug auf der Piste: Eine Stimme flüstert ihnen während der Abfahrt ins Ohr, was sie falsch machen, die Skibrille sagt, wo es langgeht und per Knopfdruck aktiviert man die Anti-Schweiß-Funktion seiner Jacke. Selbst das schlechte Gewissen lässt sich beruhigen, indem man zum Öko-Skischuh greift, der aus recycelten Plastikflaschen gemacht ist. Hier die wichtigsten Technik-Trends der Saison:
Virtuelle Skilehrer
Der neue Skilehrer steckt im Schuh: Die Firma Carv hat eine Sohle entwickelt, die dem Wintersportler während der Abfahrt im wahrsten Sinne auf die Füße schaut. Mit Hilfe von 48 Sensoren misst sie Aufkantwinkel, Balance, Druckverteilung und Rotation. Ein Sender übermittelt alles ans Smartphone, wo eine App die Daten in Ratschläge übersetzt und diese dem Fahrer via Kopfhörer ins Ohr flüstert. Man kann auch ablesen, wie weit der Sprung im Snowpark war oder ob die Abfahrtshocke tief genug ist.
Die Firma Elan tüftelt an einem smarten Ski, der ähnlich funktionierten soll. Sensoren messen die Druckverteilung, via Smartphone und Kopfhörer gibt es Feedback aufs Ohr. Mit drei Sensoren, die die Fahrer am Oberkörper und den Skiern befestigen, agiert das Schweizer Start-up Snowcookies. So wird ermittelt, ob sich der Fahrer zu weit nach vorn oder nach hinten lehnt. Die Daten landen auf dem Handy, der Nutzer kann nach der Abfahrt jeden Schwung analysieren.
Ausstattung aus Recycling-Material
Die Öko-Diskussion ist auch bei den Sportartikel-Firmen angekommen. So gibt es mittlerweile Isolationsjacken wie jene der US-Firma PrimaLoft, die zu 100 Prozent aus biologisch abbaubaren Fasern besteht. Recyceltes PET kommt bei Nordica zum Einsatz: Die Italiener verwenden für ihre Innenschuhe zum einen alte Cola-Flaschen, zum anderen Korken, die in ihrem Vorleben in Weinflaschen steckten. LaSportiva setzt bei seinen Schuhen für Skitouren-Geher auf eine Schale, die zum großen Teil aus pflanzlichem Material gewonnen wird, aber keine Nachteile in Sachen Funktion haben soll.
Die Firma Holmenkol hat ein Skiwachs entwickelt, das angeblich vollständig biologisch abbaubar ist. Und man höre und staune: Mehr und mehr Firmen bieten auch nachhaltige Reparatur-Services für Kleidungsstücke an – allen voran Patagonia. Das Motto: einschicken und nähen lassen, statt wegwerfen und neu kaufen.
Skibrillen mit eingebautem Navi
Verschiedene Hersteller bieten Skibrillen, die gleichzeitig Navigationsgeräte sind. Meist ist im Sichtfeld ein kleiner Bildschirm eingepasst, der nicht nur die Geschwindigkeit anzeigt, sondern auch Daten zu gefahrenen Höhenmetern liefern kann. Der größte Mehrwert besteht aber darin, dass die Brille mitdenken und den Fahrer durchs Skigebiet lotsen kann. Man muss keinen Plan mehr herauskramen oder sich an den großen Tafeln am Pistenrand orientieren.
Wer will, kann sogar seine Vorlieben eingeben, also ob man bevorzugt über blaue, rote oder schwarze Abfahrten cruist. Wie ein Auto-Navi weist die Brille auch den Weg zur nächsten Hütte, selbst die Wartezeit an den Liften, Wetterinfos und Pistenstatus kann sie anzeigen. Daneben gibt es Spielereien wie etwa die „Airtime“-Funktion, bei der die Flugzeit von Stunts und Sprüngen im Funpark gespeichert wird. In der Regel steuert man die Brille über eine am Handgelenk befestigte Fernbedienung mit großen Tasten, die sich auch mit Handschuhen gut bedienen lassen.
Individuell angepasste Skischuhe
Die Idee, den Skischuh möglichst exakt der Fußform anzupassen, gibt es schon länger. Aber die Technik wird von Jahr zu Jahr ausgefeilter: Die Firma Head füllt mittels Schlauch und Spritze ein Gel in den Innenschuh, der sich dann um die Knöchel schmiegt. Nordica erwärmt die Schale per Infrarot-Heizung, der Innenschuh kommt zur Anpassung in einen Ofen. Fischer hat eine App entwickelt, mit der man die exakte Schuhgröße ermitteln kann. Der Nutzer platziert den blanken Fuß auf einem Blatt Papier und fotografiert ihn aus drei unterschiedlichen Winkeln.
Eine feine Neuerung verbirgt sich hinter „Grip Walk“: Skistiefel, die so heißen, verfügen über griffige, abgerundete Gummisohlen, mit denen man leichter gehen kann. Die Rutschgefahr sei ebenfalls geringer. Nie mehr kalte Füße verspricht Salomon. Die Franzosen haben in ihr Spitzenmodell eine Heizung eingebaut – und jetzt kommt der Clou: diese kann der Skifahrer bequem per App steuern. Bis zu 25 Grad Celsius sind drin.
Kleidung, die mitdenkt
Warm, kalt, warm, kalt – es gibt wohl kaum eine zweite Sportart neben dem Skifahren, bei der man im ständigen Wechsel schwitzen (Abfahrt) und frieren (Liftfahrt) kann. Umso höher sind die Ansprüche an Jacken, Hosen und Co. Der Hersteller Kjus hat nach eigenen Angaben nun das weltweit erste Kleidungsstück auf den Markt gebracht, bei dem der Nutzer die Funktion selbst steuern kann. Kernstück ist eine elektroosmotische Membran, die den Schweiß aktiv von der Innenbekleidung weg und aus der Jacke hinaustransportiert.
Auf diese Weise bleibt keine Feuchtigkeit eingeschlossen und der Körper trocken und warm. Die Skifahrer sparen die Energie, die ihr Körper sonst für die Thermoregulation aufbringen müsste. Per Smartphone-App lässt sich die Funktion ein- und ausschalten. Mit mehr als 1000 Euro ist das Modell jedoch deutlich teurer als die meisten anderen Skijacken. Temperaturempfindliche Wintersportler, die nicht so viel Geld ausgeben wollen, sollten einen Blick auf beheizbare Hosen oder Westen werfen. Der Schweiß klebt zwar weiter auf der Haut, aber es bleibt warm unter der Jacke – auch bei der Fahrt im Sessellift.