Im Kappelbergtunnel und auf den Straßenabschnitten vor den Portalen läuft die Verkehrsregelung weitgehend automatisiert. Das schließt Probleme nicht aus. Foto: Lichtgut

Die B 14 zwischen Stuttgart und Waiblingen zählt zu den verkehrs- und staureichsten Strecken in der Region. Doch Autofahrer sind sich sicher: Manches Problem entsteht erst durch die Technik dort. Ganz falsch liegen sie zumindest in einem aktuellen Fall nicht.

Stuttgart - Der Autofahrer ist regelmäßig auf der B 14 von Stuttgart in den Rems-Murr-Kreis unterwegs. Und was er dort zwischen Untertürkheim und Fellbach zu sehen bekommt, treibt ihm immer wieder die Zornesröte ins Gesicht. „Die digitalen Geschwindigkeitsanzeigen im und rund um den Kappelbergtunnel sind nicht nachvollziehbar“, klagt er. Vor Kurzem etwa sei dort auf der Brücke ohne ersichtlichen Grund den ganzen Tag lang Tempo 60 angezeigt worden, im Tunnel dann wieder 100. „Das ist nicht nachvollziehbar für die Autofahrer und mindert die Akzeptanz von Vorschriften“, sagt der Mann.

Das prägendste Erlebnis allerdings hatte er am Freitag vor einer Woche im nachmittäglichen Berufsverkehr. Dort sprangen die Ampeln an allen Tunnelportalen plötzlich auf Rot. Nichts ging mehr. „Die Sperrung dauerte eineinhalb Stunden, es gab vier Kilometer Stau in beide Richtungen. Ohne Unfall, ohne Brand“, erzählt er. Ein anderer Fahrer habe irgendwann die Nerven verloren und sei entgegen der Fahrtrichtung gen Stuttgart zurückgefahren. „Hier funktioniert die Software nicht, und wir Steuerzahler sind dafür die Dummen“, vermutet der Mann, der sich auch schon beim Hersteller des Steuerungsprogramms beschwert hat – bisher offenbar ohne Rückmeldung.

Über 50 Kameras in den Tunnelröhren

Ganz unproblematisch sind die Streckenbeeinflussungsanlagen, wie beispielsweise die auf der B 14 offiziell heißt, tatsächlich nicht. Vor Jahren hatte es immer wieder Schwierigkeiten auf der B 27 bei Stuttgart-Möhringen gegeben, weil Glätte durch Eis oder Regen nicht richtig angezeigt worden war. Dort war es auch zu einem tödlichen Unfall gekommen.

Bei der Landesstelle für Straßentechnik in Tübingen heißt es jetzt: „Die allgemeinen Erfahrungen mit digitalen Anzeigen auf Bundesstraßen sind sehr gut.“ Durch die verkehrsabhängige Steuerung gelinge es, den Verkehr trotz hoher Verkehrsstärke weitestgehend am Laufen zu halten. Das gelte inzwischen auch und speziell für die B 27. Durch solche Anlagen, das bewiesen zahlreiche Studien, zeigten sich positive Effekte. So soll es allgemein 30 Prozent weniger schwere Unfälle geben, um 20 Prozent kürzere Reisezeiten und 20 Prozent weniger Staus.

Das würden rund um den Kappelbergtunnel sicher nicht alle Autofahrer unterschreiben. Und tatsächlich täuscht ihr Eindruck nicht komplett. Zuständig für die Wartung und die Überwachung des Abschnitts ist das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises. „Es gibt dort eine Vielzahl von automatischen Überwachungsgeräten“, sagt dessen Sprecherin Martina Keck. Dazu gehören zum Beispiel über 50 Kameras im Tunnel, die auch von einer Sicherheitsfirma überwacht werden. Kontaktschleifen im Boden messen die Fahrzeugzahl und steuern dann ebenfalls automatisiert die zulässige Höchstgeschwindigkeit. „In der Regel läuft das störungsfrei“, heißt es in Waiblingen.

Ampeln springen von allein auf Rot

Manchmal aber auch nicht. So wie an besagtem Freitag mit der automatischen Vollsperrung des Tunnels. „In diesem Fall hatten mehrere Instrumente angeschlagen, darunter die Brandmeldeanlage“, sagt Martina Keck. Die Ampeln springen dann auf Rot. Eine Gefahrensituation lag aber nicht vor. Nach heutigem Kenntnisstand war wohl ein sogenannter Netzwischer verantwortlich, also ein winziger Stromausfall für den Bruchteil einer Sekunde. Bis dann die Videobilder kontrolliert sind und jemand zum Tunnel gefahren ist, um den Alarm manuell wieder abzustellen, vergeht einiges an Zeit. „Im Zweifel geht die Sicherheit vor“, sagt die Sprecherin.

Allzu viele Beschwerden verzeichnet das Landratsamt nach eigenen Angaben nicht. „Ein solches System hat eben seine Vor- und Nachteile“, heißt es dort. So mancher Autofahrer jedenfalls, das steht fest, traut der Technik nicht über den Weg.

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