New Yorks Taxis sind Kult – werfen aber lange nicht mehr so viel ab wie früher. Foto: AP

Dem Unternehmer Gene Freidman drohte eine lange Haftstrafe, nun hat er sich überraschend mit der Staatsanwaltschaft geeinigt – Donald Trump sei Dank?

New York - Das Sheraton La Guardia im New Yorker Stadtteil Queens ist ein gesichtsloser Hotelkasten, eine triste austauschbare Bettenburg in der Nähe des New Yorker Flughafens am äußersten Stadtrand gelegen. Das Hotel war der passende Ort für eine eher traurige Veranstaltung am vergangenen Donnerstag. 139 Taxiplaketten – sogenannte Medaillons – wurden im Kongresssaal des Sheraton an einem schwülen New Yorker Frühsommertag zwangsversteigert. Es war die bislang sichtbarste Folge der Krise, welche Internetfahrdienste wie Uber und Co. im New Yorker Taxigewerbe ausgelöst haben.

Noch vor drei Jahren galten die Medaillons – jene Fahrerlaubnis, welche die traditionellen gelben Taxis stolz auf ihre Kühlerhaube nieten – als eine absolut todsichere Investition. Die Preise für eine Plakette lagen deutlich über einer Million Dollar (umgerechnet rund 850 000 Euro), die Rendite war für Investoren sicherer als bei jeder Aktie – insbesondere nach der Finanzkrise von 2008.

Das wusste niemand besser als Evgeny Freidman, genannt Gene oder auch der Taxi-King of New York. Freidman war der Besitzer jenes Konvoluts an Plaketten, das im Sheraton unter den Hammer kam. Zu besten Zeiten besaß Freidman 1100 Medaillons, sein Vermögen wurde auf 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,28 Milliarden Euro) geschätzt. Doch dann kamen Uber und Co, das Taxigewerbe geriet unter Druck, und der Sohn eines russischen Taxifahrers, der einen kleinen Fahrbetrieb in Brooklyn geerbt hatte, geriet ins Schlingern. Freidman konnte seine Bankkredite nicht mehr bedienen und geriet mit seinen Steuerzahlungen ins Hintertreffen.

In seiner Not wurde Freidman kreativ – und kriminell

In der Not wurde Freidman kreativ und zahlte Millionenbeträge an nicht existente Geisterfahrer, um an der Steuer vorbei zu kommen. Das aber fiel irgendwann der Staatsanwaltschaft auf, und es wurde gegen Freidman ein Verfahren eingeleitet. Dem Taxi-König, der sich zu allem Unglück noch mit einer komplizierten Scheidung rumschlagen musste, drohten 25 Jahren hinter Gittern.

Doch dann kamen ihm – so eigenartig das auch klingen mag – die Machenschaften von Donald Trump zu Hilfe. Offenbar verkehrten Trump und der pomadige Transportunternehmer aus Brooklyn in denselben New Yorker Kreisen. Zumindest teilten die beiden sich einen Anwalt – jenen Michael Cohen, der im April dieses Jahres ins Fadenkreuz des US-Sonderermittlers Robert Mueller geriet.

Cohen war lange Zeit Co-Investor in Freidmans Plakettenhandel. Er steht unter Verdacht, im Auftrag Trumps über Scheinfirmen der Prostituierten Stormy Daniels Schweigegelder in Höhe von 130 000 Dollar (umgerechnet rund 111 000 Euro) gezahlt zu haben. Zudem wird ihm angelastet, mit russischen Offiziellen über einen Hackerangriff auf die Demokratische Partei gesprochen zu haben.

Als das FBI dann am 9. April Cohens Büro durchsuchte, musste Freidman noch eine lange Gefängnisstrafe befürchten. Unmittelbar danach einigte sich Freidman jedoch überraschend mit der Staatsanwaltschaft auf einen Vergleich. Eine Haftstrafe steht nicht mehr zur Debatte. Selbst seriöse Quellen wie der Nachrichtenkanal CNN oder die „New York Times“ spekulieren nun offen darüber, ob der New Yorker Taxi-König dem FBI Insiderinformationen über Cohen, Trump und deren Machenschaften zugespielt hat.

Sollten sich die Gerüchte bestätigen und die Ermittlungen von Mueller zum Ziel führen, könnte der Taxi-Unternehmer aus Brooklyn zur Schlüsselfigur im Sturz der Trump-Regierung werden. Seine geschäftlichen Probleme wird das allerdings wohl nicht lösen. Zumal er wohl an den Staat New York noch fünf Millionen Dollar (umgerechnet 4,3 Millionen Euro) zahlen muss. Und so wäre es nicht überraschend, wenn Evgeny „Gene“ Freidman, der einstige Taxi-König, demnächst als Uber-Fahrer auf den Straßen New Yorks auftaucht.

Taxi-Krise in New York?

Kurz bevor sich Douglas Schifter in den Morgenstunden des 8. Februar auf den Stufen des New Yorker Rathauses das Leben nahm, veröffentlichte der 57-jährige Taxifahrer auf Facebook einen Abschiedsbrief. Seit zehn Jahren, so Schifter, arbeite er mehr als 100 Stunden pro Woche. Dennoch schaffe er es nicht mehr, seine Familie zu ernähren. „Ich weigere mich, als Sklave weiter zu leben“, endet der Brief. Seitdem haben drei weitere Taxifahrer Selbstmord begangen.


„Die Lage ist ein Albtraum“, sagt der Direktor der New Yorker Taxifahrergewerkschaft, Bhairavi Desai. Die Überflutung der Straßen mit Wagen, die über Dienste wie Uber und Lyft gebucht werden, haben es praktisch unmöglich gemacht, als Taxifahrer zu überleben. Früher konnte man pro Neun-Stunden-Schicht 200 Dollar (170 Euro) verdienen. Jetzt seien es – mit Glück – 50 (43 Euro).

50 Prozent der Taxifahrer verdienen 50 000 Dollar pro Jahr oder weniger, 30 Prozent verdienen weniger als 30 000. Nicht nur, weil es nicht mehr genügend Arbeit gibt. Der Wert der Taxi-Zulassungen ist dramatisch zurückgegangen. Viele Fahrer haben sich stark verschuldet, um die Lizenz zu erwerben, deren Marktwert von mehr als einer Million Dollar (850 000 Euro) auf weniger als 200 000 gesunken ist. Die Kredite zu refinanzieren ist praktisch unmöglich. Nun fordern sie, die Zahl der Uber- und Lyft-Wagen zu begrenzen. Mehr als 60 000 rollen mittlerweile durch die Stadt. 2011 hatte Uber mit gerade mal 100 angefangen.

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