Vor allem syrische Flüchtlinge hoffen auf den Familiennachzug. Foto: dpa

Dass die Zahl der Visa für einen Familiennachzug jetzt auf tausend gestiegen ist, sollte niemanden beunruhigen, kommentiert Norbert Wallet. Es zeigt nur: das Verfahren spielt sich ein.

Berlin - Die Zahl der Visa für den Familiennachzug von Bürgerkriegsflüchtlingen hat das gesetzlich vereinbarte Kontingent von rund tausend Fällen pro Monat erreicht. Dass selbst Horst Seehofers Bundesinnenministerium dies für eine gute Nachricht hält, sollte alle diejenigen beruhigen, die schon wieder besorgt die Stirn runzeln. Tatsächlich ist die Nachricht ein Indiz dafür, dass ein längst verabredeter Verwaltungsprozess endlich funktioniert. Von August bis Dezember 2018 waren nämlich nur jeweils etwa 500 Visa für den Familiennachzug subsidiär Schutzberechtigter ausgestellt worden. Was nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an einem komplizierten Verfahren lag.

Dass sich das Verfahren einspielt, ist ganz sicher kein Anlass, eine Grundsatzdebatte vom Zaun zu brechen, wie es – keineswegs verwunderlich – die AfD wieder versucht. Dass Menschen, die von Bürgerkriegen geflohen sind und bei uns Schutz gefunden haben, nun nächste Familienangehörige nachholen dürfen, ist ein humanitärer Akt, über dessen Sinn und Berechtigung man nicht neu debattieren muss. Es geht um Menschen, die seit Langem von Ehepartner und/oder Kindern getrennt waren. Auch für die AfD sollten das hinreichend gute Gründe sein. Eher wäre eine Debatte darüber angebracht, dass die 1000-Visa-Grenze eine willkürlich gegriffene Zahl ist.

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