Gute Stimmung beim Tauffest der evangelischen Kirche am und auf dem Fernsehturm Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Tauffest auf dem Fernsehturm ist ein voller Erfolg gewesen. Auch Familie Kammermeyer ließ dort ihre drei Töchter taufen. Wie war es für die Mädchen?

„Stunde um Stunde, Tag für Tag, Tag für Tag ...“ Poprockige Klänge am Fuße des Stuttgarter Fernsehturms unter strahlend blauem Himmel: Die Band der Kesselkirche singt vom „Privileg des Seins“, dem Herrn, der heute noch Wunder tut, vom Leben mit der Perspektive Ewigkeit. Samuel Harfsts Lied ist der Auftakt des Taufgottesdiensts von Mathilda, Madleine und Marla Kammermeyer.

 

Aufregung und glückliche Gesichter

Mit ihren Eltern Maike und Matthias sitzen sie in der ersten Reihe auf Kartons, in blaugeblümten weißen Kleidern, bunte Kränze aus echten Blüten auf dem Kopf. An den Tischen dahinter haben sich Patinnen, Paten und Verwandtschaft versammelt. Glückliche Gesichter allenthalben. Aber auch Aufregung ist zu spüren. Ist es doch der Tag, auf den sich die Mädchen vorbereitet haben, zuhause, beim Taufgespräch, in ihrer Gemeinde der Kesselkirche, die zur Evangelischen Kirche in Stuttgart gehört. Die feiert an diesem Wochenende um den Johannistag vom 24. bis 25. Juni – wie viele Gemeinden der Evangelische Kirche in Deutschland – Tauffeste unter dem Motto #deinetaufe „Viele Gründe. Ein Segen. Deine Taufe“. Taufwillige können an besonderen Orten das erste Sakrament empfangen – auch in Stuttgarts Wahrzeichen auf 144 Metern Höhe oder davor im Taufpool.

Den hat sich Mathilda ausgesucht. Aber jetzt ist die Zehnjährige wie ihre Schwestern erst einmal ganz dabei beim Gottesdienst, den Stefanie Heiman und Sabine Löw von der Christuskirche und der Johanneskirche mit Florian Link von der Erlöserkirche zelebrieren. Mit dem ganzen Körper wird etwa das „Vaterunser“ gebetet. Auch beim Schlusslied „Größer“, das sich die Kammermeyers gewünscht haben, dazu auf die Bühne gerufen werden, wird Text mit Gesten unterstrichen.

Am Pool wartet schon Michl Krimmer in Jeans und Talar-Shirt: Der Kesselkirchen-Pfarrer tauft die Mädchen. „Vier Hosen“ habe er dabei, schmunzelt er. Eine muss ja trocken bleiben. Auch Mathilda hat sich umgezogen, rutscht in Leggings und Shirtkleid vom Rand des Pools ins Wasser. „Wow!“ – das Nass ist sprichwörtlich kühl. „Erfrischend und reinigend“, sagt Krimmer, ein Herzkissen, dann ein Shirt der Fußballnationalmannschaft haltend, als Symbole für die Verbindungen zu Gott, Gemeinde und Eltern. Nun gehöre sie zu einem Team aus zwei Milliarden, sagt er, fragt sie, ob sie getauft werden will. Kaum hat das Mädchen mit fester Stimme „Ja“ geantwortet, spricht Michl Krimmer „Mathilda Nora Joy, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ und lässt sie rücklings in das Nass gleiten. Als Mathilda auftaucht, strahlt sie.

Alt genug, um selbst zu entscheiden

Wie hernach ihre Schwestern, die auf der Eventebene das Sakrament empfangen – wo drei Taufbecken mit Wasserkrügen bereitstehen, man grandios weit über Stuttgart und Region blickt. Dem Himmel so nah – und der Oma, die da oben mitfeiere. „Eine wunderbare Symbolik!“, hatte Mama Maike beim Informationsgespräch in der Schlosskirche betont. Auch die siebenjährige Madleine schwärmt, nachdem sie den Segen – auf einem Stuhl stehend – empfangen hat, wie toll der Ort sei. Und die vierjährige Marla konstatiert lässig für alle „endlich taufen“.

Dass sich ihre Kinder dafür selbst entscheiden können, das war den Kammermeyers wichtig. „Wenn sie alt genug sind, um sich auch an dieses Erlebnis erinnern zu können.“ Mathilda habe letztlich den Anstoß gegeben. „Es ist ein Schritt, sich zu Christus zu bekennen“, so Maike. Das trage durch schwere Zeiten. Zudem bedeute Taufe, in die Geborgenheit der Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Die Lehrerin ist glücklich, dass alles gut ablief. Stolz ist auch Papa Matthias. „Und bewegt! Meine Mädels haben das toll gemacht, meine Frau alles super organisiert.“ Sie ist im Team der Kesselkirche.

Die Engel für die Täuflinge wurden im BHZ gefertigt

Nun geht es im Aufzug mit fünf Metern pro Sekunde wieder hinab mit der Verwandtschaft, die man endlich wiedersieht. An den Ständen gibt es Leckereien, Spiele, Basteleien und Malerei. Auch das BHZ ist dabei – in deren geschützten Werkstätten Engel für die Täuflinge gefertigt wurden. Auf Spiele & Co. haben sich die Mädchen gefreut.

Auf der Eventebene des Fernsehturms bleiben Pfarrer Friedrich July, der als Zeremonienmeister an diesem Samstag die Fäden in der Hand hält, und Stadtdekan Søren Schwesig. Er eröffnete das Tauffest am Vormittag mit Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. 47 Taufwillige stünden auf der Liste, im Alter von sieben Monaten bis 55 Jahren, sagt er. „Eine tolle Resonanz.“