Für die Taube in der Tiefgarage des Milaneo gab es kein Entkommen. Bürger schickten dieses Foto an die Tierschützer von Peta. Foto: privat

In der Tiefgarage des Milaneo ist eine Taube im Abwehrnetz verendet. Ein Fall für die Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

S-Nord - „Immer wieder heißt es: ‚Tut uns leid. Das war ein Versehen.‘ Ich kann es nicht mehr hören. Tatsache ist: Tierleid wird billigend in Kauf genommen.“ Das sagt Edmund Haferbeck, der Chefjustiziar bei der Tierrechtsorganisation Peta. Sein Zorn richtet sich gegen „die Verantwortlichen“ des Einkaufszentrums Milaneo. Dort wurden im Parkhaus unter der Decke Netze zur Taubenabwehr gespannt. Eine Taube hatte sich während der Arbeiten in einer Nische hinter dem Netz verkrochen. Ihr Todesurteil: Sie verendete in dem Netz. Kunden haben das tote Tier fotografiert und Peta informiert. Haferbeck hat bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige wegen Verstoßes gegen Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes gestellt.

Ende der Vergrämung gefordert

Der Paragraf besagt, dass es strafbar ist, ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund zu töten oder ihm länger anhaltende oder erhebliche Schmerzen oder Leiden zuzufügen. „Das Netz wurde fachwidrig angebracht“, sagt Haferbeck. Er fordert ein Ende solcher Vergrämung, zu der auch die Anwendung einer Klebepaste gehört, die im Milaneo eingesetzt wird. „Insekten und kleinere Vögel bleiben kleben, größere reißen sich Federn aus oder verreiben den Kleber beim Putzen im Gefieder. Die Folge ist, dass sie nicht mehr fliegen können und sterben.“

Milaneo weist die Vorwürfe zurück

Andrea Poul, Centermanagerin des Milaneo, räumt den Vorfall ein. „Das hätte tatsächlich nicht passieren dürfen und tut uns sehr leid“, sagt sie. Zu dem Vorfall gekommen sei es, weil sich die Taube wohl während der Arbeiten versteckt hat und dann übersehen worden ist. Die Peta-Vorwürfe weist sie zurück. Die Polizei sei vor Ort gewesen, habe aber bei der Begehung nichts Negatives feststellen können. Die Netze hält sie für ein „probates Mittel“ nicht nur zur Vergrämung, sondern auch zum Schutz der Tauben.

Und die Klebepaste? Die sei das humanste Mittel zur Taubenabwehr. Denn auf der Paste sei Quarzsand, wodurch Vögel festkleben könnten. „Allerdings funkelt der Quarzsand im Licht, und dass ist unangenehm für die Vögel“, sagt Poul und versichert, dass sie „keine Tierquälerin“ sei und sie es selbst nicht in Ordnung finde, wenn Tiere zu Schaden kommen. Die Maßnahmen seien mit dem Ordnungsamt abgesprochen.

Stefan Praegert vom Ordnungsamt bestätigt, dass sowohl Netze wie Paste „vom Grundsatz her“ zulässig sind, sofern sie keine Schmerzen oder Leiden bei Tieren verursachen. Ob alles in Ordnung ist, will die Behörde beim Milaneo jetzt nochmals vor Ort überprüfen.

Ob die Netze im Milaneo fachwidrig gespannt sind, kann Julia Bischoff vom Stadttauben-Projekt Stuttgart nicht sagen. Ihre Erfahrung ist allerdings, dass sich immer wieder Tauben in den Maschen verfangen und sterben, weil bei der Montage der Netze nicht immer sorgfältig genug vorgegangen wird. Die Klebepaste, die vor zwei Jahren in Außenbereichen des Milaneo angebracht worden ist, hält sie für schlimmer als Netze. „In anderen Bundesländern ist sie verboten“, sagt sie und weist darauf hin, dass auch beim Milaneo verklebte Tauben aufgefunden worden seien. Bischoff: „Eine Kollegin hat sie gesäubert.“

Verstöße gegen den Paragrafen 17 des Tierschutzgesetzes können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Bußgeld geahndet werden. Pressestaatsanwalt Heiner Römhild geht davon aus, dass es noch drei Monate dauert, bis geklärt ist, ob der Fall strafrechtlich relevant ist, der Bußgeldstelle übergeben oder ganz eingestellt wird.

Wie auch immer: Der Fall zeigt, wie wichtig Taubentürme sind, die die Bezirksvorsteherin Sabine Mezger für den Stuttgarter Norden fordert. Taubentürme seien sowohl für Mensch und Tier ein Gewinn, ist sie überzeugt. „Die Verschmutzung durch Taubenkot wird verringert, und die Tauben können artgerecht leben.“ Netze und Klebepasten hält sie für „brachiale Methoden“ und ein absolutes „No go“ in der heutigen Zeit. Darin, dass Taubentürme oder -schläge, in denen die Eier der Vögel gegen Attrappen ausgetauscht werden, die sinnvollste Maßnahme gegen das Taubenproblem ist, sind sich zumindest auch die Taubenschützer einig.

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