Achtung, zerbrechlich! Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ind der Porzellanmanufaktur. Foto: MDR/Anke Neugebauer

Der „Tatort“ aus Weimar mit Dorn und Lessing versucht sich diesmal an einer märchenhafte Geschichte und führt dabei die Kunst des Scheiterns vor. „Der scheidende Schupo“ ist trotzdem sehr witzig.

Stuttgart - In der traditionsreichen Thüringer Porzellanmanufaktur Scholder gibt es einen „Raum des Scheiterns“, in dem misslungene Kreationen zur Schau gestellt werden. Ausgerechnet diesen Ort hat sich der schokomilchschlürfende Schutzpolizist Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) ausgesucht, um seiner Kindergartenfreundin Andrea (Florentine Schara) mitzuteilen, dass sein Herz nicht ihr, sondern seiner Kollegin Kira Dorn gehört. Wenig später wird Lupos Rosenbeet Opfer eines Gartenscheren-Massakers, Andrea macht die Bekanntschaft mit einer Fliegerbombe, und Lupo landet vergiftet im Krankenhaus. Er hat nur noch zwei Tage zu leben.

Skurrile Figuren, lakonische Dialoge

Das kommt davon, wenn man sich wie ein Elefant im Porzellanladen verhält. Oder ist alles vielleicht doch ganz anders und viel komplizierter? Natürlich ist es das. Wie in den vorherigen Weimarer Fällen von Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) geht es den Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger vor allem darum, ein herrliches Durcheinander anzurichten, mit „Tatort“-Konventionen zu spielen, haarscharf an der Parodie vorbeizuschrammen und die Kriminal­geschichte nur zum Anlass zu nehmen, um den Zuschauern skurrile Figuren und lakonische Dialoge vorzusetzen. Ein Beispiel gefällig? „Ach, übrigens, Du musst heute allein zum Elternabend im Kindergarten“, sagt Lessing. „Warum?“, fragt Dorn. „Darüber muss ich noch nachdenken.“

Schlösser, Hexenhäuschen und inzestuöse Familienbande

Durch „Der scheidende Schupo“, den vierten Fall von Dorn und Lessing, schimmert immer wieder ein an „Aschenputtel“ und „Schneewittchen“ angelehnter Märchenplot. Es gibt Schlösser, Hexenhäuschen und inzestuöse Familienbande. Mit dem Gewirr kann der Regisseur Sebastian Marka, der schon „Tatorte“ aus München, Wiesbaden und Frankfurt inszeniert hat, nicht wirklich etwas anfangen. Der Rest ist Scheitern – allerdings mit hohem Unterhaltungswert.

ARD, Sonntag, 5. Februar, 20.15 Uhr

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