Klaus Borowski (Axel Milberg) beim Fest des Nordens Foto: NDR Presse und Information

Alle sind genervt. Alle gehen sich an die Gurgel. In Kiel tobt das „Fest des Nordens“, die Kieler Woche. Ein Mörder geht um. Und der Zuschauer sieht Roman Eggers zu, wie er immer tiefer sinkt.

Stuttgart - Sagen wir es gleich am Anfang: Der Mörder heißt Roman Eggers (Misel Maticevic). Zu viel verrät man damit nicht, denn dieser „Tatort“ ist kein Krimi zum Mitraten. Man kann sich schon fragen, ob er überhaupt ein Krimi ist. Regisseur Jan Bonny hat eine Vorlage von Henning Mankell umgesetzt. Er beschreibt sein Werk denn auch als „dramatischen Polizeifilm“. Der Zuschauer sieht Eggers von der ersten Einstellung an zu, wie er durch Kiel wütet, austickt, prügelt und zusticht. Immer begleitet von der Handkamera. Misel Maticevic spielt diesen selbstmitleidigen Schläger mit Furor und Bravour.

Sibel Kekillis Abschied

Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) hetzen ihm hinterher. Sie schieben sich durch die Massen des „Festes des Nordens“, der Kieler Woche (das ist eine Art Cannstatter Volksfest mit Segelschiffen), genervt von den Saufenden, der Hitze und sich selbst. Brandt vertreibt des Nachts Krakeeler mit dem Baseballschläger, Borowski betrinkt sich mit Rotwein. Überhaupt ist er seltsam gereizt und unprofessionell. Was sich nur erschließt, wenn man weiß, dass dieser Kieler „Tatort“ schon älter ist und eigentlich nach dem Fall „Die Rückkehr des stillen Gasts“ hätte ausgestrahlt werden sollen. Damals nahm ein Mörder Borowskis Verlobte als Geisel. Sie kam mit dem Leben davon, wollte nun aber keine Polizistengattin mehr werden. Borowski ist wieder alleine und leidet wie ein Hund. Die ARD hat diesen Fall in den Sommer verschoben, weil da auch die Kieler Woche stattfindet. Der Anschluss stimmt aber nicht mehr, und der Zuschauer wundert sich.

Es ist dies auch der letzte Fall von Sibel Kekilli. Sie möchte „mehr Zeit anderen Projekten widmen“. Ihr Abschied findet grußlos statt. Borowski gibt sich denn auch keine Mühe, warme Worte zu finden. Im Gegenteil, er herrscht sie an: „Ich könnte Sie auch dreimal am Tag in die Förde werfen – das macht noch keinen Mörder aus mir! Dann glauben Sie doch daran, dass dies ’ne Bombe ist, Sie blöde Kuh!“ Dieses ständige Gezerfe nervt auf Dauer, aber eigentlich sind die Kommissare ohnehin nur Nebensache. Im Zentrum steht die große Ein-Mann-Show von Misel Maticevic. Bis zum bitteren Ende.

„Tatort – Borowski und das Fest des Nordens“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
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