Tatort-Kritik „Der kalte Fritte“ aus Weimar: Ich glaub’, mein Hering hupt!

Von Gunther Reinhardt 

Zwischen Tarantino und Kandinsky, Striptease-Lokal und Bauhaus-Uni. Was taugt „Der kalte Fritte“, der neue „Tatort“ aus Weimar mit Nora Tschirner und Christian Ulmen?

Weimar - „Der kalte Fritte“, der neue Fall von Dorn und Lessing, im Schnellcheck:

Die Handlung in zwei Sätzen

Puh, es geht um Grundstücksspekulationen rund um ein geplantes Goethe-Geomuseum, um zwei Brüder, die sich abgrundtief hassen, und um den Vater von Kommissariatsleiter Stich, der sich als Trickbetrüger erweist. Irgendwie hat das alles tatsächlich miteinander zu tun – glauben wir zumindest.

Zahl der Leichen

Drei.

Der Zungenbrecher des Tages

„Chef, wir recherchieren im Chez Cheriechen.“ (Kira Dorn geht mit Lessing ins Bordell)

Die Mordwaffe des Tages

Der Bauhaus-Architekt Walter Gropius (in Form einer Gipsbüste) erschlägt den selbstgefälligen Architektur-Professor Ilja Bock.

Die Lyrikecke

Schärfe deine kräftgen Blicke!

Hier durchschaue diese Brust,

Sieh der Lebenswunden Tücke,

Sieh der Liebeswunden Lust!

(Lessing zitiert Goethes „West-östlichen Divan“)

Die Kunstlektion

„Der Kreis, der an ein Auge erinnert, wird von Dreiecken penetriert und auch in den Farben tobt der Kampf: Das kalte Blau trifft auf das heiße Rot.“ (Stichs Vater über Kandinskys „Weiches Hart“ aus dem Jahr 1927)

Der Spruch, der hängen bleibt

„Ich glaub’, mein Hering hupt.“ (Polizeichef Stich staunend am Tatort)

Die Frage, die offen bleibt

Wer ist eigentlich der grobe Klaus?

Unser Fazit

„Der kalte Fritte“ beginnt als herrlich lakonisch-chaotische Krimiparodie. Gegen Ende wird der Ton aber ernst und die Ästhetik tarantinomäßig brutal.

Spannung

Note 2-3

Logik

Note 3

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