Achtung, Lebensgefahr: Nora Tschirner als Kira Dorn in der „Tatort“-Episode „Der treue Roy“ Foto: mdr

Eine Leiche in der Hochofenschlacke, ein Lottogewinn für einen Toten, eine ausgestopfte Katze, eine Vogelspinne und ein Mann, den sie Flamingo nennen. „Der treue Roy“ beschert Nora Tschirner und Christian Ulmen in der Rolle der Weimarer „Tatort“-Ermittler den bisher härtesten Fall.

Weimar - Das Telefon klingelt. „Was? Wie? Wo?“, ächzt Dorn verschlafen ins Telefon als sie sich aus dem Bett quält. Ihrem Partner Lessing, der sich im Schlafanzug über ein Notebook beugt, raunzt sie „Porno?“ zu. „Arbeit?“ fragt er mürrisch zurück. Dann sind der Worte genug gewechselt. Mama wird als Babysitter verpflichtet und auf geht’s zum nächstgelegenen Tatort.

Die Weimarer Ermittler Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) haben schon auf dem Rummelplatz die Band Element Of Crime für sich spielen lassen („Der irre Iwan“) und sich mit Wurstfabrikanten angelegt („Die Fette Hoppe“). „Der treue Roy“ führt sie ins Stahlwerk. Dort sind in der dampfenden Schlacke die Überreste eines Menschen verbuddelt. Roy Weischlitz (Florian Lukas) hat sich als Einziger nicht nach seiner Schicht abgemeldet.

„Tatort“-Parodie der Generation MTV

Später stolpern Dorn und Lessing über eine verwirrte Schwester (Fritzi Haberlandt), einem Mann, der Flamingo heißt (Thomas Wodianka). Es kommen Zinnsoldaten und ein Lottogewinn vor, man erfährt, warum sich ein Biologiestudium doch lohnen kann. Und bevor am Ende Schluss mit lustig ist, dürfen sich Dorn und Lessing ausgiebig anfrotzeln (Dorn: „Ich opfere meine besten Jahre einem gescheiterten Kaktussammler!“) und kuriose Verhöre führen: „Es tut mir leid, aber ich sehe sie einfach nicht neben einem alkoholkranken, einbeinigen Ex-Schlacke-Fahrer in Rimini!“ (Lessing)

Der dritte „Tatort“ aus Weimar erweist sich zwar einmal mehr als eine unverschämte „Tatort“-Parodie der Generation MTV – entwickelt sich aber mehr und mehr zum knurrigen Thriller-Ungetüm. Die „Tatort“-Traditionalisten werden sich wahrscheinlich auch diesmal wieder am ­lakonisch-albernen, sarkastisch-selbstironischen, skurril-verdrehten Drehbuch von Murmel Clausen und Andreas Pflüger stören und sich ganz dringend Hansjörg Felmy zurückwünschen. Alle anderen dürfen sich über ein wunderbar ausbalanciertes Duo und ernst zu nehmende Konkurrenten für jedermanns „Tatort“Lieblingsermittlerteam aus Münster freuen.

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