Sie ist ein prägendes Gesicht des SWR-Fernsehens – und privat eine engagierte Streiterin für den Tierschutz: Tatjana Geßler spricht über Hasskommentare im Netz gegen Veganer, über die „Gras- und Steineküche“ und ihr erstes Programm als Sängerin im Friedrichsbau.
Tatjana Geßler moderiert, liest Nachrichten, schreibt Kinder- und Kochbücher für Veganer, dreht Tierfilme – und singt auch: Am Sonntag, 9. Juni, 18 Uhr, tritt sie mit dem Programm „Gesang, Getier, Geschichten“ im Friedrichsbau Varieté auf.
Frau Geßler, es gibt immer mehr Angebote für Veganer, etwa auf dem Wasen mit veganen Vesperbrettern, gleichzeitig werden Veganer im Netz mit Hasskommentaren überschüttet. Wie schätzen sie die Lage für Veganer ein?
Der Wandel ist da. Nie war es so leicht sich vegan zu ernähren. Jeden Tag gibt es neue Produkte. Als ich vor neun Jahren anfing, vegan zu leben, musste ich lange suchen, bis ich zum Beispiel eine gute Pflanzenmilch gefunden habe. Heute bekomme ich zig Alternativen überall, selbst in Billig-Supermärkten. Der Anteil von Hasskommentaren und positiven Kommentaren hat sich verschoben.
Inwiefern?
Mittlerweile bekomme ich mehr positives als negatives. Der Hass gründet meiner Meinung nach auf der sogenannten kognitiven Dissonanz. Wir sehen überall Filme gerade auch in den sozialen Medien, wie es in der Massentierhaltung und in Schlachthöfen zugeht. Die Leute wissen, dass sie mit ihrem Konsum das Leid unterstützen, haben aber Angst vor der Veränderung und vor vermeintlichem Verzicht. Also greift man die an, die einem vermeintlich das schlechte Gewissen machen.
Die Verrohung im Netz hält also an. Was war der schlimmste Hasskommentar, der Sie erreicht hat?
Den kann ich hier nicht wiedergeben, den können Sie nicht drucken, so unter der Gürtellinie war er. Die harmloseren: Du gehörst eingesperrt, Idiotin, du bist dumm, krank, essgestört, wir kriegen dich….
Wie reagieren Sie in solchen Fällen?
Bei üblen Beleidigungen blocke ich. Anzeigen laufen ins Leere, da Facebook die IP-Adresse nicht rausgibt und solche Kommentare meist von anonymen Accounts kommen.
Veganer, so lautet ein Vorurteil, ernähren sich von Gras und Steinen. Sie schreiben ein Buch mit Rezepten aus ihrer Gras- und Steineküche. Woher nehmen Sie die Anregungen für die Gerichte?
Zum Teil sind das Gerichte, die ich bei anderen gegessen habe und köstlich fand, ich frage dann immer nach dem Rezept. In erster Linie sind es Rezepte, die bei mir regelmäßig auf den Tisch kommen. Manchmal bastle ich auch rum. Zum Beispiel wollte ich unbedingt mal wieder Granatsplitter essen und habe dann mal in meiner Küche rumprobiert, wie ich die vegan hinbekomme.
Wieso verwenden Veganer Ausdrücke wie „vegane Fleischküchle“, obwohl doch kein Fleisch drin ist?
Weil sie aussehen und schmecken wie Fleischküchle. Aber eben ohne Tierleid und jeder gleich weiß was gemeint ist. Würde man sie Qulumpur-Bällchen oder Weizen-Kugeln oder ähnlich nennen, wäre das verwirrend. Ich verstehe immer nicht, warum sich da manche drüber echauffieren. Über Bärchenwurst regt sich auch keiner auf. Ist auch kein Bär drin, in Leberkäse kein Käse, in Kinderschokolade kein Kind…
Sind Ihre Hunde Veganer?
Sie bekommen veganes Futter, Insektenfutter und ab und zu Wild.
Was erwartet die Besucherinnen und Besucher am 9. Juni bei ihrem Auftritt im Friedrichsbau-Variete?
Natürlich viel Unterhaltsames rund um Tiere. Wir haben außerdem ein tolles musikalisches Programm - auch mit meinen eigenen Titeln vorbereitet. Frieder Berlin wird nicht nur am Flügel sondern auch wieder an der Geige brillieren. Jan-Philipp Wiesmann, mehrfach ausgezeichneter Jazz- Schlagzeuger, Armin Valalakis Vollblutmusiker mit jahrzehntelanger Erfahrung an Bass und Gitarre und Albert Mayer-Mikosch, der unter anderem Udo Jürgens viele Jahre mit der Gitarre begleitet hat - werden mich begleiten. Ich lese aus meinen Tierbüchern, es gibt ein paar Überraschungen. Besonders freue ich mich auf die Gastauftritte von den grandiosen Sängern Cherry Gehring von Pur und Jens Heckermann alias Pelvis von den Füenf.
Friedrichsbau Varieté
Wo es Karten gibt „
Gesang, Getier, Geschichten“ – so heißt das Programm, mit dem die SWR-Nachrichtenfrau und Moderatorin Tatjana Geßler am Sonntag, 9. Juli, 18 Uhr, mit Gästen im Friedrichsbau Varieté auftritt. Karten unter www.friedrichsbau.de.