GDL-Chef Claus Weselsky geht es um nachhaltige Errungenschaften, nicht um ein paar Lohnprozente. Foto: dpa/Fabian Sommer

Die Lokführergewerkschaft GDL lässt sich von einem auf den ersten Blick stattlichen Angebot der Deutschen Bahn nicht bremsen. Ihrem Chef Claus Weselsky geht es in dieser Tarifrunde um größere Ziele, meint Matthias Schiermeyer.

Die oft gestellte bange Frage, ob die Lokführer in der Weihnachtszeit die Deutsche Bahn bestreiken werden, bleibt erst einmal offen. Gewerkschaftschef Claus Weselsky ist ein Tariffuchs und lässt sich diese Option nicht durch das Bahn-Angebot eines „Weihnachtsfriedens“ aus der Hand nehmen. Es könnte allerdings noch deutlich schlimmer kommen. Denn die Lokführergewerkschaft sucht womöglich eine lange nicht erlebte Eskalation auf der Schiene – mit einer relativ frühen Urabstimmung könnte sie schon bald unbefristete Ausstände inszenieren.

 

Das Arbeitgeberangebot von elf Prozent plus Inflationsprämie über 32 Monate wirkt auf den ersten Blick stattlich und kommt auch passenderweise gleich zum Auftakt. Doch wird es Weselsky in keiner Weise aufhalten. Er hat größere Ziele – 555 Euro mehr im Monat für alle und die Vier-Tage-Woche für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich etwa. Dem GDL-Chef geht es nicht um einen Ausgleich für die Teuerung. Er will sich in seiner letzten großen Tarifrunde mit echten Errungenschaften ein Denkmal setzen.

Im Hintergrund schwelt der alte Überbietungswettbewerb zwischen der GDL und der Eisenbahngewerkschaft EVG, der durch das Tarifeinheitsgesetz noch angeheizt wurde. Und es gärt die nicht mehr zu bereinigende Feindschaft zwischen Weselsky und dem Bahn-Vorstand. Diese explosive Mischung bietet so viel Sprengstoff, dass die Fahrgäste stürmische Zeiten erwarten sollten.