Ryanair-Chef Michael O’Leary strebt eine Verständigung mit den Gewerkschaften bis Weihnachten an. Foto: AFP

Die Gewinne geht zurück, die Gewerkschaften bleiben am Drücker und die Politik bezieht Stellung gegen ihn. Ryanair-Chef Michael O’Leary muss Stück für Stück zurückweichen – leider nicht aus Einsicht. Nur anhaltender Druck zwingt ihn zum Einlenken, meint Matthias Schiermeyer.

Stuttgart - Es gehört zu den eher seltenen europaweiten Solidaritätsleistungen aufseiten der Arbeitnehmer, wenn es den Gewerkschaften mit grenzübergreifenden Absprachen gelingt, der Selbstherrlichkeit von Michael O’Leary ein Ende zu setzen, denn so sieht es aus: Ein Abkommen nach dem anderen muss der Ryanair-Chef abschließen, in denen er bessere Arbeitskonditionen und Tarifverträge nach nationalem Recht gewährt.

Gesetzeslücke kühl von Ryanair ausgenutzt

O’Leary wehrt sich nach Kräften, wie anhaltende Foulspiele zeigen: die angekündigte Schließung der Basen in Bremen und Weeze etwa oder etliche Versuche, Mitarbeiter einzuschüchtern. Verdi, die Pilotenvereinigung Cockpit und die Flugbegleiter-Organisation Ufo können ihn in die Knie zwingen, wenn sie mit- statt gegeneinander arbeiten. O’Leary zeigt somit keine Einsicht, Beschäftigte fair behandeln zu müssen – vor allem wirtschaftlicher Druck zwingt ihn zum Einlenken. Die Lage der Branche ist kompliziert genug, da will er seine Rendite nicht auch noch durch renitente Gewerkschaften schmälern lassen.

Hilfreich ist es auch, dass einige Politiker Position bezogen haben. Die Ankündigung von Bundesarbeitsminister Heil, Betriebsräte bei Ryanair zu ermöglichen, war ein sinnvoller Schritt. Derzeit schließt das Betriebsverfassungsgesetz das fliegende Personal prinzipiell von der Errichtung eines Betriebsrats aus. Gegen den Arbeitgeberwillen können Piloten und Flugbegleiter keine wirksame Mitbestimmung ausüben. Ryanair hat diese Lücke kühl ausgenutzt. Eine Reform der bisherigen Regelung ist überfällig, damit es nicht bei Appellen an O’Leary bleibt, Arbeitnehmerrechte zu beachten. Hierzulande gilt die Tarifautonomie – dies muss er respektieren.

Flugkunden tragen Verantwortung

Auch die Flugkunden können die Entwicklung beeinflussen, indem sie dazu beitragen, dass der irische Absolutist keinen unfairen Wettbewerb mehr auf dem Rücken seiner Angestellten betreibt. Wer partout wirtschaftlich fragwürdige und ökologisch desaströse Billigst­angebote ohne Rücksicht auf ihr Zustandekommen beansprucht, muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Zumindest darf sich derjenige nicht über Flugausfälle durch Streiks beklagen, denn die sind nur eine angemessene Antwort auf das Gebaren von Ryanair.

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