Unsere VfB-Taktiktafel analysiert das aktuelle Spiel des Clubs mit dem Brustring. Foto: Jonas Bischofberger

Unser Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert hier die Partie des VfB Stuttgart gegen den VfL Bochum und präsentiert uns die taktischen Stärken und Schwächen der beiden Teams.

Stuttgart - Aus taktischer Sicht war das Aufeinandertreffen mit dem VfL Bochum besonders interessant. Einerseits war es natürlich das Debüt des neuen Cheftrainers Hannes Wolf. Gleichzeitig erwartete ihn mit Gertjan Verbeeks VfL die wahrscheinlich speziellste Aufgabe, die die zweite Liga zu bieten hat.

  • Manndeckungen und hohes Pressing nerven den VfB
  • Stuttgart verteidigt das Zentrum nicht gut
  • Bochum drängt den VfB nach der Pause zurück

Mangels Vorbereitungszeit war im ersten Spiel unter Hannes Wolf noch kein taktischer oder personeller Umbruch zu erwarten gewesen. Das in der englischen Woche von Olaf Janßen eingeführte Mischsystem aus 4-1-4-1 und 4-2-3-1 sollte erst einmal als Basis dienen. Lediglich Kevin Großkreutz kam für die linke Seite neu rein.

Bochum mit Manndeckungen

Der VfL Bochum lief dagegen in einer 4-2-3-1-Grundordnung auf, die sich im Spiel gegen den Ball asymmetrisch verformte. Sie störten den gegnerischen Aufbau sehr früh, indem sie enge Manndeckungen eingingen. Meist war es so, dass Mlapa Baumgartl zustellte und Kevin Stöger als zweite Spitze aufrückte und Sunjic bewachte oder bis zum Torwart durchlief. Hinter der ersten Reihe ergaben sich dann auf natürliche Weise die direkten Zuordnungen: Losilla gegen Maxim, Stiepermann gegen Gentner und Eisfeld gegen Hosogai. Die Bochumer Mittelfeldspieler suchten sich aber auch je nach Situation einen neuen Gegenspieler, um nicht ganz so ausrechenbar zu sein.

Über die Manndeckungen bekamen die Bochumer ordentlich Zugriff. Gerade die Flügelüberladungen, die der VfB probierte, konnten gut zugeschoben werden, indem die Manndecker den unterstützenden Spielern einfach hinterhergingen. Trotzdem gelang es Stuttgart einige Male, die Ordnung des Gegners auszuhebeln. Schlüsselspieler dabei waren Insua und Gentner, denen es mit weiten Vorstößen gelang, ihre Gegenspieler hinter sich zu lassen und in freie Räume hineinzukommen. Insua stellte seinen Manndecker zusätzlich vor Schwierigkeiten, indem er sich, anders als die meisten Außenverteidiger, viel ins Zentrum bewegte. Teilweise war er fast wie ein zusätzlicher Achter unterwegs.

Erste Ideen von Wolf

Gegen den Ball waren indes erste Ideen von Hannes Wolf zu erkennen. Das hohe Pressing am gegnerischen Strafraum funktionierte wie gehabt. Wenn man sich ins Mittelfeldpressing zurückzog, waren die Flügelspieler jedoch höher positioniert als zuletzt. Vor allem Großkreutz sollte Druck nach vorne machen, während sich Maxim etwas zurückfallen ließ. Asano spielte auf der anderen Seite etwas tiefer und half bei der Verteidigung des Flügels. Besonders gut funktionierte diese Variante allerdings nicht. Insua musste oft herausrücken, um Zugriff auf den Raum hinter Großkreutz zu bekommen, was Lücken für die Ausweichbewegungen von Eisfeld und Mlapa öffnete.

Außerdem versuchte Hosogai fleißig überall auszuhelfen, worauf Gentner nicht gut genug reagierte. Der Kapitän ließ das Mittelfeldzentrum im Anschluss zu oft verwaisen. Bochum versuchte vor allem diese Schwachstelle zu nutzen. Dazu bildeten sie im Aufbau Dreierketten, indem Linksverteidiger Rieble weiter aufrückte als sein Pendant auf der rechten Seite Celozzi. Manchmal ließ sich auch Losilla in die Abwehrreihe zurückfallen, dann konnte auch Celozzi aufrücken. Danach suchten sie bevorzugt Stöger, Eisfeld oder Stiepermann im Zentrum, die die Angriffe dann weiter tragen sollten. Meist konnte sich der VfB allerdings noch schnell genug zusammenziehen, um die Ansätze des VfL zu ersticken. Besonders Hosogais Abräumerqualitäten waren dabei wichtig.

Der VfL übernimmt das Kommando

Die relative Chancenarmut in dieser Partie hing nicht zuletzt damit zusammen, dass beide Mannschaften ein sehr aggressives Pressing aufzogen und dem Gegner keine Luft zum Atmen gaben. Dass Bochum nach der Pause das Heft in die Hand nahm, hing auch damit zusammen, dass der VfB nicht mehr ins Angriffspressing hineinkam und etwas tiefer verteidigte. Das war allerdings mit den schon erwähnten Lücken im zentralen Mittelfeld verbunden. Dass Gentner noch weiter aufrückte als vor der Pause, verschärfte diese Problematik nur noch. Bochums Momentum wurde allerdings in der 57. Minute durch das Stuttgarter Führungstor im Anschluss an eine schöne Dreieckskombination gebrochen. Hier zeigte sich der Nachteil von Verbeeks Manndeckungssystem: Eine individuelle Unachtsamkeit reichte, um Maxim den Raum für seine Torvorlage zu verschaffen.

Im Anschluss gelang es dem VfB durch tiefere Positionierungen von Gentner und Maxim mehr Stabilität aufzubauen. Diese Stabilität stand aber auf tönernen Füßen. Im Spielaufbau war der VfB zu auseinandergerissen und es gab kaum noch Entlastungangriffe. Später kamen auch noch ungewohnte Fehler von Langerak dazu. Die Einwechslung von Zimmermann für Maxim sollte den Defensivproblemen entgegenwirken, sorgte aber kaum für Besserung. Insbesondere die Sechser ließen sich gegen Ende zu weit nach hinten drücken und gaben die Räume im Mittelfeld preis. Es brauchte letztlich eine Menge Glück, um den Schlussspurt der Bochumer zu überstehen und den Punkt mit nach Hause zu nehmen.

Fazit

Der VfL Bochum ist von allen Zweitligisten vielleicht der unangenehmste Gegner für ein Trainerdebut. Ihre Manndeckungen und das gut strukturierte Aufbauspiel sind in der Liga die absolute Ausnahme. So war es nicht überraschend, dass der VfB nach einer turbulenten Woche mit kaum Vorbereitungszeit seine Probleme hatte. Auch wenn erste Ideen schon zu erkennen waren, wird Hannes Wolf seine Vorstellungen wohl frühestens im nächsten Spiel gegen Fürth so langsam einarbeiten können.

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VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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