In Weil der Stadt kann man den Roten Turm (hinten im Bild) besichtigen. Foto: Archiv/FACTUM-WEISE

Beim Tag des offenen Denkmals öffnen viele historische Gebäude im Kreis ihre Pforten. Ein Höhepunkt, der selbst vielen Einheimischen noch nicht bekannt sein dürfte, erwartet die Besucher etwa in Weil der Stadt.

Böblingen - Unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht in diesem Jahr der Tag des offenen Denkmals, der am Sonntag, 10. September, auch im Kreis Böblingen begangen wird. Viele Städte und Gemeinden beteiligen sich und öffnen die Türen ihrer historischen Kleinode, um Besuchern ein Gefühl für die Geschichte zu vermitteln. Denn das ist der Grundgedanke dieses Tages: die Menschen für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und das Interesse für die Denkmalpflege zu wecken.

Auch Weil der Stadt beteiligt sich an diesem Aktionstag. Bereits im März habe eine Gruppe aus geschichtlich interessierten Bürgern mit der Stadtverwaltung gesprochen und aus den Attraktionen der Stadt die Passenden ausgewählt, sagt die Pressesprecherin von Weil der Stadt, Michaela Leven. Herausgekommen ist ein vielfältiges Programm: Hans-Joachim Dvorak vom Heimatkreis Merklingen erklärt beispielsweise auf zwei Rundgängen, woher der Wohlstand dieses Stadtteils stammt. Beginn ist um 11.30 Uhr und um 14 Uhr am Sportplatz.

Im kleinsten Wohnhaus der Stadt

Da die Stadtmauer stellenweise saniert wird, ist es in diesem Jahr nicht möglich, sie zu begehen. Zwischen 12.30 Uhr und 17 Uhr können Besucher allerdings den Storchenturm und den Roten Turm besichtigen, beide liegen in der Plangasse. In Letzterem zeigt der Nachtwächter Manfred Nittel, mit welchen Instrumenten die freie Reichsstadt einst ihre Macht durchsetzte. Zu sehen ist auch der Kirchenschatz der Katholischen Kirche St. Peter und Paul, Peter-und-Paul-Platz 2 – „ein Highlight des Tages, das selbst viele Weiler Bürger noch nicht gesehen haben dürften“, meint Michaela Leven. Dieser werde nämlich normalerweise in einem Tresor aufbewahrt und sei nur selten zu besichtigen.

In und rund um Herrenberg gibt es gleich mehrere Attraktionen, die am Sonntag zu einem Besuch einladen. In der Herrenberger Froschgasse steht das kleinste Wohnhaus der Altstadt, das bei einer Führung um 13.30 Uhr angesteuert wird. Treffpunkt ist der Marktbrunnen. Und schließlich bietet das Hägismuseum in Oberjesingen, Hägisstraße 31, von 10 bis 17 Uhr einen Einblick in das bäuerliche Leben der Vergangenheit. Zu sehen sind unter anderem Werkzeuge zur Flachsverarbeitung sowie Möbel und alte Puppenstuben.

Chorherrenhaus und Strumpffabrik

In Böblingen können Besucher von 15 bis 17 Uhr einen Blick in die von Marinus van Alst umgestalteten Erinnerungsräume in der Kapelle auf dem Alten Friedhof, Herdweg 41, werfen. In den begehbaren Rauminstallationen werden Erinnerungen an die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wachgerufen. Der Leiter des Böblinger Amtes für Kultur, Peter Conzelmann, wird vor Ort für Fragen zur Verfügung stehen.

Sindelfingen beteiligt sich in diesem Jahr mit drei Denkmälern an diesem Aktionstag. Im Chorherrenhaus, Stiftstraße 2, kann zwischen 14 und 18 Uhr das Skriptorium, eine mittelalterliche Schreibstube, besichtigt werden. Um 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr finden im Stadtmuseum, Lange Straße 13, Führungen durch die Fotodokumentation „Bürgermeister-Gußmann-Stube“ statt. Außerdem öffnet die ehemalige Strumpffabrik in der Bahnhofstraße, die später das erste Gebäude der IBM darstellte, von 13 Uhr bis 18 Uhr ihre Türen. „Mit der Auswahl der Denkmäler wollen wir den Wandel der Macht vom Klerus über die Politik bis hin zur Wirtschaft verdeutlichen“, sagt Nadine Izquierdo, die Sprecherin der Stadt Sindelfingen.

Waghäusle und Engelbergtunnel

Wer schon immer mal einen Blick in die historischen Räume des Schlosses in Waldenbuch werfen wollte, der hat am Sonntag die Gelegenheit dazu. Denn um 15 Uhr findet eine kostenlose Führung mit Holger Starzmann statt. Die Freikarten sind am Sonntag an der Museumskasse erhältlich, die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt.

Weitere Highlights, die am Tag des offenen Denkmals geboten werden, sind das Waghäusle in Hildrizhausen, das ab dem Jahr 1899 als Viehwaage genutzt worden war. Auch der Engelbergtunnel in Leonberg kann von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. In Weissach locken drei Führungen durch den historischen Wehrkirchbereich, diese übernimmt Gerhard Mann um 11.30 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr.

Der Tag des offenen Denkmals

Organisation: Deutschlandweit sind am Sonntag, 10. September, rund 7500 historische Baudenkmale, Parks und archäologische Stätten geöffnet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat seit 1993 die Koordination dieses Tages übernommen.

Übersicht: Eine Karte mit allen in Deutschland am Sonntag zugänglichen Denkmälern samt den jeweiligen Öffnungszeiten und besonderen Aktionen gibt es hier.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: