Bei den Tafeln im Kreis Esslingen herrscht Hochbetrieb. Dank Spenden kann der hohe Bedarf allerdings überwiegend gedeckt werden. Allerdings fehlen vielerorts Ehrenamtliche. Wie blicken die Verantwortlichen ins neue Jahr?
Lange Warteschlangen, steigende Preise und weniger Spenden machen den Tafeln zu schaffen. Zum Jahresende hat sich die Situation weiterhin verschärft: Etwa ein Drittel der Tafeln in Deutschland sind laut dem Tafel-Dachverband überlastet. Dort gebe es „temporäre Aufnahmestopps oder Wartelisten“, sagt der Vorsitzende Andreas Steppuhn.
„Wir mussten zum Glück noch keinen Aufnahmestopp einführen“, sagt Tanja Herbrik, Leiterin des Fachbereiches Armut- und Beschäftigung beim Kreisdiakonieverband. Herbrik ist verantwortlich für die Fildertafel, zu der die Läden in Bernhausen, Echterdingen und Nellingen gehören, und blickt auf schwierige Monate zurück: „Der Bedarf ist riesig. Die Schlangen vor unseren Läden sprechen eine deutliche Sprache.“ Durch Kriege und Inflation sei die Anzahl der Menschen, die bei der Fildertafel Lebensmittel und Hygieneartikel zu reduzierten Preisen kaufen, stark gestiegen.
Einige Neukunden seien Geflüchtete aus der Ukraine, aber auch ältere Menschen, die mit ihrer Rente nicht mehr über die Runden kommen, oder Bezieher von Grundsicherungsleistungen wie Bürgergeld.
Abgenommen habe hingegen die Anzahl der Helfer. „Während der Corona-Pandemie haben sich viele Ehrenamtliche zurückgezogen und kamen nicht mehr zurück. Dadurch fehlen uns im Alltag viele Hände“, sagt Tanja Herbrik. Schon seit einiger Zeit könne nicht mehr garantiert werden, dass alle Kundinnen und Kunden das bekommen, was sie möchten und auch brauchen. Das führe zu langen Schlangen vor den Ausgabestellen und zu Unmut bei den Bedürftigen.
Weniger Lebensmittelverschwendung, weniger für die Tafeln
Anders gestaltet sich die Situation bei der Esslinger Tafel: Ehrenamtliche gebe es derzeit genug, sagt die stellvertretende Marktleiterin Roswitha Marin. „Natürlich gibt es immer was zu tun, aber im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein, wenn es im neuen Jahr so weitergeht“, sagt Marin. Von einem Aufnahmestopp sei man hier noch weit entfernt. Bei der Fildertafel dagegen fehlen nicht nur helfende Hände, sondern auch zahlreiche Lebensmittel.
Laut den Verantwortlichen der Tafelläden spenden immer weniger Privatpersonen Lebensmittel, aber auch im Handel hat ein Umdenken stattgefunden: Nachhaltigkeit spielt offenbar eine immer größere Rolle, sodass weniger übrig bleibt als noch vor einigen Jahren. Für die Tafeln bedeutet das unter Umständen vor allem weniger Obst und Gemüse.
Tafel investiert in Digitalisierung
Um täglich etwa 160 Haushalte zu versorgen, ist die Fildertafel auf Spenden angewiesen. Für gewöhnlich fallen vor allem die Sachspenden zur Weihnachtszeit höher aus als im restlichen Jahr, berichtet Hans-Peter Kensbock, der für die Leitung der Tafelläden der Caritas Fils-Neckar-Alb verantwortlich ist: „Gleichzeitig kommen aber auch extrem viele Kunden vor den Feiertagen“, sagt er. Nach wie vor sei die Tafel deshalb auf Spenden angewiesen. „Wir bitten gezielt Privatpersonen oder Firmen um eine Lebensmittelspende“, so Kensbock.
Finanzielle Unterstützung brachte im vergangenen Jahr die Stiftung der deutschen Fernsehlotterie. Mit 23 Millionen Euro unterstützte sie die Tafeln in Deutschland. „Für unsere Mitarbeitenden ist das eine wichtige Wertschätzung, aber auch eine Hilfe für unsere tägliche Arbeit“, sagt Herbrik.
Investiert wurde das Geld auf den Fildern in ein neues Fahrzeug und in den Ausbau der Digitalisierung der Tafel. Trotzdem ist der Blick von Herbrik ins neue Jahr eher ernüchternd: „Wir fürchten, dass durch steigende Kosten eher noch mehr hilfsbedürftige Menschen zu uns kommen werden.“