Der Böblinger Abdulnaser Al Alawi und seine Frau Salimeh Dahla sind beide leidenschaftliche Hobbyköche. Foto: the

Der Böblinger Abdulnaser Al Alawi und seine Frau Salimeh Dahla wollen in Sindelfingen einen Foodtruck mit vegetarischen Gerichten aus ihrer Heimat Syrien eröffnen. Noch gibt es aber Startschwierigkeiten.

Fein säuberlich legt Abdulnaser Al Alawi klein geschnittenen grünen Salat, längs geschnittene Gewürzgurken, Petersilie und Minze aus dem eigenen Garten, Tomatenscheiben und Zitronenschnitze mit Schale in die Mitte des arabischen Fladenbrots. Dann zerdrückt er drei frisch frittierte Falafel-Bratlinge auf dem Fladenbrot, löffelt großzügig eine Joghurt-Sesammus-Sauce darüber, verfeinert alles noch mit etwas Salz und Sumach, und rollt dann aus dem Ganzen einen länglichen Wrap. „Wenn Sie einmal probieren, wollen Sie es jeden Tag essen“, ist er sich sicher. So sicher, dass er einen Imbisswagen aufmachen möchte.

 

Auf dem Tisch stehen außer den Falafel-Wraps Teller mit Gemüse, Fladenbrot, dazu gibt es selbst gemachten Hummus. Für den 49-Jährigen, der aktuell in Böblingen lebt, ist Kochen ein Hobby, das ihn schon seit seiner Schulzeit in Syrien begleitet. „In der Nachbarschaft, wo ich aufgewachsen bin, habe ich immer in einem Restaurant geholfen mit Falafeln und anderen Gerichten“, erinnert sich Al Alawi, der 2015 mit seiner Familie nach Deutschland kam. Nach der Schule habe er dann aber eine Lehre im Heizungs- und Sanitärwesen gemacht, und sei vor seiner Flucht aus Damaskus 25 Jahre lang als Meister in dem Beruf tätig gewesen.

Ehepaar will Koch-Hobby zum Beruf machen

Und er wäre wohl auch jetzt in Deutschland noch als Klempner tätig, würde ihn nicht ein fehlendes Zertifikat dazu zwingen, nur Aushilfsarbeiten machen zu dürfen. Auf Dauer ist das keine Option für den selbstbewussten Macher Al Alawi. „Ich möchte gerne selbstständig tätig sein und mit meiner Frau Falafeln und andere vegetarische und vegane Speisen in meinem Imbisswagen in Sindelfingen verkaufen“, sagt er. „Falafel Taiba“ steht auf der Fotomanipulation, die zeigt, wie sein Imbisswagen einmal aussehen könnte. „Taiba“ heißt auf Arabisch „köstlich“.

Wie ihr Mann, kocht auch die 36-jährige Salimeh Dahla gerne. Sie erzählt, wie sie vor zehn Jahren in Beirut für die UN gekocht hat – ausgewählt aus fast 20 Bewerberinnen. Ihr Mann hat in Damaskus einen sechsmonatigen Kochkurs absolviert, bevor der Krieg ausbrach. Die beiden sind überzeugt von ihrem Können und nach 20 Jahren Ehe ein eingespieltes Team. Auch mit großen Bestellungen haben sie schon Übungen. So haben sie beispielsweise 2018 beim Maichinger Straßenfest 200 Portionen Falafel-Wraps für den Stand des AK Asyl Sindelfingen zubereitet.

Imbisswagen in Wartestellung

Der Traum der beiden ist es, in ein paar Jahren ein eigenes kleines Restaurant in Sindelfingen eröffnen zu können. „Sindelfingen ist unsere Heimat“, sagt Al Alawi. Seine Familie hat in den vergangenen acht Jahren hier Fuß gefasst, Freundschaften geschlossen, und ist in der Gesellschaft aktiv. Umso mehr trifft es ihn, wie schwer ihm der Start in die Selbstständigkeit gemacht wird. „Ich bekomme vom Jobcenter keine Starthilfe für meinen Imbiss“, beklagt er sich. Dabei stehe ihm das Einstiegsgeld als Förderung für eine Existenzgründung zu. Auch Praktika in ähnlichen Foodtrucks seien ihm bisher nicht genehmigt worden. Alles, was er bisher für seinen eigenen Imbiss getan hat, hat er sich und seiner Familie vom Munde abgespart.

Der Imbisswagen, den er verwenden möchte, steht im Garten. Al Alawi hat den sechs Meter langen Wagen von einem Freund gekauft, der seinen Imbiss aufgegeben hat, und den Wagen entkernt. Fritteuse, Kühlschrank und Frischeschubladen, einen Fleischwolf für die Kichererbsen und einen Pizzaofen hat er schon besorgt. Auch ein Dunstabzug steht unter dem Carport bereit. Weit „mehr als 12 000 Euro“ hat die Familie nach eigenen Angaben schon für ihren Traum ausgegeben. Mit einem Coach aus Böblingen hat Al Alawi einen Businessplan erarbeitet.

Hoffen auf einen dauerhaften Standort

Eigentlich ist alles bereit, damit er mit seinem Imbiss durchstarten kann. Was fehlt, ist ein fester Stellplatz. Den habe ihm die Stadt Sindelfingen mündlich zugesprochen – in unmittelbarer Nähe des Rathauses. Nun wolle davon aber niemand mehr etwas wissen. „Ich brauche aber einen festen Stellplatz, weil ich für meine Küchengeräte einen Starkstromanschluss brauche“, sagt er. Auch Frischwasser braucht er, um das Gemüse vorzubereiten. Ohne einen festen Stellplatz müssten er und seine Frau alle Zutaten für ihre Speisen, zum Beispiel den Kichererbsenteig und das Gemüse, in ihrer Wohnung vorbereiten.

Zudem bräuchten die beiden ein neues Auto, um ihren Imbisswagen jeden Tag an einen anderen Stellplatz zu bringen. „Mir wurde vom Jobcenter vorgeschlagen, für das neue Auto ein Crowdfunding zu machen“, sagt Al Alawi. Er ist enttäuscht. „Ich habe so viele Bekannte und Freunde, die gerne wieder syrische Falafel essen wollen“, sagt er. Er hoffe darauf, dass er doch noch einen dauerhaften Standplatz für seinen Imbisswagen mieten kann. Er hat schon mehrere Orte ins Auge gefasst, bisher aber nur Absagen erhalten. Aktuell, sagt er, blicke er in eine schwarze Zukunft. „Sindelfingen ist zwar meine Heimat“, wiederholt er, „ich möchte hier etwas aufbauen. Aber wenn es uns so schwer gemacht wird, müssen wir uns vielleicht eine andere Stadt suchen.“ Der Gedanke fühle sich an, als würde ihm jemand die Fingernägel herausreißen.