Anblicke wie an diesem Montag (19. Oktober) in Stuttgart rufen Erinnerungen an das Frühjahr 2020 hervor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein halbes Jahr später ist das Phänomen der Hamsterkäufe wieder zurück. Sorgen der Konsumenten im Hinblick auf Lebensmittelengpässe mehren sich. Dabei betont der Landesverband, dass auch in diesem Herbst alle Waren in ausreichender Stückzahl vorhanden seien.

Stuttgart - Vielerorts sind Super- und Drogeriemarkt-Regale im Bereich der Kosmetik und der Lebensmittel des täglichen Bedarfs leer. Bei einem großen Real-Markt in der Region ist zeitweise kein Klopapier zu bekommen. Bei Edeka Fleck im Herdweg im Stuttgarter Norden ist es unabhängig von der Marke fast aufgebraucht. Auch bei Weizenmehl bestimmter Marken offenbaren sich dem Verbraucher beinahe leere Regale. Das Nudel- und Heferegal scheint noch nicht von der wieder einsetzenden Hamsterkauf-Welle betroffen zu sein. Wohlgemerkt, es geht nicht um Supermarktregale im Frühjahr 2020. Ein halbes Jahr später sieht es bei Händlern wieder ganz ähnlich aus.

Das Phänomen Hamsterkäufe ist wieder allgegenwärtig

Mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens scheint sich auch das Kaufverhalten der Verbraucher zu wiederholen. In nahezu allen Lebensmittelgeschäften in der Stuttgarter Innenstadt, wie Lidl-, Aldi- und HIT-Filialen, sowie den Drogeriemarktketten dm und Rossmann ist das Toilettenpapier mengenmäßig außergewöhnlich reduziert. Im Gegensatz dazu hält sich das Thema Hamsterkäufe laut Edeka Baisch im Einkaufszentrum Gerber bisher noch im Rahmen, eine Situation wie im Frühjahr 2020 sei in den letzten Tagen nicht beobachtet worden. Bundesweit ist laut einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts in der vergangenen Woche ein Absatzplus von 90 Prozent zu verzeichnen. Ebenso stieg der Absatz von Hefe um gut ein Drittel, von Mehl um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorkrisen-Durchschnitt. Die Pressestelle von Lidl bestätigt: „In einigen Regionen und Filialen verzeichnen wir temporär eine erhöhte Nachfrage an einzelnen Artikeln aus dem Trockensortiment und Hygienebereich.“

Supermärkte reagieren schnell auf die kurzfristige Nachfrageveränderung

Andere Supermärkte mussten dagegen schnell reagieren. Laut der Marktleitung des Edeka Fleck seien bei den Produzenten zusätzliche Bestellungen aufgegeben worden, um Engpässe insbesondere von Toilettenware, Mehl und Zucker zu verhindern. In den dm-Filialen stehen zusätzliche Paletten an Toilettenpapier, eine Rossmann-Filiale hat zur Entwarnung und Rücksichtnahme ein Hinweisschild aufgestellt: „Die Warenversorgung von Toilettenpapier in Deutschland ist nicht grundlegend gefährdet. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, begrenzen wir die Abgabe auf 2 Packungen pro Kunde. Im Sinne aller Kunden bitten wir Sie, auf eine unnötige Bevorratung zu verzichten“. In einer HIT-Filiale werden Kunden durch eine im vorderen Bereich platzierte Palette Weizenmehl Typ 405 besänftigt.

Engpässe seien nicht von leeren Lagern, sondern von den Kunden verursacht

Laut Lidl ist die Warenversorgung durch eine tägliche Belieferung sichergestellt. Dass leere Regale nicht auf Lieferengpässe, sondern auf das veränderte Kundenverhalten zurückzuführen sind, bestätigt Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg. „Die Lager sind voll. Wenn an einem Tag unerwartet viele Kunden kommen, ist das grundsätzlich kein Problem, aber die großen Volumina müssen auch erst angefahren werden.“ Die Marktleitung von Edeka Fleck appelliert an die Vernunft der Verbraucher. „Wenn die Kunden so konsumieren, dass die Produzenten nachkommen, dann gibt es auch keinen Engpass.“

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