Donald Trump hat bei den Vorwahlen der Republikaner vor dem „Super Tuesday“ die Nase vorn. In der Bilderstrecke zeigen wir, wie die Chancen der Kandidaten sind, die noch nicht aufgegeben haben. Foto: AP

Bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl steht am Dienstag der „Super Tuesday“ an. Donald Trump liegt bei den Republikanern vorn – aber wie stehen die Chancen der anderen Kandidaten?

Stuttgart - Am Dienstag findet der „Super Tuesday“ statt. Das ist der wichtigste Termin bei den Vorwahlen in den USA, mit denen die Demokraten und Republikaner ihren jeweiligen Präsidentschaftskandidaten bestimmen.

Es ist nicht klar, ob der „Super Tuesday“ über diese Frage schon eine Vorentscheidung bedeuten wird. In der Bilderstrecke oben berichten wir, wie viele Stimmen die Kandidaten bisher gesammelt haben und wie ihre Chancen stehen.

Auf den folgenden Seiten erklären wir außerdem, was Sie zum „Super Tuesday“ wissen sollten, warum am Dienstag noch keine Vorentscheidung fällt und warum Florida so wichtig ist.

Was Sie zum „Super Tuesday“ wissen sollten

Wo gewählt wird

Republikaner und Demokraten halten am Dienstag ihre Vorwahlen in Alabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia ab. Die Republikaner stimmen zudem in Alaska ab, die Demokraten in Colorado und im Außengebiet Amerikanisch-Samoa.

Wer noch im Rennen ist – Republikaner

Bei den Republikanern sind noch fünf Bewerber im Rennen, doch fast alle reden nur von Donald Trump. Der New Yorker Multimilliardär hat bisher die meisten Vorwahl-Stimmen gesammelt – mehr als 80. Die Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio, Ohios Gouverneur John Kasich und der pensionierte Neurochirurg Ben Carson wollen am „Super Tuesday“ aufholen.

Am Dienstag wird sich zeigen, ob Rubios angriffslustiger Auftritt bei der jüngsten Fernsehdiskussion am Donnerstag sich für ihn auszahlt – oder ob er zu spät auf Attacke umgeschaltet hat, um Trump noch aufzuhalten.

Wer noch im Rennen ist – Demokraten

Das Rennen bei den Demokraten ist ähnlich spannend, allerdings gibt es bei dieser Partei nur noch zwei Kandidaten. Die Ex-Außenministerin Hillary Clinton hat nach durchwachsenem Start zuletzt in South Carolina klar gegen ihren einzigen Widersacher Bernie Sanders gewonnen. Sie führt laut Umfragen in den meisten Vorwahlstaaten des Super Tuesday.

Sanders braucht schon eine Überraschung und Siege, um weiter gute Aussichten auf die Nominierung zu haben, zumal Clinton in Umfragen auch mehr Wähler zutrauen, die Probleme des Landes zu lösen.

Worüber diskutiert wird

Die US-Bürger treiben vor allem die Einwanderung, das Haushaltsdefizit, die ungleiche Verteilung des Wohlstandes, der Kampf gegen den Terror und das Verhältnis zwischen Sicherheitsgesetzen und bürgerlichen Freiheiten um. Dazu kommt die Vakanz einer Richterstelle im Obersten Gericht. Diese wird möglicherweise erst nach der Amtseinführung des neuen Staatsoberhaupts im Januar kommenden Jahres besetzt.

Donald Trump gibt zu den meisten Themen keine wirklich konkreten Antworten. Doch auch seine allgemeinen Aussagen lassen wenig Zweifel an seinen Plänen: Leute, die ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in den USA leben, will er irgendwie massenhaft deportieren. Muslime sollen eine gewisse Zeit nicht mehr in die USA einreisen dürfen, sofern sie nicht US-Bürger sind.

Die Demokraten haben die Wahl zwischen Pragmatismus und linkem Ehrgeiz. Sanders will die Studiengebühren abschaffen, große Banken zerschlagen und die staatliche Krankenversicherung ausbauen. All das mit dem Ziel, den Abstand zwischen Arm und Reich zu verringern. Dazu müsste er die Steuern erhöhen und - wie viele Wirtschaftswissenschaftler sagen - die Staatsverschuldung erhöhen.

Clinton argumentiert, Sanders’ Ziele seien politisch nicht durchzusetzen. Sie wolle sich auf das Machbare beschränken.

Wie es bei den US-Vorwahlen steht

Bislang wurde nur ein Bruchteil der Delegiertenstimmen vergeben, die für eine Nominierung auf den Parteitagen im Sommer nötig sind. Jetzt stehen bei den Republikanern auf einen Schlag 595 Stimmen auf dem Spiel - fast die Hälfte der 1237, die für eine Nominierung nötig sind. Bei den Demokraten gibt es 865 Delegierte zu gewinnen, das ist immerhin gut ein Drittel der 2383 Mandate, die auf dem Parteitag zur Nominierung reichen würde.

Nach Staaten gerechnet, führen Trump und Clinton jeweils mit 3:1. Trump verlor zum Auftakt in Iowa gegen Cruz, danach gewann er in New Hampshire, South Carolina und Nevada. Clinton siegte in Iowa knapp, verlor in New Hampshire und holte sich dann die Mehrheiten in Nevada und South Carolina.

In Delegiertenstimmen umgerechnet heißt das bei den Republikanern: 82 Stimmen für Trump, 17 für Cruz, 16 für Rubio, sechs für Kasich und vier für Carson. Bei den Demokraten führt Clinton nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mit 544 Delegiertenstimmen vor Sanders mit 85. Hier sind auch die Angaben der sogenannten Superdelegierten berücksichtigt. Das sind Parteifunktionäre, die selbst entscheiden können, wen sie beim Nominierungsparteitag unterstützen.

Wie es bei den US-Vorwahlen weitergeht

So viele Delegiertenstimmen am Dienstag auch vergeben werden, für die Nominierung reichen sie nicht. Das liegt auch daran, dass sie entsprechend dem Stimmenanteil auf die Kandidaten verteilt werden. Das bedeutet, auch wer knapp verliert, kann fast so viele Delegiertenstimmen einfahren wie der Sieger.

Bei den Republikanern gilt von Mitte März an in einer Reihe von Vorwahlstaaten die Regel „The winner takes it all“. Danach bekommt der Sieger alle Delegiertenstimmen des jeweiligen Staates zugesprochen, selbst wenn er nur einen halben Prozentpunkt oder noch weniger Vorsprung vor dem Zweiten hatte. Der wichtigste dieser Staaten ist Marco Rubios Heimat Florida, wo es 99 Delegierte zu holen gibt – vielleicht die größte Chance der republikanischen Gegenkandidaten zu Donald Trump.

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