Sarah Wirth teilt ihren Garten in Stuttgart-Vaihingen mit sieben Hühnern. Auch mit einer Vollzeit-Beschäftigung findet sie für ihre gefiederten Tiere genug Zeit. In Kursen gibt sie ihr Wissen zur Hobby-Hühnerhaltung weiter, denn es gibt einiges zu beachten.
Sieben Hühner laufen zwischen Bienenstöcken und Hochbeeten durch den Garten von Sarah Wirth. Die Stuttgarterin hat die private Hühnerhaltung als Hobby für sich entdeckt. Sieben Hennen wohnen inzwischen bei ihr. So kommen rund vier bis fünf Eier pro Tag zusammen, die Sarah Wirth teils für den Eigenbedarf nutzt und teils an die Nachbarschaft verkauft. Nur selten, etwa im Winter, würden so wenige Eier gelegt werden, dass sie selber welche kaufen muss. Die Hennen der 39-Jährigen legen jeweils rund 200 Eier im ersten Jahr, danach weniger. Es gibt aber auch Rassen, die jährlich bis zu 300 Eier schaffen.
In der Ecke ihres großen Vorgartens hat Sarah Wirth eine knapp zwei Meter hohe Gitter-Voliere aufgestellt, mit Sitzstangen und einem Sandboden zum Scharren. Überdacht ist das Gerüst mit einer großen Plane, die vor Wind und Regen schützen soll. Direkt daran angrenzend können die Hühner in einer Plastikbox brüten und schlafen. Das Plastik sei viel besser zu reinigen als Alternativen aus Holz, erklärt Sarah Wirth. So gäbe es weniger Mikroben und Parasiten im Stall. Insgesamt stehen den sieben Hennen von Sarah Wirth rund acht Quadratmeter Stallfläche dauerhaft zur Verfügung. Zum Vergleich: Selbst mit einem Bio-Siegel auf der Eierverpackung dürfen in der ökologischen Landwirtschaft pro Quadratmeter Stall bis zu sechs Hennen gehalten werden.
Auslauf kann Sarah Wirth ihren Hühner ermöglichen, wenn sie die Tiere im Blick haben kann, etwa am Wochenende oder an freien Tagen. „Hühner brauchen Schutz“, sagt sie. Das sieht der Autor Christian Naudain-Huet ähnlich. In seinem Buch „Hühner-Glück“ gibt er Tipps für eine artgerechte Haltung im eigenen Garten. Auch er rät seinen Lesern dazu, auf Raubvögel zu achten und die Hühner nur dann aus dem sicheren Gehege zu lassen, wenn man anwesend ist. Zudem sollten auch die Auslaufflächen sauber gehalten werden, um die Hühner vor Bakterien und Parasiten zu schützen.
Damit die Hühner nicht den gesamten Garten umpflügen, variiert Sarah Wirth die Einzäunung für den Auslauf regelmäßig. So könne sich das Gras etwas erholen. Es gäbe immer „einen Hühner-Bereich und einen Garten-Bereich“. Auch im Winter können ihre Hennen den Auslauf nutzen. „Kälte im Winter ist weniger ein Problem als Hitze im Sommer“, sagt Sarah Wirth. Auch Naudain-Huet erklärt in seinem Buch, dass „Temperaturen von -10 °C“ für die Hühner kein Problem seien, denn das Gefieder isoliere ausgezeichnet. Im Sommer hingegen sollte „stets ein Platz im Schatten und frisches Wasser“ angeboten werden.
Viel Zeit muss man als privater Hühnerhalter nicht investieren, das Hobby ist auch für Berufstätige möglich. Auch Sarah Wirth hat als angehende Patentanwaltsfachangestellte eine Ausbildungsstelle in Vollzeit. Mehr als 15 bis 20 Minuten Zeit pro Tag brauche man nicht, erklärt sie. Man müsse die Hühner füttern, das Wasser nachfüllen, die Eier sammeln und den Stall sauber halten. Eine gründliche Reinigung sei aber nur einmal im Monat notwendig. Sie beschäftige sich aber häufiger mit ihren Hühner, etwa beim Auslauf oder bei den Wintervorbereitungen. „Da habe ich Spaß dran“, sagt sie.
Eine unerwartete Herausforderung war für Sarah Wirth in der Anfangszeit einen geeigneten Tierarzt zu finden. „Ich habe nicht gedacht, dass so viele Tierärzte ablehnen“, erinnert sie sich. Viele würden sich nur unzureichend auskennen, weil Landwirte aus ökonomischen Gründen ihre Hühner nur selten einem Arzt vorstellen würden. Mit einer zunehmenden Anzahl an privaten Hühner-Haltern erhofft sich die Stuttgarterin eine bessere ärztliche Versorgung.
Jede Henne von Sarah Wirth gehört einer anderen Rasse an. So unterscheiden sich nicht nur die Gefiederfärbungen und Persönlichkeitsmerkmale der Hühner, sondern auch die Farben der Eier: von weiß, über hell- und dunkelbraun bis grün. Wie die Eier entstehen, erklärt Naudain-Huet in seinem Buch: Im Eileiter wird der sich drehende Eidotter in etwa 3,5 Stunden von vier verschiedenen Schichten Eiweiß umhüllt. Weitere 20 Stunden dauert es, bis die Eierschale aus Kalziumkarbonat gebildet wurde. Kurz vor dem Ausstoßen des Eies werden dann noch die Farbpigmente eingelagert.
Wer auch mit dem Gedanken spielt, Hühner im eigenen Garten aufzunehmen, der kann sich direkt an Sarah Wirth wenden. Seit 2020 gibt sie unter dem Namen „Dachswald Chickens“ Kurse zur Hobby-Hühnerhaltung. Dort beantwortet sie alle Hühnerfragen, teilt ihre Erfahrungen und ermöglicht einen ersten Kontakt zu den gefiederten Tieren. Sarah Wirth kann sich heute ihren Garten ohne Hühner nicht mehr vorstellen. Sie ist überzeugt: Das Hobby wird in der Bevölkerung zunehmend beliebter.