Die Nummer 13 soll Madeleine Steck Glück bringen. Foto: Getty

Madeleine Steck gehört zu den besten Nachwuchs-Fußballerinnen in Deutschland. Die 16-Jährige muss in der neuen Saison nach Frankfurt wechseln, weil es in Stuttgart keinen Bundesligisten gibt.

Stuttgart/Sindelfingen - Als Madeleine Steck im Herbst 2016 einen Anruf bekam, konnte sie es kaum glauben. „Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet“, erinnert sie sich. Die damals 14-jährige Stuttgarterin, die bis dahin in der U-14-Auswahl des Württembergischen Fußball-Verbands (WFV) spielte, wurde zum ersten Mal zur Nationalmannschaft eingeladen. „Das war etwas ganz Besonderes. Ich war ganz schön aufgeregt.“ Am 11. Dezember 2016 machte die Abwehrspielerin ihr erstes Länderspiel gegen Belgien, wurde in der 41. Minute eingewechselt und siegte mit dem Team 2:0. Von da an ging es mit der Karriere steil bergauf. Nun folgt der nächste Höhepunkt: Madeleine Steck gehört zum Kader der U-17-Juniorinnen, die an diesem Mittwoch mit dem ersten Gruppenspiel gegen Finnland in die Europameisterschaft in Litauen einsteigen.

Angefangen hat alles vor zehn Jahren. Weil sie in der Grundschule in jeder Pause die Jungs auf dem Schulhof in Grund und Boden spielte, ging sie mit ihrer Zwillingsschwester Sophia zum TSV Heumaden. Bis zur D-Jugend spielte sie dort bei den Jungs mit. Irgendwann reichte ihr das nicht mehr. „Ich brauchte eine neue Herausforderung“, sagt sie und wechselte erst ins Bezirksliga-Team der Mädels und kurz darauf in die Verbandsliga zum TSV Stuttgart-Mühlhausen. „Ich wollte damals nicht direkt von Heumaden in die Bundesliga“, erinnert sie sich. Doch die Gymnasiastin merkte schnell, dass dieser Schritt folgen musste. Schon im darauffolgenden Jahr gehörte sie zum festen Stamm der U-17-Bundesliga-Spielerinnen der VfL Sindelfingen Ladys.

Zu jung für die Bundesliga

Manchmal muss sie sich noch kneifen, weil sie es nicht fassen kann, wie schnell ­alles ging. Am 11. März dieses Jahres stand Madeleine Steck nämlich gegen den SC Freiburg II zum ersten Mal in der Zweiten Frauen-Bundesliga Süd auf dem Platz. Und das über 90 Minuten. Dabei ist die 16-Jährige eigentlich noch zu jung für die Bundesliga.

Weil sie aber bereits mehr als zehn Länderspiele absolviert hat – 13, um genau zu sein –, greift eine Sonderregelung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Dann darf man trotzdem bei den Frauen mitspielen“, erklärt sie. Es sind vor allem ihre Zweikampfstärke und ihr unbedingter Wille zum Erfolg, die sie für die VfL-Ladys so wertvoll machen, dass sie seither alle Spiele bestritt.

Am Mittwoch wurde es ernst für die deutsche Elf. Da spielte das Team der Trainerin ­Anouschka Bernhard gegen die U 17 von Finnland – und siegte 2:1. In der Gruppenphase geht es noch gegen die Niederlande (Samstag) und gegen Litauen (15. Mai), das Halbfinale findet am 18., das Finale am 21. Mai statt. Und dorthin wollen die Sindelfingerin und ihre Mitspielerinnen auf jeden Fall. Und noch mehr: „Wir wollen Europameister werden“, sagt Madeleine Steck. Es wäre der dritte Titel in Folge und der siebte insgesamt. Ob und wie lange sie selbst dabei zum Einsatz kommt, ist offen. Es ist für sie aber auch nicht so wichtig. „Was zählt, ist, dass ich dabei sein kann“, freut sie sich auf ihr erstes internationales Turnier. In der Qualifikation kam sie in zwei von drei Spielen zum Einsatz.

Der nächste Schritt zum 1. FFC Frankfurt

Für Madeleine Steck wäre es das Größte, als Europameisterin nach Hause zu kommen – und die nächste Herausforderung anzugehen. Die 16-Jährige wechselt zur neuen Saison zum 1. FFC Frankfurt. Dafür zieht sie von zu Hause aus und ins Internat des einstigen Branchenprimus. „Das ist ein großer Schritt, den ich mir lange überlegt habe“, sagt Madeleine Steck, der der Weggang von Heimatstadt und Familie nicht leicht fällt. „Es ist schade, dass es in Stuttgart keinen Frauen-Bundesligisten gibt“, findet sie: „Ein Frauenteam beim VfB, das wär’s.“ Madeleine Steck hat Hoffnung, dass der Männer-Bundesligist irgendwann auch seine Tore für die Frauen öffnet. „Ich bin noch jung, vielleicht bekomme ich doch noch die Chance, in meiner Heimatstadt zu spielen.“

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