Wahrlich von imposanter Gestalt: Sumatra-Tiger Carlos, hier im Dezember 2006 Foto: Harald Löffler

Besucher des zoologisch-botanischen Gartens kennen ihn als agiles Raubtier. Am Wochenende allerdings ist Tiger Carlos überraschend verstorben. Ursache war, so die Wilhelma, ein großer Tumor in seiner Nase.

Stuttgart - Wilhelma-Sprecher Harald Knitter spricht von einem „unerwarteten Verlust“. Denn in der vergangenen Woche waren noch keinerlei Verhaltensauffälligkeiten zu erkennen. Am frühen Samstagmorgen allerdings fanden die Pfleger Carlos lethargisch vor. Der sonst äußerst dynamische Tiger reagierte kaum noch. Er wurde narkotisiert und zur weiteren Diagnose in die Kleintierklinik in Ludwigsburg transportiert. „Kleintierklinik klingt im Zusammenhang mit diesem mächtigen Raubtier vielleicht kurios, aber dort war jene Computertomografie möglich, die Aufklärung über die Todesursache bringen sollte.“ Tatsächlich fanden die Veterinäre einen großen Tumor in Carlos’ Nase. „Dieser hatte bereits den Knochen angegriffen, und es hatten sich Metastasen gebildet.“ Deshalb entschieden die Tiermediziner, den Tiger nicht mehr aus der Narkose erwachen zu lassen.

„Mit seinen 14 Jahren war Carlos im besten Alter“, berichtet Knitter. Der große und kräftige Sumatra-Tiger, einst in Berlin geboren, kam Jahr 2006 als Nachfolger des Katers Tuan vom Wuppertaler Zoo in jenen in Bad Cannstatt. Mit seiner imposanten Gestalt faszinierte er die Wilhelma-Besucher von Anfang an. Zugleich hatte er eine ruhige und umgängliche Art – weshalb er den Tierpflegern die Arbeit leicht machte. Mit Tigerin Dumai gab’s gleich im ersten Jahr dreifachen Nachwuchs: zum einen Tochter Pertama, die inzwischen im Zoo von Barcelona lebt. Dazu noch zwei Söhne: Bagus lebt jetzt im Parken-Zoo in Eskilstuna in Schweden, Rudi hat im Zoo La Flèche nahe Le Mans (Frankreich) ein Zuhause gefunden.

In der Wilhelma gibt es damit derzeit also nur eine Tigerin. Es sei allerdings falsch, zu vermuten, dass die Raubkatze ausgeprägte Trauer trage. „Tiger sind Einzelgänger, die Tiere finden ohnehin nur in der Paarungszeit zusammen, ansonsten kümmern sie sich nicht umeinander und gehen sich aus dem Weg“, erläutert Knitter. Zudem waren beide zuletzt komplett in Nachbargehegen untergebracht. Dies geschah auf Veranlassung des Koordinators des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), der darauf achtet, in welchen Zoos auf dem gesamten Kontinent wie viel Nachwuchs gezüchtet wird. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelne Zoos in Europa munter drauflos züchten. Für die Wilhelma hatte es in den vergangenen Jahren keine Zuchtempfehlung gegeben. Ob es für den Stuttgarter Zoo demnächst einen Nachfolger für Carlos geben wird, entscheidet sich in Rücksprache mit dem Koordinator.

Für die Wilhelma ist dies ein weiterer Todesfall innerhalb weniger Monate. Erst vor wenigen Wochen musste die betagte und kranke Okapi Xano eingeschläfert werden. Im Juni dieses Jahres verstarb Bonobo Zorba. Der schüchterne Menschenaffe erreichte mit 35 Jahren ein vergleichsweise hohes Alter. Zuvor waren zwei Bonobo-Äffchen gestorben – Koseka Anfang 2014, Alima Mitte Januar 2015, beide an Lungenentzündung, verursacht möglicherweise durch Luftzug im neuen Affenhaus. Ein weiteres Raubtier starb im Mai 2014, als Mesched, die 14 Jahre alte Leopardendame, eine Operation wegen einer Gebärmutter- und Bauchfellentzündung nicht überlebte. Besonders spektakulär war der Tod von Eisbär Anton. Er hatte im Februar 2014, wie eine spätere Obduktion ergab, einen ins Gehege gefallenen oder geworfenen Rucksack samt Plastikteilen gefressen und Darmverletzungen erlitten.

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