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Stadt spricht dennoch von gutem Start des kostenpflichtigen Stellplatzkonzepts im Westen.

Stuttgart - Seit vier Wochen muss zahlen, wer im Westen sein Auto abstellen will. Die Stadt ist bislang zufrieden mit dem neuen System. Jedes zehnte Auto sei verschwunden, die Entlastung spürbar. An den Rändern der acht Zonen parken Pendler allerdings die gebührenfreien Parallelstraßen zu.

In der Sackgasse zwischen Aldi und City-Baumarkt am Inneren Westbahnhof jenseits der Rotenwaldstraße wähnt man sich plötzlich auf einem Campingplatz. Weiße Reisemobile säumen den Straßenrand, dazwischen sind Anhänger und Autos abgestellt. Auch in den umliegenden Straßen des Gewerbe- und Einkaufsgebiets steht Wagen an Wagen. "Das hat angefangen, als sie die Parkautomaten aufgestellt haben", sagt der Mitarbeiter eines Fensterbauers, der gegenüber sein Geschäft hat. Und ein Kollege von ihm schimpft: "Die sollen die Uhren gleich wieder abbauen." Der Ärger über das wilde Parken ist groß, denn der Mangel an Stellplätzen könnte Kunden abschrecken.

Auch Heinz Renschler bekommt die Auswirkungen des neuen Parkzeitalters zu spüren. Er wohnt in der Köllestraße in Halbhöhe außerhalb der Parkzone. Bisher konnte er problemlos vor der eigenen Haustür parken. "Jetzt ist hier alles zugestellt mit Tübinger oder Waiblinger Kennzeichen", beklagt er sich. Dabei seien die nahe gelegene Zeppelin- oder Scheffelstraße im unteren Teil zwar mit Parkuhren bestückt, aber völlig leer. "Warum gibt man diese Abschnitte nicht wieder frei, dann wäre der Ärger weiter oben erledigt?"

Problemzone Randgebiet. Hermann Karpf, Referent von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, ist die Verlagerung des wilden Parkens nicht entgangen. Nicht nur am Inneren Westbahnhof und in der Köllestraße, auch oberhalb des Hölderlinplatzes in der Dillmann- oder Falkertstraße sind die Straßen zum Ausweichparkplatz mutiert. Gleiches gilt für die Hauptmannsreute. "Da stellen viele Pendler ihren Wagen ab und laufen dann runter zur Bushaltestelle", sagt Karpf. "Teilweise haben wir dort nun die Situation wie vorher im Westen."

Autofahrer müssen nun mit Geldbußen rechnen

Lösungen für diese Gebiete soll es aber frühestens zu den Sommerferien geben, wenn auch die Uni Stuttgart als wissenschaftliche Begleitung ihre Einschätzung darlegt. Denkbar ist etwa die Umwandlung in Anliegerstraßen oder aber die Ausweitung der Parkzonen in Richtung Halbhöhenlagen. Korrekturen könnte es auch bei der Zahl der Kurzparkplätze geben, die in manchen Fällen zu üppig ausgefallen ist. "Ich denke da etwa an den Feuersee", sagt Karpf. Eine Umwandlung in Anwohnerparkplätze könnte hier den Parkdruck vor allem am Abend weiter entlasten.

Abgesehen davon ist die Stadt mit der Einführung des neuen Parkkonzepts zufrieden. "Der Start ist recht gut gelungen", so Karpf. "Wie erwartet sind etwa zehn Prozent an Entlastung erreicht worden." Vor allem tagsüber sei es wesentlich einfacher geworden, einen Stellplatz zu finden. Auch nachts habe sich was getan. Rund 11000 Parkausweise hat das Bürgerzentrum West bis jetzt ausgegeben, viel mehr werden wohl nicht mehr dazukommen. "Gefährliches Parken mitten in Kurven oder in zweiter Reihe auf der Straße gibt es kaum mehr", sagt Karpf. Nur in einigen Gebieten, wie etwa rund um die Reinsburgstraße, übersteige die Nachfrage das Angebot nach wie vor.

Die Stadt setzt weiter auf das Umdenken der Autobesitzer, die verstärkt mit Bussen und Bahnen fahren sollen. Für problematische Fälle gebe es meist individuelle Lösungen. Dazu gehört etwa, dass ein Handwerksbetrieb Kundenparkplätze im Innenhof künftig für die Firmenfahrzeuge nutze und Gäste draußen parken lasse. "Dort ist der Umschlag viel größer, auch das schafft Platz." Im Falle des Olgäle etwa sei eine Öffnung der Tiefgarage auch für Mitarbeiter zu Nachtzeiten denkbar.

Bisher war die Stadt mit Parksündern noch nachsichtig. Manche hätten sich einfach noch nicht umgewöhnt, sagt Karpf und erzählt von einem Fall, wo der Anwohner im Besitz eines Parkausweises war, aber dennoch wie früher auf dem Gehweg parkte. Doch die Zeit der Ausreden neigt sich dem Ende zu. Die 24 Überwachungskräfte sind von nun an angehalten, strenger durchzugreifen und Parksünder gegebenenfalls auch mit Geldbußen zu verwarnen.

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