Stuttgarter weltweit Auf Mutter Teresas Spuren in Kairo

Von Martin Haar 

Autorin Judith Kubitscheck Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Autorin Judith Kubitscheck Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Maggie Gobran ging in den Luxushotels und Nobelrestaurants ein und aus, doch die wertvollsten und kostbarsten Momente des Lebens hat sie nicht dort erlebt, sondern in der Müllstadt Kairos. Die Stuttgarterin Judith Kubitscheck hat diese Geschichte aufgeschrieben.

Stuttgart - Maggie Gobran kommt daher wie ein entrückter Engel. In weißem Habit und weißem Schleier. Ein Auftritt, der wirkt. Auch Judith Kubitscheck lässt sich von der Aura dieser Frau einfangen. Mehr noch überzeugen sie Anfangs deren Worte und Taten. Einer Frau, die alles hatte und alles für die Ärmsten gab. Für die Kinder Kairos.

„Nach einem Auftritt von Maggie in Deutschland war ich so beeindruckt und fasziniert von ihr, dass ich sie fragte: Wollen wir ein Buch über ihre Geschichte schreiben?“ Gobran sagte sofort zu. Entstanden ist eine Biografie, die nicht zuletzt durch ihren Titel zur Legendenbildung taugt: „Maggie Gobran - die Mutter Teresa von Kairo“.

Darin erzählt die Journalistin Kubitschek zusammen mit ihrer Co-Autorin Judith Kühl die Geschichte einer wohlhabenden Karrierefrau, die einen Wendepunkt erlebt. Es ist der Moment, in dem die achtjährige Sherine an einem Wintertag in ihr Leben tritt. Barfuß, frierend, hungrig, aber voller Selbstaufopferung für die Not leidende Familie. Das Antlitz und das Schicksal Sherines wirbeln das Weltbild der Informatikprofessorin Gobran durcheinander.

Es sind Bilder, die aufrütteln: Frauen und Kinder, die in giftigen Abfallbergen nach Rohstoffen suchen. Es sind die fiesen Gerüche der Müllstadt, die Maggie Gobran bis in den Schlaf verfolgen.

All das war vor 25 Jahren. Seitdem hat Gobran erkannt: „Alles, was du weggibst, wirst du wieder erhalten. Wenn du Liebe verschenkst, wirst du Liebe bekommen, wenn du Freude austeilst, kommt Freude zurück.“ Es sind keine hohlen Worte. Maggi Gobran packt an. Mitten in den Slums von Kairo, jener Müllstadt, die als Brennpunkt zwischen den koptischen Christen und dem Muslimen gilt. Dort, wo Mütter Wasser erhitzen, um ihren Kindern das Gefühl zu geben, warme Suppe zu essen, wirkt Maggie Gobran wie ein Engel. „Erst wenn man diese beißende Armut und den Dreck in dieser Müllstadt mit eigenen Augen gesehen hat, kann man all diese Not, aber auch das Wirken von Maggie begreifen“, sagt Judith Kubitscheck.

Es sind nicht nur handfeste Hilfen in der Müllstadt. Es ist auch mehr, als nur Wege zur Bildung zu ebnen. Gobran spendet Hoffnung. „Sie ermutigt die jungen Menschen, wieder an sich zu glauben und zu träumen“, sagt Kubitscheck, „das steht über allen Taten.“ Als Leitsatz gilt bei Gobran der Bibelvers aus Philipper 4/13: „Ich kann alles durch den, der mich stark macht, Jesus.“ Wenn man so will, hat Gobran lange vor US-Präsident Barack Obama das formuliert, was Menschen aus der Hoffnungslosigkeit führen kann: „Yes, we can.“

Doch Obama hat seit 2009 das, was Maggie Gobran nach Meinung vieler Experten längst zusteht: den Friedensnobelpreis. Im vergangenen Jahr war sie bereits eine heiße Anwärterin. Auch dieses Jahr ist sie wieder nominiert. „Sie hätte den Preis verdient“, sagt Kubitscheck. Freilich ist die Autorin in dieser Sache etwas voreingenommen. Denn noch immer ist sie tief bewegt von der Ausstrahlung dieser Frau: „Maggie hat so eine tiefe und unerschütterliche Zufriedenheit.“

Noch heute wirken die Begegnungen zwischen Gobran und ihrer Biografin nach. Die Kern-Botschaft der „Mutter Teresa von Kairo“ hat sich bei der Stuttgarterin Kubitscheck eingebrannt: „Überlege gut, was du aus deinem Leben machen kannst. Denn jeder hat eine Bestimmung.“

Gobrans Bestimmung ist es, den Kindern der Müllstadt zu helfen. Judith Kubitschecks Auftrag ist es, die Botschaft dieser Taten in die Welt zu tragen.

Maggie Gobran - Die Mutter Teresa von Kairo, 256 Seiten, 24 Seiten Bildteil, Adeo-Verlag, ISBN 978-3-86334-046-9, 17,99 Euro.

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