Der Verein Pro Stuttgart bittet beim Weindorf erstmals Wirte zur Kasse, die Champagner ausschenken. Nur regionale Produkte sind erlaubt. Selbst Spaghetti Bolognese sind verboten. „Wir wollen nicht zum Wasen werden“, erklärt Chefin Bärbel Mohrmann.
Auf die hohe Qualität der regionalen Weine und der schwäbischen Küche ist Bärbel Mohrmann, die Geschäftsführerin des Weindorf-Vereins Pro Stuttgart, sehr stolz. Dass es in den vergangenen Jahren an einzelnen, aber wenigen Orten trotz des Verbots heimlich, quasi unter dem Laubentisch, Champagner gab, gefällt ihr ganz und gar nicht. Ein offenes Geheimnis ist, dass manch ein Wirt auf Wunsch von Gästen französische Schampusflaschen, deren Etiketten mit Alufolie zugedeckt wurden, aufs Fest geschmuggelt hat. Das soll in diesem Jahr auf dem regionalen Weinfest nicht mehr toleriert werden.
Erstmals gilt ein Bußgeldkatalog für die Wirte
„In Württemberg ist manch ein Winzersekt besser als Champagner“, findet Mohrmann, „da brauchen wir keine Exporte.“ In der Satzung sei dies ohnehin verboten. Erstmals haben die Veranstalter des Weindorfs einen umfangreichen Bußgeldkatalog festgelegt. Demnach wird es nun regelmäßige Kontrollen geben. Die Wirte reden bereits von einer „Champagner-Polizei“.
Wird ein Laubenbetreiber erwischt, wie er Champagner ausgibt, wird er zunächst verwarnt. Beim zweiten Mal zahlt er 5000 Euro Strafe. So teuer wird es auch, wenn man heißes Fett in den Gully kippt.
Alle Speise- und Getränkekarten wurden kontrolliert
Laut Mohrmann gibt es Wirte, die sagen, ohne Champagner käme ihr Klientel nicht aufs Weindorf. Ihnen und allen Gästen macht sie klar: „Das Weindorf darf nicht zu einem zweiten Wasen werden.“ Deshalb genehmige man auch keine über Anlagen verstärkte Musik. Auch solle das Weindorf „keine Dirndl-Show“ werden. Die Chefin hat die Speise- und Getränkekarten aller Lauben genau kontrolliert und schließlich genehmigt. Die Lauben sind diesmal wieder an zwölf Tagen wie vor der Pandemie geöffnet. Im vergangenen Jahr hatte man auf 19 Tage erhöht, damit die Wirte nach der langen Pause wieder mehr verdienen konnten.
Auch bei den Speisen muss die schwäbische Herkunft gewährleistet sein. Spaghetti Bolognese soll von der Karte genommen werden. Eine Ausnahme bildet allein der Aperol Spritz. Auch wenn Aperol ein italienischer Likör ist, darf er als Mixgetränk beim Weindorf ausgeschenkt werden. Für Gin Tonic gilt die Aufforderung, dass der Gin aus Württemberg kommen muss.
Die Weindorf-Lauben öffnen am kommenden Mittwoch um 11.30 Uhr. Der Start wird dann am Abend mit Grußworten von OB Frank Nopper und Innenminister Thomas Strobl im Hof des Alten Schlosses offiziell gefeiert. Dort werden die neuen Wirte wie Sonja Merz und ihre Tochter Katharina Renz vorgestellt.