Der Zauberer Julius Frack Foto:  

So zauberhaft und poetisch ging es selten zu beim Weindorf-Treff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4. Saßen doch ein Dichter und ein Zauberer am Tisch. Sowie ein Radikaler, der Weinstöcken den Garaus macht.

Stuttgart - Borussia Dortmund sollte unbedingt mal bei Julius Frack anrufen. Über den schwäbischen Zauberer führt der einzige gangbare Weg zur Deutschen Meisterschaft. Hat Frack doch seine magischen Kräfte am FC Bayern München ausprobiert. Und den Mannschaftsbus der Fußballer erscheinen lassen. Er hätte ihn besser im Nichts belassen sollen, finden die Moderatoren Tom Hörner und Axel Graser am Mittwochabend in der Laube Schmückers Ox am Schillerplatz. Und so den Titelkampf spannend machen können.

Der Boden trug den Bus nicht

Doch es saß nur der damals angeschlagene Kicker Thiago Alcantara im Bus. „Er war der einzige, der durfte“, erinnert sich Frack, die Bayern hatten Angst, dass sich Spieler verletzen könnten. Allerdings nicht, weil der Bus nicht mehr auftauchen könnte, sondern weil sie fürchteten, die Spieler könnten beim Aussteigen stolpern. Gegen Zaubereiunfälle sind die wertvollen Beine anscheinend nicht versichert. Natürlich klappte alles. Kein Wunder bei der Vorbereitungszeit. Ein halbes Jahr tüftelte Frack mit zehn Helfern an dem Trick. Und musste am Ende noch mit Schwerlaststützen den Boden sichern. Der Bus wiegt nämlich 24 Tonnen, der Boden über dem unterirdischen Parkhaus trägt allerdings nur 12 Tonnen.

Hilft bei der S-Bahn nur Magie?

Nichts brach ein, der Bus kam pünktlich an die Allianz-Arena. Das würde sich Slam-Poet, Dichter und Autor Nikita Gorbunov auch gerne von seiner S-Bahn wünschen. So entspann eine Diskussion, ob Frack mal dem VVS unter die Arme greifen und eine pünktliche S-Bahn zaubern könne. Frack ist offen für Angebote, nur an einem versagt seine Kunst: Einen neuen Bahnhof kann auch er nicht herbeizaubern: „Zu Stuttgart 23 verbietet sich jeder Kommentar.“

Starke Gefühle kann nicht nur ein Bahnhof auslösen, sondern auch Trollinger. Das musste Timo Saier, der Chef des Weinguts der Stadt Stuttgart lernen. 16 Hektar Rebfläche bearbeiten er und seine Mannschaft. Auf vier Hektar wuchs bisher Trollinger. Die Hälfte ließ er roden, um andere Sorten anzubauen. Muskateller und Chardonnay etwa. Das erboste einen jungen Mann so sehr, dass er Saier anbrüllte und beschimpfte. Saier nahm es gelassen. „Der Trollinger wird uns nicht ausgehen“, sagte er, „aber unsere Kunden wollen eben auch anderes trinken.“

Reimen auf Zuruf

Der Schwabe pflegt seine Eigen- und Merkwürdigkeiten wie den Trollinger. Das braucht man Nikita Gorbunov nicht sagen. Ist der doch ein guter Beobachter und Zuhörer, und ein noch besserer Wortfechter und Reimer. Der Urenkel von Lew Kopelew kam als fünfjähriger Bub mit seiner Familie nach Deutschland, eben, weil der Uropa in Köln im Exil lebte. In Esslingen ließen sie sich nieder. Und als Beuteschwabe entwickelte Gorbunov halt auch jene speziellen Eigenheiten. Nicht, dass er ein Trollinger-Fan wurde. „Aber diese gesunde Portion Minderwertigkeitskomplex“ kennt er auch. Aber für Künstler sei das elementar. „Man muss erst eine Weile verachtet werden“, sagt er, „bis man den Wunsch hegt, gesehen zu werden.“ Nämlich auf der Bühne. Wer mit Worten spielt, für den wird auch das Weindorf zur Bühne. Das Wort „Sehnsucht“ ruft ihm eine Frau aus dem Publikum zu. Daraus spinnt er zwei Geschichten. Das innere Empfinden eines Hipsters am Bihl-Platz in Heslach. Und eine gereimte Erinnerung an zwei Flaschen Rotwein, die er mal als Gage bekam. Da konnte sich auch Frack nicht lumpen lassen. Spielkarten hatte er dabei. Und ließ Hörner seine Lieblingskarte, das Herz-As, signieren. Die Karte mit der Unterschrift verschwand und tauchte auf nach Belieben. Wie von Zauberhand.

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