Stuttgarter Stadträte in Sorge um Qualitätsverlust Irritationen um Staatliche Modeschule

Von Inge Jacobs 

Straßenmode mal anders – Modeschüler zeigen im ehemaligen Briefverteilzentrum an der Ehmannstraße ihr Können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Straßenmode mal anders – Modeschüler zeigen im ehemaligen Briefverteilzentrum an der Ehmannstraße ihr Können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Staatliche Modeschule Stuttgart gilt als Perle und mit seinem Profil als bundesweiter Solitär. Doch das Kultusministerium würde die Trägerschaft gerne an die Stadt Stuttgart abgeben, die es an die berufliche Kerschensteinerschule eingliedern will. Die Ratsfraktionen haben aber große Bedenken.

Stuttgart - Sie gilt als Perle, Kreativmotor und wichtiger Standortfaktor – doch nun will das Land die Staatliche Modeschule Stuttgart loswerden: Das Kultusministerium würde seine Trägerschaft für die kleine, aber feine Fachschule in Stuttgart-Wangen mit ihren gerade mal 40 Schülern und dem bundesweit einzigartigen Profil gern der Stadt Stuttgart und der Kerschensteinerschule überantworten. Der Grund: so könne „der Ressourceneinsatz effizienter gestaltet werden, da sich die Infrastrukturen beider Schulen gut ergänzen“, so das Ministerium. Doch es gibt Irritationen.

Nach den Vorstellungen von Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) würde sich die Modeschule mit ihren angehenden Produktentwicklern Mode bestens in die städtische, berufliche Kerschensteinerschule in Feuerbach einfügen. Denn dort besteht der Bereich Mode aus dem dreijährigen Berufskolleg Mode und Design, der Berufsschule für Maßschneider, Modenäher, Modisten und Technische Konfektionäre sowie der Meisterschule Maßschneiderhandwerk. Und viele dieser Absolventen besuchen im Anschluss die Staatliche Modeschule, aus der dann Führungskräfte hervorgehen, die bei Firmen wie Hugo Boss oder Marc Cain, Strellson oder Strenesse landen – oder gleich eigene Labels wie Ambitious oder Blutsgeschwister gründen.

Stadträte sind skeptisch, ob die „Perle“ in eine städtische Berufsschule passt

Doch im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats sieht man das Vorhaben mit großer Skepsis. An der hohen Qualität der Modeschule gibt es keinen Zweifel. Diese sei „eine kleine Perle, mit der wir uns schmücken können“, meinte Fred Stradinger (CDU). Auch Marita Gröger (SPD) rühmte die „Erfolgsstory“ der Schule, die am Hugo-Boss-Award teilnehme. Doch eine räumliche Zusammenlegung können sich weder sie noch ihre Stadtratskollegen aus den anderen Fraktionen vorstellen. „Passt das denn überhaupt vom Konzept her?“, fragte Gabriele Nuber-Schöllhammer (Grüne). Nicht nur sie drang zudem darauf, das prestigeträchtige Label der Modeschule zu erhalten. Eigentlich, meinte Gröger, sei eine solche Einrichtung doch ein Thema für das Land Baden-Württemberg und die Wirtschaftsförderung.

Tatsächlich wurde die Staatliche Modeschule 1952 vom Wirtschaftsministerium initiiert, zunächst als landesweit einzigartige Ausbildungsstätte von Fach- und Führungskräften für Handwerk und Industrie. Die Schule präsentierte Modeschauen auf der Weltausstellung in Yokohama 1989, bei den olympischen Sommerspielen 1994 in Barcelona, im Deutschen Pavillon der Expo 2000 in Hannover. 2005 wechselte die Trägerschaft im Zuge der Verwaltungsreform ans Kultusministerium. Anders als in einer klassischen Berufsschule seien es die Modeschüler gewohnt, Tag und Nacht zu arbeiten, jedenfalls bis 23 Uhr, erklärte die Schulleiterin Sabine Dirlewanger. Und bräuchten dafür auch entsprechende Räume. Auch sie befürchtet nun Qualitätsverluste.

Jetzt soll die Stadt eine mögliche Übernahme ergebnisoffen prüfen

Fezers Grundsatzbeschluss zur Prüfung einer Übernahme der Schule in die Kerschensteinerschule lehnte der Ausschuss ab, selbst eine nur organisatorische Eingliederung sah er skeptisch. Nun soll eine Übernahme ergebnisoffen geprüft werden.

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