Bald wieder in Stuttgart zu sehen: Auch Friedemann Vogel wirkt mit in dem spartenübergreifenden Stück „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind“. Foto: Stuttgarter Ballett

Im März begann die Corona-Zwangspause, doch jetzt melden sich die Stuttgarter Staatstheater live vor Publikum zurück – auf dem Wasen und im Domizil am Eckensee.

Stuttgart - Es ist eines der schönsten Zitate der Weltliteratur: „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind“ sagt der Zauberer Prospero in Shakespeares „Sturm“ – und beflügelt von bittersüßer Poesie melden sich die seit März pausierenden Stuttgarter Staatstheater zurück, nicht digital, sondern analog, als Zauberfantasie-Maschine für ein leibhaftig anwesendes Publikum. Während die Oper beim Kulturwasen Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ und Mozarts „Zauberflöte“ aufführt, verbünden sich im Domizil am Eckensee die drei Sparten – neben der Oper noch Schauspiel und Ballett – zu einem Gemeinschaftsprojekt. Ja, genau: „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind“ heißt der Theaterparcours, der unter Leitung von Burkhard Kosminski, Tamas Detrich und Cornelius Meister durch die Winkel des gesamten Hauses führt.

Es sei „ein besonderes Projekt mit besonderen Bedingungen“ heißt es im Theater – und die Bedingungen diktiert nach wie vor die Pandemie. Mitte Mai hat das baden-württembergische Kunstministerium erklärt, dass „Kultur in kleinen Formaten ab 1. Juni“ wieder möglich sei. Der Theaterparcours hat am 5. Juni, Freitag nächster Woche, Premiere und findet im Einklang mit allen Hygiene- und Sicherheitsstandards statt. Und vor allem: mit begrenzter Besucherzahl. Nach obligatorischer Voranmeldung werden „einzelne Zuschauer, Lebensgemeinschaften, Familien beziehungsweise Haushalte bis zu vier Personen“ mit zeitlichem Abstand durch das verwunschene Labyrinth der Poesie geschleust.

„Zauberflöte“ im Autokino

Auf die Bilder, Szenen, Lieder, Texte der auf 75 Minuten angelegten Reise darf man auf jeden Fall gespannt sein. Achtmal wird der Parcours durch die Theater- und Operngeschichte stattfinden – und man trifft dabei in „ausgesuchten Räumen“ auf die Besten des Hauses. Um nur einige zu nennen: die Sänger Christopher Sokolowski und Stine Marie Fischer, die Musiker Stefan Schreiber und Rita Kaufmann, der jetzt mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnete Friedemann Vogel und seine Kollegin Elisa Badenes sowie die Schauspieler André Jung, Elmar Roloff und Therese Dörr. Schon die Besetzungsliste markiert den Stellenwert, den das Staatstheater dem Traumtrip mit dem Shakespeare-Motto zuweist: sehr hoch.

Einem hohen Anspruch folgt auch die Oper, die sich mit zwei Inszenierungen am Programm des wie ein Autokino funktionierenden Kulturwasen beteiligt. „Wenn das Publikum nicht zu uns ins Opernhaus kommen kann, dann kommen wir zum Publikum“, sagt der lässige Intendant Viktor Schoner. Und Not macht erfinderisch: Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ – Premiere 8. Juni – spielt auf der mobilen Bühne eines Truckanhängers, die nach drei Wasen-Vorstellungen an verschiedenen Orten der Stadt wieder aufgeschlagen wird. Mozarts „Zauberflöte“ indes – Premiere 27. Juni – wird halbszenisch in einer Mischung aus Singspiel, Live-Hörspiel und Autokino gezeigt.

Das Staatstheater ist zurück: Wir sind, so die Botschaft, auch in der Krise hellwach – und halten durch nicht nur bis morgen früh.

Infos Tickets für die Wasen-Opern gibt es ausschließlich unter www.kulturwasen.de. Die ersten vier Abende des Theaterparcours sind exklusiv für die bereits informierten Abonnenten des Theaters reserviert. Für die Vorstellungen am 13., 14. und 15. Juni gibt es Karten über die Online-Spielpläne der Staatstheater.

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