Anpflanzen von Sumpfpflanzen in brütender Hitze für eine bessere Wasserqualität: Die neue Feuchtwiese beim Eissee nahe der Haltestelle Mineralbäder Foto: Armin Friedl

In zwei Wochen soll der große See bei der Stuttgarter Haltestelle Mineralbäder wieder mit Wasser gefüllt werden. Die Sanierung hatte so ihre Tücken.

S-Ost - Viele Monate waren die Anlageseen bei der Haltestelle Mineralbäder eine Stein- und Baustellenwüste, sind es auch jetzt noch. Doch nun soll es Bewegung geben: „In 14 Tagen können wir den neu ausgestalteten Inselsee hoffentlich erstmals mit Wasser füllen. Auf diesen Moment freue ich mich schon sehr“, so der Landschaftsarchitekt Benjamin Goll von der Firma Planstatt Senner. „Ende Juli, Anfang August wird wohl die Renaturierung abgeschlossen sein“, so Daniela Heuss-Mehlig von der Landesabteilung Vermögen und Bau.

Es ist hier eben so wie an vielen anderen Baustellen in der Stadt mit Objekten, die mehrere Jahrzehnte funktionierten, die jetzt am Ende ihrer Funktionalität angekommen sind und nun modernisiert werden müssen: Viel Unvorhersehbares muss bewältigt werden, sei es der Quellenschutz bei der Sanierung des nahegelegenen Mineralbad Bergs, sei es hier im Fall der 1977 angelegten Seenlandschaft eine Katakombe, die in keinem Plan verzeichnet war.

Sumpfwiese als Filterstation

Dafür wird auch jetzt in dieser brütenden Hitze gearbeitet, etwa an der neuen Sumpfwiese, eine der neuen Filterstationen im künftigen Wasserkreislauf. Fünf Männer graben Pflanzensetzlinge in eine Gesteinslandschaft, die einmal, komplett zugewachsen, den Untergrund für diese Feuchtfläche beim Eissee bildet. „Wir setzen hier Sumpfschwertlilien und Sumpfwolfsmilch und vor allem Binsen ein, also die typischen Pflanzen an Seen und Flussufern“, so Goll.

Die Aufgabe, die er mit den Pflanzen zu erledigen hat, ist so einfach wie kompliziert: Das Wasser dieser drei Seen muss künftig erheblich besser als bisher gereinigt werden, und dies vor allem unter ökologischen Aspekten. Das Grundproblem: Die Seen und die kleinen Zuflüsse sind ziemlich flach, dieses Szenario hat nur wenig Gefälle, die Fließgeschwindigkeit ist deshalb gering. Die Folge: Die Selbstreinigung dieses Gewässers funktioniert nur sehr eingeschränkt, die Seen drohen deshalb zu versumpfen.

Die Landschaftplaner von heute haben da viele Lösungen parat. Und es ist schon eine Freude und Herausforderung zugleich, etwa den Erläuterungen von Philipp Padur von der ausführenden Firma Planstatt Senner zu folgen, welche Materialien mit welchen Eigenschaften da nun geeignet sind für einen See-Untergrund, und welche da eher riskant sind, wenn dem noch etwa Chemikalien hinzugefügt werden sollten. Hier in diesem Naherholungsgebiet geht es jedenfalls um möglichst nachhaltige und naturschonende Maßnahmen hin zu einer besseren Wasserqualität.

Der See wird tiefer, die Fläche größer

Baden wird man auch künftig nicht können in diesen Seen, doch das Ziel ist klar formuliert: „Die Spaziergänger sollen den Grund des Sees künftig sehen können“, so Goll. Das wird freilich nicht so ohne weiteres auf Knopfdruck funktionieren, schon gar nicht mit Pflanzen, die ja erst einmal fest anwachsen müssen, bevor sie ihre Aufgabe erfüllen können. Und dann ist ja auch erst mal einer von insgesamt drei Seen saniert, von denen freilich der größte, der jetzt auch noch gewachsen ist. „Bisher war die mittlere Tiefe bei 1,20 Meter, künftig sind es 2,10 Meter. Und die Wasserfläche wird vergrößert von 13 800 auf 14 200 Quadratmeter“, so Heuss-Mehlig. Mehr Wassertiefe, das bedeutet auch: Mehr kältere Temperaturbereiche im Wasser. Auch dies ist wichtig für dessen Selbstreinigungskräfte.

Die Wiese zwischen Seen und dem Berger Festplatz wird auch in den nächsten Wochen wieder hergestellt sein, zumindest ist sie wieder frei von Erdmassen. „Dort haben wir den ausgebaggerten Schlamm gelagert“, so Heuss-Mehlig, „leider konnten wir ihn im vorgesehenen Zeitrahmen nicht abtransportieren. Es war zu nass, was diese Erde noch zusätzlich schwerer machte.“

Die Tiere rund um die Seen zeigen sich flexibel. „Tagsüber während unserer Arbeiten verteilen sich die Enten und Gänse in andere Bereiche des Parks“, berichten Goll und Padur, „und abends nach unserem Feierabend kehren sie zurück“.

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