Felix Jordan spielt seine erste Hauptrolle im Stuttgarter Staatsschauspiel. Wer ab und zu fernsieht, könnte den jungen Schauspieler längst kennen. Warum er jetzt lieber Theater spielt, sagt er während einer Probenpause. Eine Begegnung.
Es ist dann doch der Beruf seines Vaters geworden, wenngleich die Vorstellung Polizist zu werden – wie der Onkel und der Großvater – lange oben auf der Liste seiner Wunschberufe stand. „Als ich bei einem Schulmusical namens „High School Musical“ mitspielte, merkte ich, dass das Schauspielen Spaß macht“, sagt Felix Jordan.
Das Gefühl trog ihn nicht. Der 1998 in Hamburg geborene Künstler sitzt im Foyer des Kammertheaters während einer Probenpause zu einem Stück, in dem er eine große Rolle spielen wird – und das, obwohl er gerade erst frisch ins Ensemble des Schauspielhauses gekommen ist.
Erste Auftritte in Kästners „Fabian“
Allerdings hat er da in kurzer Zeit schon jede Menge Rollen gespielt und die gleich alle in einem Stück. „In Kästners ,Fabian’ gibt es viele Kurzauftritte verschiedener Figuren, das war ein guter Theatersport! Ich habe dabei dann auch gleich viele Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, es ist ja ein Stück mit großer Besetzung.“ Und wer vor der Sommerpause in einem der kleinen Performance-Projekte „Krawall und Katharsis“ war, konnte sehen, dass er auch komödiantisches Talent hat und gut im Improvisieren ist.
Die Liebe zum Theater kam während der Ausbildung an der Filmuniversität Babelsberg. „Davor war ich noch sehr auf Filme fokussiert, habe aber da schon gemerkt, dass mich das Theater interessiert, das Handwerkliche, Sprechen, Körpereinsatz, die Figur verstehen, mit Kollegen gemeinsam etwas erarbeiten. Und ich habe gelernt, wenn man die Technik, das Handwerk beherrscht, kann man sich fallen lassen, in die Rolle eintauchen.“
Keine falsche Bescheidenheit
Mit seinen 25 Jahren ist Felix Jordan zwar im Theater noch neu und nach einem Gastengagement in Trier ist Stuttgart sein erstes Festengagement, aber gespielt hat er schon jede Menge. Was man ihm nicht anmerkt, denn im Gespräch zeigt er sich freundlich gelassen und sagt, dass er „mit einer gewissen Ironie durchs Leben geht“.
Er legt aber auch keine falsche Bescheidenheit an den Tag: „Wer schauspielt, sollte sicher eine Grundneugierde haben, wie Menschen sind, und da man jeden Abend herausgeht, auch ein gewisses Selbstbewusstsein besitzen. Denn man muss das ja mögen, dass die Leute einen ansehen, bei dem was man da tut.“
So viel jugendliche Weisheit könnte bei aller Freude am Bekanntsein auch erden. Denn wer halbwegs regelmäßig fernsieht, kennt sein Gesicht. Eine Schauspielagentur für Kinder und Jugendliche verschaffte ihm eine Hauptrolle in der TV-Serie „Die Pfefferkörner“ , da war er gerade 18 Jahre alt. „Danach habe ich dann eine andere Agentur gefunden und die hat mich für eine Staffel bei den „Roten Rosen“ vermittelt. Das ging zehn Monate.“ Es folgten andere Produktionen wie „Schwarzwaldkrimi“ , „Almost Fly“, „Hübsches Gesicht“, „Morden im Norden“ oder „Die jungen Ärzte“.
In der ARD-Serie „Rote Rosen“ verkörperte Felix Jordan einen sensiblen jungen Mann, der aus Freiburg stammt. Nach dieser erfundenen Nähe zu Süddeutschland ist nun also wirklich der Lebensmittelpunkt der Süden. Und anders als in Film und Fernsehen, wo er manchmal eine Rolle nicht angenommen hat, wenn es zu sehr um ähnliche Rollenprofile – junger smarter Mann – ging, hat er hier nicht gleich einen Romeo angeboten bekommen.
Düsteres Stück über Technikfeinde
Was für ihn okay ist, wie er sagt: „ich bin auf alles neugierig und eine heimliche Lieblingsrolle habe ich nicht. Aber die Figur des Antagonisten macht schon sehr viel Spaß.“ Im Kammertheater spielt er jetzt Jonathan, einen der Protagonisten in Dennis Kellys Stück „Der Weg zurück“, inszeniert von Selma Spahic.
Ein düsteres Drama über Menschen, die technische Errungenschaften, Wissenschaft überhaupt, ablehnen und zurückwollen zu einem einfachen Leben, einer einfachen Sprache gar und die diese Ziele mit Gewalt und einer Terrorherrschaft umsetzen.
Es ist ein Thesenstück mit einigen Zeitsprüngen, das überdies mit wenig klassischer Figurenpsychologie auskommt. „Die Rollenbeschreibung ist sehr knapp, der Spannungsbogen entsteht durch ein allgemeines Gefühl, eine Stimmung“, sagt Felix Jordan. „Ich habe mir selber eine Hintergrundstory für die Figur überlegt, auch wenn die nicht zur Sprache kommt. Jonathan ist ein nervöser Typ, der sich immer etwas beweisen muss, so sehe ich ihn gerade. Das kann sich bis zu den Endproben natürlich noch ändern.“ Klingt spannend – was für einer dieser Jonathan dann ist, wird sich zeigen: Die Premiere ist an diesem Freitag.
Info
Premieren
„Der Weg zurück“ von Dennis Kelly feiert am 15.9.2023 um 20 Uhr Premiere im Kammertheater Stuttgart. Regie führt Selma Spahic. Zweite Theaterpremiere zum Saisonauftakt des Schauspiels Stuttgart ist Shakespeares „Was Ihr wollt“ am 22. September um 19.30 Uhr im Schauspielhaus. Regie führt der Intendant Burkhard C. Kosminski.
Theaterfest
Am Sonntag 17. 9.2023 findet von 11 bis 18 Uhr im Schauspielhaus, im Opernhaus und draußenrund um die Staatstheater das Theaterfest der Württembergischen Staatstheater statt – gemeinsam organisiert von Schauspiel, Oper und Ballett. Der Eintritt ist frei.