Virtuose an Trompete und Flügelkorn: Sergej Nakariakov Foto: Thierry Cohen

Bei den Stuttgarter Philharmonikern hat Nicholas Milton Tschaikowskys Rokoko-Variationen in einer Bearbeitung für Orchester und Flügelhorn dirigiert – mit dem jungen Virtuosen Sergej Nakariakov.

Stuttgart - Gezupft und geblasen: Darauf muss man erst einmal kommen – und darauf, Geblasenes und Gezupftes gleichzeitig als ersten Ton einer Orchesterkomposition erklingen zu lassen. In Beethovens erster Sinfonie zeigten die Stuttgarter Philharmoniker am Freitagabend ihre instrumentale Reife, indem sie die unterschiedlich schnell erklingenden Töne tatsächlich zusammenbrachten. Unter der Leitung des gebürtigen Australiers Nicholas Milton rauschte das frische C-Dur-Werk sportiv vorüber. Mit nur vier Kontrabässen strahlte Beethovens Erstling wie eine hell schimmernde Marmorskulptur, charakterisiert durch eine schlank-elegante Schönheit mit ­markant artikulierten Details.

Bei Tschaikowskys Rokoko-Variationen konnte man darüber staunen, wie virtuos der russische Trompeter Sergej Nakariakov das dunkler als die Trompete klingende Flügelhorn beherrschte. Nakariakovs Vater Mikhail hatte das im Original für Cello und Orchester geschriebene Werk bearbeitet. Mit spektakulären Läufen und Trillern sowie elegischen, gleichsam bronzen schimmernden Klangfarben modellierte er die liebevoll klingende Hommage. Empfindsame Heiterkeit und sprühender Esprit wurden unnachahmlich in Töne sublimiert. Ovationen und als Zugabe die Air aus Bachs dritter Orchestersuite.

Prokofjews fünfte Sinfonie hat ähnliche formale Anlagen wie Beethovens erste, entfaltet aber an Filmmusik erinnernde Üppigkeit. Unter Nicholas Milton entfalteten die Philharmoniker mit Karina ­Kuzumi als Erster Konzertmeisterin eine gewinnende Balance aus kraftstrotzender expressionistischer Farbpalette, geschärften Konturen und rhythmisch-sattem Drive. Bravi im überaus gut besuchten Beethovensaal.

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