Stuttgarter Philharmoniker "Es gab immer ein Wohlfühlmoment"

Von Susanne Benda 

Gabriel Feltz Foto: Promo
Gabriel Feltz Foto: Promo

Chefdirigent Gabriel Feltz zur Qualität und zum Programm der Stuttgarter Philharmoniker.

Stuttgart - Gemeinsam mit dem Intendanten Michael Stille und dem Dramaturgen Albrecht Dürr hat Gabriel Feltz als Chefdirigent aus den Philharmonikern einen Klangkörper von hoher Qualität gemacht. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Feltz, "Humor in der Musik" ist das Konzert der Philharmoniker am Mittwoch um 20Uhr im Beethovensaal übertitelt. Was ist an diesem Programm lustig?

Eigentlich alles. Das beginnt schon bei Haydns 47. Sinfonie, die mit gutem Grund den Beinamen "Das Palindrom" trägt. Sie enthält - zum Beispiel im Trio - Passagen, die man sowohl vorwärts als auch rückwärts spielen kann. Da hat sich Haydn einen musikalischen Spaß gemacht, und auch der Rest des Stücks lebt von Überraschungen. Dabei arbeitet der Komponist wie ein guter Koch, der seine Speise ebenso raffiniert wie dezent mit einer exotischen Zutat würzt, die man erst nach einiger Zeit herausschmeckt. Hindemiths Einakter "Hin und zurück" anschließend ist ein fast holzschnittartig überzeichneter Sketch: Nachdem ein Ehemann aus Eifersucht seine Frau erschossen und sich aus dem Fenster gestürzt hat, läuft die Handlung Szene für Szene wieder rückwärts. Dieses Stück wird Hugo Wieg für uns inszenieren: Rechts auf der Bühne sitzen dann Orchestermusiker, links ist eine kleine Bühne aufgebaut. Wir bieten eine richtige Inszenierung mit Bühnenbild.

Wie passt Richard Strauss' "Sinfonia domestica" dazu?

Hier ist das Orchester beinahe so riesig besetzt wie bei der "Alpensinfonie", und der Witz liegt in der Personenzeichnung. Strauss hat hier einen Tag im eigenen Hause geschildert, es kommen also seine kapriziöse Frau Pauline vor, sein damals fünfjähriger Sohn Franz, der "Bubi" - und natürlich er selbst. Da hört man viel Ironie - zum Beispiel, wenn sich der Papa abends vertrödelt, bis die Mutter ein Machtwort spricht, oder wenn das Kind einfach nicht ins Bett gehen will. Abends möchte der Komponist dann eigentlich arbeiten, seine Frau hat aber anderes im Sinn. Natürlich trägt schließlich sie den Sieg davon, man hört viel Leidenschaft - und dann schläft der Mann natürlich wieder als Erster ein. Das ist sehr genau beobachtet, sehr lustig, und man hört sogar, dass Frauen besser sticheln können als Männer. Dabei ist der Witz nicht schenkelklopfend, sondern eher von der Art, die wir auch vom "Rosenkavalier" kennen.

Sie haben eine besondere Liebe zur Szene, sind neben Ihrer Arbeit in Stuttgart auch erster Gastdirigent am Theater Basel. Wollen Sie nach Ihrem Vertragsende bei den Philharmonikern 2015 wieder zurück zum Theater?

Das weiß ich jetzt noch nicht. Für die Oper hatte ich aber immer eine besondere Liebe, der ich mit dem Orchester hier eben auch ein wenig nachgehen will. Ich würde das aber nicht machen, wenn die Philharmoniker es nicht ebenfalls wollten. Bei den bis jetzt programmierten Bühnenwerken gab es immer ein Wohlfühlmoment auf beiden Seiten.

Können Sie sich vorstellen, Ihren Vertrag über 2015 hinaus nochmals zu verlängern?

Nein. Ich bin seit 2004 hier, und wir sind auf einem wundervollen Niveau der Zusammenarbeit angekommen. Das Orchester nähert sich mittlerweile selbst neuen Stücken mit einer Kompetenz und Selbstverständlichkeit, die richtig Freude machen. Auch die Gastdirigenten sind von der Qualität der Stuttgarter Philharmoniker begeistert. Aber so einen glücklichen Zustand kann man nicht ewig aufrechterhalten. Ich denke, nach rund zehn Jahren braucht das Orchester auch einen neuen Chef.

Was sind für Sie die attraktivsten Programme der nächsten Saison?

Ich freue mich auf vieles, besonders aber auf die Ausgrabung der "Belkis"-Ballettmusik von Ottorino Respighi - dieses Stück ist so unbekannt, dass wir nicht mal wissen, wie lang es genau ist. Dann machen wir weiter mit unserem Zyklus der Mahler-Sinfonien: Die Erste nehmen wir auf CD auf, und die Sechste spielen wir nicht nur in Stuttgart, sondern außerdem dreimal in Österreich. Auch Schostakowitschs elfte Sinfonie wird spannend.

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