OB-Kandidat Hannes Rockenbauch im Jahr 2012: Damals hat sich der Nachwuchspolitiker noch besser in Szene setzen können als zuvor Foto: dpa

Der Stuttgart-21-Gegner und parteilose Stadtrat Hannes Rockenbauch könnte in den Landtag kommen – aber nur dann, wenn die Linke ihm ein Ticket für den Wahlkampf gibt und die Partei im Mai 2016 im Land über die Fünf-Prozent-Hürde kommt.

Stuttgart - Er gilt als politischer Nachwuchsstar, als Galionsfigur der Tiefbahnhofsgegner und war wortgewandter Kandidat bei der OB-Wahl 2012 – zieht er jetzt noch in den Landtag ein? Das fragt sich mancher, seit bekannt ist, dass Hannes Rockenbauch als Parteiloser auf dem Ticket der Partei Die Linke bei der Landtagswahl antritt. Sofern die Partei ihn am 16. Juli aufstellt.

Dass er in dem von ihm ausgeguckten Wahlkreis Stuttgart I (Innenstadt) das Direktmandat holt, glaubt niemand. Damit Rockenbauch via Zweitmandat in den Landtag einziehen könnte, müsste die Linke erst einmal mit ihrem landesweiten Resultat die Fünfprozenthürde nehmen. Das sei wahrscheinlich, sagte das Wahlforschungsinstitut Infratest-Dimap im März voraus. Im Mai prognostizierte Forsa das Gegenteil.

Kommt die Linke rein, dann wandern die ihr zustehenden Mandate an jene Parteibewerber, die im Vergleich auf der Ebene des Regierungsbezirks die besten Prozentergebnisse holten. Frühere Wahlen zeigten, dass die Partei im Raum Aalen/Heidenheim noch am stärksten war. Stuttgart I rangierte bei der Wahl 2011 für die Linke im Bezirk auf Platz 5. Die Partei kam jedoch nicht in den Landtag. Bei der FDP, die es mit landesweit 5,3 Prozent knapp schaffte, kamen im Bezirk drei Bewerber durch. So gesehen, sagt Thomas Schwarz vom Statistischen Amt der Stadt, „müsste er eine klare Steigerung hinkriegen – das könnte er aber schaffen“. Parteienwahlkämpfer glauben zwar, dass die Person des Bewerbers bei Landtags- und Bundestagswahlen die Wähler wenig beeinflusst. Im Vorteil ist aber, wer sich schon zuvor in Wahlkämpfen bekannt machte. Vor allem in einem OB-Wahlkampf. Rockenbauch selbst traut sich im Wahlkreis die Verdoppelung des Linken-Resultats zu – „sieben bis zehn Prozent“.

Ob dieser Gegner sie Stimmen kosten wird, kann und will die Grünen-Abgeordnete Muhterem Aras nicht beurteilen. Sie wisse aber, dass sie um jede Stimme kämpfe und das Direktmandat verteidigen wolle. Befremdlich findet Aras, dass der Fraktionschef aus den Reihen des parteifreien Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) sonst immer gegen Parteien und Parlamente rede, nun auf dem Ticket einer Partei reise: „Das ist nicht konsequent und den Wählern gegenüber nicht ehrlich.“ Rockenbauch kontert. Parteilos bleibe er. Zusammenarbeit praktiziere er schon im Rathaus. Veränderungen einzuleiten gehe nur, wenn man Bündnisse eingehe.

Und dass er zusätzlich in den Landtag will? Nun, sagt er, er habe 2011 mitgeholfen zum Machtwechsel. Ein Politikwechsel stehe noch aus. Da will er nachhelfen.

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