Enttäuschung pur bei Marco Grüttner: Der Stürmer der Kickers holte zwei Elfmeter heraus, doch seine Teamkollegen Julian Leist und Marcos Alvarez verschossen jeweils. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie. Foto: Baumann

Die Blauen überzeugen in der dritten Liga, doch die Punktausbeute ist viel zu mager.

Stuttgart - Das 1:2 in Rostock war schon völlig unnötig. Das 0:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden erst recht. Im Derby in Heidenheim am kommenden Samstag wollen sich die Stuttgarter Kickers endlich für ihren Aufwand belohnen. „Wir müssen die Chancen kaltblütiger nutzen“, sagt Trainer Dirk Schuster.

Julian Leist hatte eine schlaf­lose Nacht hinter sich. Immer wieder war dem Kickers-Abwehrchef sein übers Tor geknallter Strafstoß durch den Kopf geschossen. „Eigentlich wollte ich den Ball wie immer flach ins Eck schießen“, erklärte der Innenverteidiger am trainingsfreien Sonntag. So wie in der vergangenen Regionalliga-Saison, als er nach den Fehlschüssen von Marco Grüttner, Jérôme Gondorf und Ali Pala drei von drei Strafstößen sicher verwandelt hatte. „Doch diesmal hatte ich einfach zu viel Rückenlage“, sagte Leist. Dass später auch noch sein Teamkollege Marcos Alvarez gegen den Ex-Kickers-Jugendtorwart Michael Gurski mit einem Elfmeter scheiterte, machte das Drama für die Kickers perfekt. Selbst Präsidiumsmitglied Guido Buchwald konnte sich in seiner langen ­Karriere nicht an einen Doppel-Patzer vom Punkt aus erinnern – mit einer Ausnahme: „Paul Breitner hat bei einem Länderspiel gegen Brasilien in Stuttgart mal zwei Elfmeter nicht verwandelt.“

„Wir haben zwei richtig gute Spiele gezeigt, doch wir müssen uns endlich für unseren Aufwand belohnen“, sagt Trainer Schuster

Jetzt zeigten die Kickers Nerven. Das ­Bittere daran: Der Aufsteiger hätte den ersten Drittliga-Sieg verdient gehabt. Denn wie schon zum Auftakt bei Hansa Rostock überzeugten die Blauen auch gegen das eingespielte und routinierte Wehener Team. Und das nicht nur läuferisch und kämpferisch – die gut organisierte Elf von Trainer Schuster setzte auch spielerische Akzente. „Die Qualitätssteigerung durch unsere Neuzugänge ist offensichtlich“, stellte Buchwald erfreut fest. Thorben Stadler fing sich nach anfänglichen Problemen auf der linken Abwehrseite. Kai Bastian Evers ließ auf der rechten Seite überhaupt nichts anbrennen. Sandrino Braun ist als Stratege vor der Abwehr kaum mehr aus der Elf wegzudenken. Und Alvarez sorgt mit seiner Technik und seinem guten Auge für die erfrischenden Überraschungsmomente in der Offensive.

Das alles bringt aber herzlich wenig, wenn die Punktausbeute nicht stimmt. „Wir haben zwei richtig gute Spiele gezeigt, doch wir müssen uns endlich für unseren Aufwand belohnen“, fordert Trainer Schuster, „dazu müssen wir unsere Tor­chancen besser und kaltblütiger nutzen.“ Dies gilt nicht nur für die Elfmeter. Enzo Marchese drosch den Ball bei einem Konter etwa über das Tor, anstatt den Ball auf den völlig frei stehenden Mahir Savranlioglu querzulegen. „Ich hatte den Tunnelblick und Mahir wirklich nicht gesehen“, entschuldigte sich Marchese. Dann gab der Kapitän gleich die Parole für das Derby am kommenden Samstag (14 Uhr) beim 1. FC Heidenheim aus: „Da heißt es Farbe bekennen, wir wollen die ersten drei Punkte nach Degerloch holen.“

Zuvor geht es für die Blauen am Mittwoch (18 Uhr) in der zweiten WFV-Pokal-Runde zum SV Zimmern, der sich im Landesliga-Duell gegen die SpVgg Freudenstadt mit 4:1 durchsetzte. Dass es die Kickers dabei nicht auf ein Elfmeterschießen ankommen lassen wollen ,versteht sich von selbst.

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