Der Kickers-Spieler Marcel Schmidts (re., gegen Offenbachs Vincent Moreno Giesel) ist ein Verteidiger mit Drang nach vorne. Foto: Baumann/Julia Rahn

Marcel Schmidts fiebert den nächsten beiden Heimspielen der Stuttgarter Kickers gegen den Bahlinger SC und seinen Ex-Club SSV Ulm 1846 entgegen. Mit den Spatzen stieg der Verteidiger 2023 auf. Welche Parallelen sieht der 29-Jährige?

Marcel Schmidts kann rechts wie links gut schießen. Auch beruflich vertraut der Verteidiger der Stuttgarter Kickers auf ein zweites Standbein: Er hat Infrastrukturmanagement studiert und arbeitet stundenweise bei der Stadt Göppingen in der Straßen- und Verkehrsplanung. Wohin der Weg mit den Kickers führt, ist vor dem Heimspiel des aktuellen Spitzenreiters der Fußball-Regionalliga an diesem Freitag (19 Uhr/Gazi-Stadion) gegen den Tabellen-Zehnten Bahlinger SC offen. Am liebsten natürlich zur Meisterschaft und zum Aufstieg in die dritte Liga. So wie das der 29-Jährige am Ende der vergangenen Saison mit dem SSV Ulm 1846 Fußball geschafft hat.

 

Gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. „Wir mussten damals auch eine schwierige Phase überstehen, aus der wir gestärkt hervorgegangen sind“, erinnert sich Schmidts. Die Ulmer hatten nach 23 Spieltagen neun Punkte Vorsprung auf den TSV Steinbach Haiger, sogar 13 auf die TSG 1899 Hoffenheim II. Danach folgten fünf Spiele, in denen es nur einen Sieg gab, aber zwei Niederlagen und zwei Unentschieden.

Geschärfte Sinne nach Delle

Die Spatzen berappelten sich wieder und kamen am Ende mit einem Punkt Vorsprung auf Steinbach und drei Zählern auf Hoffenheim ins Ziel. „Wir können nicht darauf vertrauen, dass es uns genau so ergeht – aber eine kleine Delle kann auch dazu dienen, die Sinne zu schärfen“, weiß Schmidts aus eigener Erfahrung.

Nach den zwei Niederlagen gegen Eintracht Frankfurt II (1:3) und in Hoffenheim (0:5) sind seine Blauen jedenfalls wieder in der Spur. Das 1:0 gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und das 3:1 beim TSV Schott Mainz, zu dem Schmidts mit seinem zweiten Saisontor das 1:0 beisteuerte, waren jedenfalls Gold wert. „Entscheidend auf der Zielgeraden ist, dass man geduldig bleibt, sich auf seine eigenen Tugenden besinnt, auf seine eigenen Stärken vertraut, gut gegen den Ball arbeitet“, sagt Schmidts. Das hat er vor einem Jahr mit Ulm beherzigt, das ist auch aktuell bei den Kickers der Fall.

Wucht der Fans als Vorteil

Noch eine Parallele drängt sich auf: die Wucht der Fans. Sie kann im Titelkampf mit den zweiten Mannschaften der Proficlubs zu einem entscheidenden Vorteil werden. „Die Unterstützung ist ein riesiger Faktor, das kitzelt ein paar Prozente heraus“, betont der lauf- und kampfstarke Offensivverteidiger und lobt vor allem das gute Gespür der Anhänger nach dem Debakel in Hoffenheim: „Sie haben nicht draufgehauen, sondern den Zusammenhalt herausgestrichen, und nur so geht es.“

Einen Schritt nach dem anderen gilt es für die Kickers in den noch ausstehenden sechs Regionalliga-Spielen zu gehen. Deshalb will Schmidts in dieser Woche noch gar nicht an den WFV-Pokal-Viertelfinal-Knüller am 16. April (19 Uhr/Gazi-Stadion, 6700 Tickets sind weg) gegen seinen Ex-Club Ulm denken. Nur so viel sagt er: „Für uns ist das ein schönes Zubrot.“ Klar ist: Nur über den WFV-Pokal-Sieg im Endspiel am 25. Mai in Großaspach wären die Blauen in der nächsten Saison im DFB-Pokal-Wettbewerb vertreten.

Ulm vor zwei Topspielen

Die Spatzen dagegen haben gute Aussichten, sich auch über die Liga zu qualifizieren. Die ersten vier der Drittliga-Abschlusstabelle sind im nationalen Cup-Wettbewerb vertreten. Und derzeit steht Ulm auf Platz zwei (59 Punkte), der Vorsprung auf den Fünften SV Sandhausen beträgt sieben Punkte. Das WFV-Pokal-Spiel unterm Fernsehturm ist eingebettet zwischen zwei Spitzenspielen: Jeweils daheim im Donaustadion geht es am 13. April (14 Uhr) gegen den Dritten Preußen Münster (55 Punkte) und am 21. April (19.30 Uhr) gegen Spitzenreiter SSV Jahn Regensburg (60 Punkte).

Auch Schmidts hat keine Ahnung, mit welcher Elf Trainer Thomas Wörle seine Spatzen in Degerloch antreten lässt. Dagegen weiß er, warum die Ulmer in der dritten Liga als Aufsteiger so gut dastehen: „Mich überraschen die Erfolge nicht, weil sie betont geschlossen auftreten, sauber in ihrem System spielen und eklig verteidigen.“

Doch zunächst geht es für Schmidts und die Blauen einzig und allein um das Spiel gegen den Bahlinger SC. Was anderes sehen die Planungen des Fußballers mit den zwei Standbeinen nicht vor.

Restprogramm

Stuttgarter Kickers
(56 Punkte, plus 27 Tore): Bahlinger SC (Heimspiel, 12. April, 19 Uhr), FSV Frankfurt (Auswärtsspiel, 21. April, 14 Uhr), VfB Stuttgart II (Heimspiel, 27. April, 14 Uhr), FC-Astoria Walldorf (Auswärtsspiel, 5. Mai, 14 Uhr), SGV Freiberg (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), FC 08 Homburg (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).

TSG 1899 Hoffenheim II
(54 Punkte, plus 35 Tore): TSG Balingen (Auswärtsspiel, 13. April, 14 Uhr), TSV Steinbach Haiger (Nachholspiel, auswärts, 17. April, 19 Uhr), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (Auswärtsspiel, 20. April, 14 Uhr), TSV Schott Mainz (Heimspiel, 27. April, 14 Uhr), Bahlinger SC (Auswärtsspiel, 4. Mai, 14 Uhr), FSV Frankfurt (Heimspiel, 11. Mai, 14 Uhr), VfB Stuttgart II (Auswärtsspiel, 18. Mai, 14 Uhr).

VfB Stuttgart II
(51 Punkte, plus 22 Tore) 1. FSV Mainz 05 II (Auswärtsspiel, 14. April, 14 Uhr), TSV Steinbach Haiger (Heimspiel, 21. April, 14 Uhr), Stuttgarter Kickers (Auswärtsspiel, 27. April, 14 Uhr), VfR Aalen (Heimspiel, 5. Mai, 14 Uhr), Eintracht Frankfurt II (Auswärtsspiel, 11. Mai, 14 Uhr), TSG 1899 Hoffenheim II (Heimspiel, 18. Mai, 14 Uhr). (jüf)