Die Kickers in der Bundesliga: Präsident Dünnwald-Metzler (li.) und Wolfgang Wolf Foto: Pressefoto Baumann

Ralf Vollmer, Wolfgang Wolf und Zoltan Sebescen freuen sich mit und erzählen über vergangene Aufstiege.

Feiertag in Degerloch: An diesem Samstag (13 Uhr) jubelt Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers vor, während und nach der Partie gegen den FC Bayern München II mit seinen Fans über den Sprung in die dritte Liga. Drei ehemalige Spieler blicken auf die drei Aufstiege 1988, 1991 und 1996 zurück. Der Bundesliga-Aufstieg 1988 Ralf Vollmer (49) gerät heute noch ins Schwärmen, wenn er an die damalige Mannschaft zurückdenkt. „Wir waren ein überragendes Team“, erinnert sich der ehemalige Stürmer. Spieler wie Bernd Schindler, Ralf Forster, Demir Hotic, Bernd Grabosch, Frank Elser oder Dirk Kurtenbach befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ein Jahr zuvor waren die Kickers ins DFB-Pokal-Finale nach Berlin eingezogen. Den Schwung nahmen sie mit in die folgende Zweitligasaison. „Schon einige Spieltage vor Schluss war klar, dass wir hochgehen“, weiß Vollmer, der heute als Vertriebsdirektor einer Versicherung arbeitet. Nach einem 2:0 beim FC St. Pauli stand nach menschlichem Ermessen fest, dass sich die Blauen den Aufstieg nicht mehr nehmen lassen. „Wir haben spontan in den Kneipen auf dem Kiez gefeiert“, erzählt Vollmer.

Der Trainer damals hieß Manfred Krafft. Ein Mann aus der Generation des Wiederaufbaus. Er schätzte Härte, Robustheit, Aggressivität. Das „Kontrastprogramm“ zu seinem Vorgänger, dem Religionslehrer Dieter Renner. Vollmer: „Manni Krafft war ein ganz harter Hund. In der Vorbereitung waren drei Trainingseinheiten plus Testspiel am Abend keine Seltenheit.“ Einmal kam es fast zum Eklat: Nach dem Einzug ins Pokal-Finale hatte der damalige Präsident Axel Dünnwald-Metzler der Mannschaft in der folgenden Winterpause einen Urlaub in Florida versprochen. Krafft hatte dies als reines Trainingslager verstanden. Als sich die Spieler einmal am Strand ausruhen wollten, legte der Trainer sein Veto ein. Es kam zu einer Spielerrevolte – ADM musste vermitteln. „Zähneknirschend machte Krafft Zugeständnisse“, weiß Vollmer noch. Nach der Rückkehr ging es gleich in den Schwarzwald. „Krafft ließ uns laufen ohne Ende. Er zahlte uns alles gnadenlos zurück.“ Vollmers Prognose für die Kickers: „Ich freue mich riesig, denn der Sprung in die dritte Liga ist für den Verein wichtiger als unser Aufstieg damals. Die dritte Liga ist super­attraktiv. Wenn es gelingt, den einzigartigen Teamgeist zu bewahren, ist es absolut realistisch drinzubleiben. Das zeigen die Beispiele aus der Bundesliga. Köln und Hertha waren keine echten Mannschaften, bei Freiburg und Augsburg stimmte der Teamspirit – und beide blieben drin.“

Der Bundesliga-Aufstieg 1991 Bei den Kickers hatte es einen Schnitt gegeben. Der neue Trainer Rainer Zobel setzte auf moderne Trainingsmethoden. Erfahrene Spieler waren gegangen, jüngere wie Marcus Marin oder Dimitrios Moutas hinzugekommen. Kapitän war Wolfgang Wolf – und der bekommt 21 Jahre danach noch eine Gänsehaut, wenn er an das Herzschlagfinale denkt. „Diese Dramatik war wirklich nicht zu überbieten“, sagt der 54-Jährige. Die Blauen lagen in der Abschlusstabelle auf Platz drei hinter Schalke 04 und dem MSV Duisburg. Die Entscheidung fiel in der Relegation. Im dritten Spiel setzten sich die Kickers auf neutralem Platz nach Toren von Ralf Vollmer, Juan Cayasso und Dirk Fengler gegen den FC St. Pauli mit 3:1 durch.

Zuvor hatte das Team auf der Anfahrt vom Hotel in Köln zum Spielort nach Gelsenkirchen eine Horrorfahrt wegstecken müssen. Wolf: „Es war Stau ohne Ende. Der ADAC musste uns ins Stadion lotsen.“ 20 Minuten vor dem Anpfiff kam die Mannschaft in Zivilklamotten an. Wolf: „Der Druck war dadurch irgendwie weg, wir spielten locker drauflos – und gewannen souverän.“ Auf der Rückfahrt wackelte der Bus. „Es war eine einzige Jubelorgie. Wir wurden mehrmals geblitzt. Eigentlich darf unser Busfahrer Willi Mast heute noch nicht seinen Führerschein wiederhaben“, sagt Wolf mit einem Augenzwinkern. Wolfs Prognose für die Kickers: „Trainer Dirk Schuster und Präsidiumsmitglied Guido Buchwald haben richtig gute Arbeit geleistet. Das Team lebt von seinem Charakter und seiner Geschlossenheit. Das sollte unbedingt bewahrt werden. Mit der Euphorie im Rücken ist der Klassenverbleib drin.Mittelfristig sollte die zweite Liga die Heimat der Kickers sein. Genauso wie für meinen Verein Hansa Rostock die Bundesliga. Ich freue mich riesig auf die Duelle mit den Blauen.“

Der Zweitliga-Aufstieg 1996 „Qualität setzte sich durch“, erinnerte sich Zoltan Sebescen (36) an den souveränen Aufstieg aus der Regionalliga. Mit neun Punkten Vorsprung auf den VfR Mannheim feierten die Blauen die Rückkehr in die zweite Liga – lange nicht so ausgelassen wie die Triumphe davor. Der spätere Nationalspieler Sebescen und heutige Spielerberater war damals gemeinsam mit Verteidiger Achim Pfuderer der Jüngste im Team. „Wir hatten viele Spieler mit Zweitligaerfahrung“, erinnert sich Sebescen. Die tragenden Säulen in der Mannschaft von Trainer Wolfgang Wolf waren Torjäger Markus Beierle (23 Saisontreffer) und sein Sturmpartner Markus „Toni“ Sailer sowie Alexander Malchow, Dirk Wüllbier, Ralf Strogies, Torsten Raspe und Adnan Kevric. Sebescens Prognose für die Kickers: „Verstärkungen sind ein absolutes Muss. Im Mittelfeld und im Angriff müssen dabei die Prioritäten gesetzt werden. Wobei nicht nur die Stürmer mehr Tore erzielen sollten, sondern auch die Mittelfeldspieler. Gelingt es, den Kader in der Breite mit mehr Qualität auszustatten, bleiben die Kickers drin.“

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