Stuttgarter Kickers Die Hoffnung schwindet immer mehr

Von Jürgen Frey 

Georg Niedermeier (li.): Der Ex-VfB-Profi im Dress des SC Freiburg II  tröstet Kickers-Kapitän Sandro Abruscia. Foto: Baumann
Georg Niedermeier (li.): Der Ex-VfB-Profi im Dress des SC Freiburg II tröstet Kickers-Kapitän Sandro Abruscia. Foto: Baumann

Nach dem 0:1 gegen den SC Freiburg II herrscht bei Regionalligist Stuttgarter Kickers so etwas wie Endzeitstimmung. Noch ist der Klassenverbleib zwar möglich, doch es wäre unseriös, nicht für die Oberliga zu planen. Dabei stellen sich viele Fragen.

Stuttgart - Am kommenden Wochenende sind die Stuttgarter Kickers spielfrei. Dann folgen noch die Spiele beim FSV Mainz 05 II und zum Schluss gegen den FSV Frankfurt. „Die Chancen sind geringer geworden, aber für uns ist noch alles möglich“, sagt der nach wie vor optimistische Sportliche Leiter Martin Braun, der auch bei einem Abstieg in die Oberliga bleiben würde.

Wie war das Spiel?
„Das Ergebnis ist brutal, weil die Elf viel investiert hat“, sagte Kickers-Trainer Jürgen Seeberger. Das entscheidende Tor erzielte der starke Ex-VfB-Profi Georg Niedermeier (32) in seinem dritten Pflichtspieleinsatz für den SC Freiburg II per Kopf nach einer Ecke. Danach hatten die Blauen noch vier gute Chancen zum Ausgleich, doch den verhinderte Pfosten, Latte oder der überragende Torwart Constantin Frommann (19). Besonders auffällig beim SCF II war auch Mittelfeldstratege Ivica Banovic (37) und zeigte damit eine Problematik der Kickers-Elf auf: Den Blauen fehlen solch körperlich robuste Führungsspieler.
Wie reagierten die Fans?
„Wir haben die Schnauze voll.“ „Wir sind Kickers und ihr nicht.“ „Absteiger“. Das hallte den Spielern nach der Partie vor 2290 Zuschauern aus dem B-Block entgegen. Doch alles blieb im Rahmen. „Bezogen auf die ganze Saison kann ich den Unmut verstehen“, sagte Präsident Rainer Lorz.
Können die Blauen noch drin bleiben?
Ja, aber die Lage ist komplex, da die Konkurrenz weniger Spiele hat und die Zahl der Absteiger vom Abschneiden von Meister und Vizemeister in den Aufstiegsspielen (24. und 27. Mai) abhängt. Klar ist aber, dass die Kickers in den letzten Spielen bei Mainz 05 II (5. Mai) und gegen den FSV Frankfurt (12. Mai, jeweils 14 Uhr) möglichst optimal punkten müssen, sonst droht sogar der drittletzte Platz. Der würde den sicheren Abstieg bedeuten. Der viertletzte Rang reicht nur, wenn beide Teams aus der Südwest-Staffel aufsteigen, der fünftletzte, wann ein Team hoch geht.
Welche Personalien stehen fest?
Stürmer Luca Pfeiffer hat einen Zweijahresvertrag bei Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn unterschrieben. Sandro Abruscia geht zu 1860 München. Klar ist ebenso, dass der Sportliche Leiter Martin Braun auch im Fall des Abstiegs bleiben würde. „Ich bin bereit, die Dinge in die richtige Bahn zu bringen“, bestätigte Braun. „Vielleicht haben wir ihn einfach auch zu spät verpflichtet“, sagte Kickers-Aufsichtsratschef Christian Dinkelacker.
Was würde im Fall eines Abstiegs aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ)?
Der DFB toleriert für ein Jahr auch für einen Oberligisten ein NLZ. Danach ist es nur aufrechtzuerhalten, wenn der der sofortige Wiederaufstieg gelingt.
Wäre ein sofortiger Wiederaufstieg realistisch?
Laut Lorz gibt es „Signale von entscheidenden Partnern bei der Stange zu bleiben“. Zwar müsste der bisherige Etat von etwa 1,5 Millionen Euro (für Mannschaft und Betreuerstab) abgespeckt werden, aber er wäre voraussichtlich immer noch so hoch, damit die Voraussetzungen für einen Aufstieg gegeben wären. Was die Aufgabe allerdings nicht einfacher machen würde, ist die Tatsache, dass für jeden Oberligisten das Heimspiel gegen die Blauen das Spiel des Jahres wäre. „Der SSV Ulm 1846, Waldhof Mannheim und auch der SC Freiburg II haben es gut hinbekommen, wieder hoch zu kommen“, nennt Braun Beispiele für eine erfolgreiche Mission Wiederaufstieg.
Ist eine Insolvenz ein Thema?
Nein, derzeit nicht. „Es ist ein Trugschluss, dass damit alle Schulden weg und die Probleme gelöst wären“, erklärt Lorz
Würde die Führungsetage weitermachen?
„Natürlich müssen wir uns hinterfragen“, sagt der Aufsichtsratschef Dinkelacker in Anbetracht der Kette von Fehlentscheidungen. Lorz räumt ein, dass „die Entwicklung in den vergangenen drei Jahren katastrophal ist“. Einen Wechsel wird es frühestens bei er Mitgliederversammlung im November geben. Frische Köpfe, neue Impulse würden gut tun – nur wer würde die Verantwortung übernehmen, etwa de stellvertretende Aufsichtsratschef Alexander Lehmann? Lorz sagt nur so viel: „Wir haben fähige Leute in den Gremien.“
Würde weiter im Gazistadion gespielt?
„Das wäre unser Ziel“, betont der Präsident, „doch wir müssten mit der Stadt Gespräche über die Konditionen führen.“
Wer könnte im Abstiegsfall Trainer werden?
Auch aus finanziellen Gründen könnte der erfahrene und gut vernetzte künftige NLZ-Chef Marijan Kovacevicin Personalunion ein Thema werden. Braun: „Das ist nicht auszuschließen, doch ich hoffe, wir bleiben drin und Jürgen Seeberger macht weiter.“

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