Stuttgarter Kickers Der ewige Kampf der Blauen um die Fans

Von Jürgen Frey 

Die Stuttgarter Kickers genießen durchaus Sympathien in der Region, doch die Leute strömen nicht ins Stadion. Dieses Phänomen gab es schon zu besseren Zeiten. An diesem Mittwoch (19 Uhr) erwarten die Blauen im Regionalliga-Derby gegen den SSV Ulm 1846 gerade mal 2000 Zuschauer.

Stuttgart - Axel Dünnwald-Metzler erzählte die Anekdote immer dann, wenn es wieder einmal eine enttäuschende Zuschauerzahl bei einem Heimspiel der Stuttgarter Kickers erklären sollte: „Mich hat doch tatsächlich mal einer gefragt, welche Marketingmaßnahmen wir ergreifen wollen – nach unserem 4:1 beim FC Bayern.“ Nach diesem Fußball-Bundesligasieg für die Geschichtsbücher am 5. Oktober 1991 in München kamen eine Woche später ins damaligen Neckarstadion gerade mal 5500 Zuschauer gegen Fortuna Düsseldorf. Was der ehemalige Präsident der Blauen also sagen wollte: Die Kickers können tun und machen, was sie wollen, der Zustrom an Zuschauern stößt an natürliche Grenzen.

Aktueller Schnitt liegt bei 2554

So schlimm wie in dieser Saison war es allerdings schon lange nicht mehr: 1810 Zuschauer kamen im vergangenen Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim II, in der Hinrunde an einem Montagabend gegen Hessen Kassel waren es nur 1750. Das bedeutete Minusrekord seit der Saison 2010/11. „Das ist leider auch Abbild der sportlichen Entwicklung“, sagt Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer. Um Kosten zu sparen, lassen er und seine Mitstreiter nichts unversucht: Sie haben zwei Blöcke und den Eingangsbereich Nord gesperrt. Es wurden Ordner eingespart, dazu Rote-Kreuz- und Reiningungspersonal. „Ohne diese Maßnahmen wäre ein Heimspiel mit unter 2000 Zuschauern ein Verlustgeschäft“, stellt Pfeifer klar. Derzeit liegt der Schnitt bei 2554 (Vorjahr 3036). Zum württembergischen Regionalliga-Derby an diesem Mittwoch (19 Uhr) gegen den SSV Ulm 1846 werden nur 2000 Zuschauer erwartet.

Der ewige Kampf der Kickers um ihre Fans. „Das war bei den Blauen leider schon immer ein Problem. Als wir in der zweiten Liga vorne mitspielten, hatten wir gegen Uerdingen auch nur 3700 Besucher“, erinnert sich Ralf Vollmer. Der ehemalige Torjäger und Sportdirektor kommt als Versicherungsexperte viel herum im Land. „Die Kickers sind immer noch ein Begriff in Deutschland, viele in der Region finden den Verein sehr sympathisch, nur die Leute kommen nicht ins Stadion.“

Vollmer zieht Vergleich mit St. Pauli

Vollmer findet das sehr schade. Er hätte sich eine ähnliche Entwicklung gewünscht, wie sie der FC St. Pauli genommen hat. „Als wir dort spielten, hatten die auch nur 2500 bis 3000 Zuschauer, doch der Club hat es geschafft aus einer Marke einen Kult zu machen“, sagt der 55-Jährige. Im Zuge der zunehmenden Ablehung der Kommerzialisierung sei solch ein etwas anderer Club doch eine sympathische Alternative für die Fans, die Bier und Bratwurst bei Fußball pur noch mit Hartgeld zahlen wollen.

Boom unter Trainer Steffen

Im Gegensatz zu Zweitligist St. Pauli macht den Kickers jedoch die sportliche Talfahrt zu schaffen. Die Gegner heißen Schott Mainz und Eintracht Stadtallendorf. Der erneute Kampf gegen den Absturz in die Oberliga stellt die Leidensfähigkeit der Treuesten der Treuen auf eine harte Probe. Dabei ist der Aufschwung noch gar nicht so lange her: In der Drittligasaison 2014/15 strömten gegen Arminia Bielefeld 8250 und gegen den MSV Duisburg 8650 Zuschauer ins renovierte Gazi-Stadion. Im DFB-Pokal wollten 37 000 Besucher das Duell mit Borussia Dortmund sehen. Nicht nur bei Vollmer keimte leise Hoffnung auf: „In dieser Phase unter Trainer Horst Steffen dachte ich, es kann etwas Großes entstehen.“ Wie schon oft in ihrer Historie haben es die Blauen verpasst, diese Chance zu nutzen.

Stuttgarter Kickers - Regionalliga

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