Seit der zurückliegenden Winterpause trägt Sercan Sararer das Trikot des KSV Hessen Kassel. Foto: imago/Eibner/Roland Sippel

Der Ex-Bundesligaprofi trifft mit dem KSV Hessen Kassel auf die Blauen. Vor der Partie äußert sich der 33-Jährige im Interview unter anderem zu seinem Team und zu seiner Zeit beim VfB Stuttgart.

Die Stuttgarter Kickers bestreiten ihren dritten Regionalliga-Spieltag am Samstag (14 Uhr/Auestadion) auswärts beim KSV Hessen Kassel. In dessen Aufgebot steht seit der Winterpause 2022/23 der frühere türkische Nationalspieler und Ex-Bundesligaprofi Sercan Sararer, der auch für den VfB Stuttgart im deutschen Oberhaus auflief.

 

Vor der Partie gegen die Blauen spricht der 33-Jährige über seine Rolle im Team, das anstehende Duell, seine Zeit bei den Weiß-Roten und mehr.

Herr Sararer, Sie haben in der türkischen Nationalmannschaft und in der Bundesliga gespielt. Wie sieht dagegen Ihr fußballerischer Alltag beim KSV Hessen Kassel aus?

Nicht viel anders als damals. Wir haben auch jeden Tag Training, der Verein hat sich weiter professionalisiert. Vom Trainingspensum her hat sich für mich nicht viel verändert. Es macht mir ziemlich viel Spaß hier, weil ich gewisse Aufgaben habe, die ich auch erfüllen möchte.

Wie würden Sie Ihre Rolle in Kassel beschreiben?

Als ich herkam, war es so, dass ich der Mannschaft helfen musste. Wir haben ja in der vorherigen Saison gegen den Abstieg gespielt. Mittlerweile ist es so, dass die erfahrenen Spieler – Alban Meha hat auch schon in der Bundesliga gespielt – die jungen an das Leistungsniveau und die richtige Einstellung zum Fußball heranführen. Dabei sind wir bis jetzt auf einem guten Weg. Natürlich ist das ein längerer Prozess, der eben erst begonnen hat.

Sie und Ihr Team hatten am Samstag die Chance, überraschend gegen den TSV Steinbach Haiger zu gewinnen und mit sechs Punkten zu starten. Was hat in der Schlussphase noch zum 2:3 geführt?

Wir sind in der ersten Halbzeit sehr gut in das Spiel gekommen, haben unheimlich viel investiert. In der zweiten Halbzeit ist uns ein bisschen die Puste ausgegangen, aber nichtsdestotrotz musst du auch in solchen Phasen cleverer sein. Die Gegentore sind alle über die Außen gefallen. So wie wir sie bekommen haben, war es etwas zu einfach. Das haben wir klar angesprochen. Da müssen wir uns weiterentwickeln, damit wir mit vollem Einsatz gegen den Ball verteidigen oder clever genug sind, um auch einmal ein Foul zu ziehen. Denn in der Schlussphase solche Tore zu kassieren, ist schon sehr ärgerlich. Daraus müssen wir lernen.

Sie selbst haben mit dem 1:0 sehenswert Ihr erstes Saisontor erzielt. Wie blicken Sie darauf zurück?

Ich habe mich gefreut, so früh in der neuen Saison ein Tor zu machen. Es war auch ein wichtiges Spiel, daher hat es mich umso mehr gefreut. Ich dachte, dass wir es nach der 2:0-Führung gewinnen. Dem war leider nicht so. Trotzdem ist es immer schön, ein Tor zu schießen. Ich habe mir auch selbst zum Ziel gesetzt, ein paar zu erzielen. Das war ein guter Anfang. Für mich ist die jetzige Saison eigentlich die erste offizielle, weil ich diesmal von Anfang an dabei war. Im vergangenen Winter, als ich kam, musste alles noch sehr schnell gehen.

Sie hat in Ihrer Karriere lange eine Verletzung geplagt. Sind Sie nun fit in die Saison gestartet?

Auf jeden Fall. Der beidseitige Adduktorenriss, den ich hatte, hat mich zweieinhalb bis drei Jahre gekostet, bis ich wieder komplett fit war. Diese Zeit hat wehgetan. Aber rückblickend bin ich trotzdem dankbar, dass ich dadurch viel mitgenommen habe und nun mit 33 ziemlich fit bin, wenn nicht sogar fitter als in den vergangenen Jahren. Ich ernähre mich gesund, lebe gesund.

Mit dem KSV geht es nun gegen die Stuttgarter Kickers weiter. Auf was für eine Mannschaft müssen die sich einstellen?

Da kann ich nicht so viel verraten (lacht). Wir sind eine hungrige Mannschaft und haben viele junge Spieler dazugewonnen. Viele wollen sich auch noch weiterentwickeln oder sind da, um noch einmal anzugreifen. Wir haben eine gute Mischung aus Jung und Alt, das spricht für uns. Abgesehen von dem Spiel in der vergangenen Woche haben wir einen guten Lernprozess und ich hoffe, dass wir das in dieser Saison auch zeigen können.

Was erwarten Sie wiederum von den Kickers?

Ich glaube, das ist kein typischer Aufsteiger. Wir wissen alle, dass das eine sehr gute Mannschaft ist, die das im vorherigen Spiel auch wieder bewiesen hat. Mit 7:0 haben sie ihren Gegner geschlagen, das muss man auch erst einmal schaffen. Die Offensive ist ziemlich gut. Darauf müssen wir uns gut einstellen. Wir müssen jeden Zweikampf mit 100 Prozent Einsatz führen, ansonsten kann es schwierig werden.

Stichwort Stuttgart: Haben Sie noch Bezug zu der Stadt?

Weniger. Ich habe noch ein, zwei Kollegen, die dort leben und mit denen ich noch Kontakt habe, aber ich war schon ewig nicht mehr privat dort. Was ich aber sagen kann: Der VfB Stuttgart ist ein super Verein, bei dem ich eine schöne Zeit hatte und den ich leider nach zwei Jahren wieder verlassen musste. Trotzdem hat es mir dort Spaß gemacht. Die Bedingungen sind hervorragend. Wir hatten auch eine geile Mannschaft, in der sich alle super verstanden haben. Ich kann mehr positiv als negativ zurückblicken, auch wenn es sportlich nicht so sehr lief für mich. Aber ich bin ein Mensch, der das realistisch einschätzen kann und der versucht, die positiven Dinge mitzunehmen.

Besteht noch Kontakt zu Spielern aus der damaligen Mannschaft?

Ja. Ich habe mit Antonio Rüdiger und Karim Haggui ab und zu Kontakt, mit Konstantin Rausch war das vor längerem auch ab und zu der Fall. Mit Christian Genter habe ich gesprochen, als wir in Stuttgart gespielt haben. Das hat mich auch sehr gefreut.

Ihr Vertrag in Kassel läuft bis 2026. Möchten Sie dort Ihre Karriere beenden?

Wenn ich 2026 aufhöre, bin ich 36 und werde Ende des Jahres 37. Ich bin wirklich noch fit, das zeigen mir auch die Läufe und Sprints in den Spielen. Daher möchte ich nach jetzigem Stand bis dorthin durchspielen. Was danach passiert, weiß ich nicht.

Steht schon fest, wie es nach der aktiven Karriere weitergeht?

Ich möchte so lange wie möglich Fußball spielen. Ob ich danach außerhalb des Platzes im Fußball bleibe oder ob ich etwas komplett anderes mache, weiß ich noch nicht.

Zur Person

Karriere
Sercan Sararer, zwölffacher Nationalspieler der Türkei, kam am 27. November 1989 in Nürnberg auf die Welt. Er wurde bei der SpVgg Greuther Fürth ausgebildet und erreichte mit dem Kleeblatt 2012 den Aufstieg in die Bundesliga. Zur Saison 2013/14 wechselte der Mittelfeldspieler zum VfB Stuttgart, zwei Jahre später schloss er sich Fortuna Düsseldorf an. 2016 folgte eine zweijährige Rückkehr nach Führt, ehe er nach einer vereinslosen Phase im Winter 2018 den Karlsruher SC verstärkte, mit dem er in die zweite Liga aufstieg. Nach mehreren Monaten ohne Club zog es den Mittelfeldakteur zu Türkgücü München. 2020 schaffte er mit dem Verein, der im Januar 2022 Insolvenz anmeldete, den Sprung in die Drittklassigkeit. Seit der Winterpause der Saison 2022/23 läuft der Profi, der zuvor vereinslos war, für den KSV Hessen Kassel auf.

Persönliches
Die Mutter des 33-Jährigen ist Spanierin, der Vater Türke. Sercan Sararer, der verlobt ist und in Kassel lebt, hat eine Tochter (13) und einen Sohn (1).