Ab dem Sommer wird das Stuttgarter Kammerorchester sechs exzellente alte Instrumente besitzen. „Das verbessert den Klang fulminant“, sagt der Intendant Markus Korselt.
Stuttgart - Für hochwertige historische Geigen und Celli muss man sechsstellige Summen bezahlen. Das gerade 75 Jahre alte Streicherensemble kann sich jetzt sechs davon leisten.
Herr Korselt, was oder wer macht diese Anschaffung möglich?
Zwei Förderer, Wolfgang Carl Friedrich Grosse und seine Lebensgefährtin Renate Wald, haben beschlossen, ein paar sehr gute Instrumente hauptsächlich italienischer Herkunft zu kaufen und sie dem Kammerorchester exklusiv und unbefristet zur Verfügung zu stellen.
Was versprechen Sie sich von den vier neuen alten Geigen, der Bratsche und dem Cello?
Nicht jeder Musiker kann sich exzellente Instrumente leisten. Nun werden wir sie haben – und mit ihnen unseren Klang auf einen Schlag fulminant verbessern. Wir haben schon im Dezember bei einer CD-Aufnahme unter anderem von Schönbergs „Verklärter Nacht“ und von Brahms’ Streichquintett unter Thomas Zehetmair einige Instrumente ausprobiert und waren begeistert. In der engeren Wahl sind gerade eine Gagliano-Violine und ein Pedrazzini-Cello. Bis zum Sommer werden wir uns endgültig entscheiden. Die Musiker werden dann Werkzeuge haben, mit denen sie sich adäquat ausdrücken können. So wie ein Formel-1-Fahrer, der nur mit einem exzellenten Fahrzeug gewinnen kann – nicht mit einem Polo.
Streichinstrumente und ihre Spieler gehen in der Regel sehr innige Beziehungen ein. Werden die neuen Instrumente einzelnen Musikern gehören?
Nein. Wir entscheiden, wer den größten Bedarf hat, und die Spieler an den Solopositionen haben natürlich Vorrang. Es gibt also Zuordnungen, aber die Instrumente gehören dem Kammerorchester.
Verändern die Instrumente auch die Spieler?
Auf jeden Fall. Die halten jetzt ein Stück Musikgeschichte in den Händen. Das ist ihnen bewusst, sie sitzen schon ganz anders da – und das ist nicht hoch genug einzuschätzen.