Johannes Schweglers Aufforstungsprojekt bietet der indigenen Bevölkerung Borneos, den Dayaks, eine Perspektive Foto: Gottfried Stoppel

Johannes Schweglers Organisation Fairventures Worldwide schützt den Regenwald, in dem sie mit Bauern vor Ort Nutzwälder pflanzt. Sarina Albecks Buch „Bäume für Borneo“ berichtet über das Projekt, im Juni gibt es eine Livestream-Lesung.

Stuttgart/Korb - Es gibt eine Situation, in der Johannes Schwegler die Hutschnur hochgeht. Das passiert immer dann, wenn jemand behauptet, der Einzelne könne nichts gegen den Klimawandel bewirken und das, was Schweglers Entwicklungshilfeorganisation Fairventures Worldwide mache, sei ohnehin nur Ablasshandel. „Jeder Einzelne kann etwas tun“, sagt der 51-jährige Mann aus Korb, dessen Ziel es ist, Umwelt und Ökonomie unter einen Hut zu bringen.

Dass das funktionieren kann, zeigt der Modellbauer, Holztechniker und Betriebswirtschaftler mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklungshilfe mit seiner Organisation, die laut Schwegler die einzige größere professionelle Entwicklungshilfeorganisation im Großraum Stuttgart ist. Fairventures Worldwide hat seit 2015 im Rahmen des Projekts „One Million Trees für Borneo“ in Kooperation mit Partnern vor Ort 570 Hektar abgeholzte Flächen im indonesischen Regenwald auf Borneo wieder aufgeforstet. Das nächste Ziel sind weitere 4000 Hektar.

Nutzwälder aus rasch wachsenden Bäumen

Das Projekt bringt den ursprünglichen Regenwald zwar nicht zurück, schützt aber den noch vorhandenen. Denn statt seiner können die derzeit 1061 lokalen Bauern, die am „One Million Tree“-Projekt beteiligt sind, die Nutzwälder, die dadurch entstehen, fällen und zu Geld machen. Die Wartezeit ist überschaubar, setzt das Projekt doch auf rasch wachsende Baumarten – etwa die Akazie und den heimischen Sengon-Baum. Dieser ist bereits nach 14 Monaten mannshoch und kann nach fünf bis sieben Jahren geerntet und verarbeitet werden – beispielsweise zu Endlosfurnier.

Die angepeilte Zahl von einer Million Bäumen haben Fairventures Worldwide und die Partner bereits im vergangenen Jahr erreicht – trotz mancher Schwierigkeiten. „Im ersten Jahr haben nur 20 Prozent der Bäume überlebt“, sagt Johannes Schwegler und zählt eine Reihe von Gründen dafür auf: An manchen Standorten sei der Boden für den Sengon-Baum zu hart, daher setze man nun auf sieben unterschiedliche Baumarten. Teils habe es an Regen gemangelt und beim ein oder anderen Bauern auch an der Motivation.

Inzwischen liege die Überlebensrate aber bei 70 bis 80 Prozent. „Nun geht es langsam in Richtung Ernte und wir müssen den Nachweis erbringen, dass auch ein Markt für das Holz da ist“, sagt Johannes Schwegler. In Indonesien gebe es zwar eine große Nachfrage, allerdings vor allem auf der Hauptinsel Java, wo die Verarbeitungsbetriebe sitzen. Das Holz müsse also von Kalimantan dorthin befördert werden – und zwar zu vertretbaren Kosten: „Der Anbau muss sich für die Bauern lohnen.“

Bessere Böden, mehr Erträge

Beim Transport von Baumstämmen befördere man aber wegen der Rundungen immer etwa ein Drittel Luft. Wenn am Zielort Rinde und Kern der Stämme entfernt werden, falle die Hälfte des Materials weg. Aus diesem Grund erwägen die Projektpartner, die Vorbearbeitung der Stämme auf Kalimantan vorzunehmen.

Johannes Schwegler und sein Team haben auch schon eine Idee, wie der so entstehende Abfall sowie abgeschnittene Äste und ausgemusterte Bäume aus den Nutzwäldern weiterverwertet werden könnten. „Wir prüfen derzeit, ob Pyrolyse eine Möglichkeit wäre und suchen einen Partner, der uns vor Ort eine professionelle Anlage baut.“ Bei der Pyrolyse werden die Holzteile gehäckselt, verkohlt und dann in den Boden eingebracht. Das verbessere die Bodenqualität, liefere also mehr Erträge und binde eine größere Menge Kohlenstoff, erklärt Johannes Schwegler.

Inzwischen hat Fairventures Worldwide noch eine Schwesterfirma bekommen: Sie unterstützt die indonesische Regierung bei der Umsetzung eines Gemeindewaldprogramms. Dafür stellt der Staat 12,7 Millionen Hektar Land zur Verfügung, das an Kommunen auf 35 Jahre verpachtet wird, die die Flächen dann aufforsten sollen. Mit 4000 Hektar soll es losgehen. „Dafür brauchen wir rund fünf Millionen Euro, 1,5 Millionen haben wir schon“, sagt Johannes Schwegler, der noch Investoren sucht, die eine größere Summe, mindestens 200 000 Euro, einbringen. Menschen mit schmalerem Geldbeutel können über die „Treeo“-App, die derzeit entwickelt wird, Baumpflanzungen unterstützen. Für die Dorfbewohner, die den Wald bewirtschaften sollen, sei der Gemeindewald eine große Chance, sagt Johannes Schwegler – bietet er doch Arbeit und ein regelmäßiges Einkommen.

Ideen zum Schutz des Regenwalds und eine Lesung

Buch:
Sarina Albeck hat das Projekt „One Million Trees“ besucht und ein Buch geschrieben: „Bäume für Borneo“ kostet 19 Euro, ISBN 978-3962-391-721.

Lesung:
Für Leser dieser Zeitung bietet Fairventures Worldwide eine kostenlose Lesung mit der Autorin Sarina Albeck am Montag, 8. Juni. Von 20 Uhr an kann man diese per Livestream unter der folgenden Adresse verfolgen: www.youtube.com/user/Fairventures/live.

Umwelt-App
: Derzeit lässt Fairventures Worldwide die App Treeo entwickeln, mit der voraussichtlich ab Juni jeder seinen CO2-Fußabdruck erst errechnen und dann entsprechend seiner Größe durch eine Geldspende kompensieren kann. Der durchschnittliche Deutsche kommt auf rund zwölf Tonnen CO2 pro Jahr. Wer die App nutzt, dem wird ein Bereich einer Fläche eines indonesischen Bauern zugeteilt. Auf Fotos, die aufs Handy geschickt werden, können Spender dann beobachten, wie sich die öden Grasflächen dank der von ihm finanzierten Baumsetzlinge langsam in einen Wald verwandeln.

Schokolade:
Am Fuß der neu angepflanzten Bäume herrschen gute Bedingungen für schattenliebende Kakao- und Kaffeesträucher sowie für Erdnüsse. Der Verkauf der Früchte beschert den Bauern ein zusätzliches Einkommen. Der Chocolatier Eberhard Schell stellt daraus „Urwaldschokolade“ her.

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