Pink spielt in der MHP-Arena Foto: dpa/ Pizzello

Alle 90 000 Karten für AC/DC am 17. Juli auf dem Wasen waren in wenigen Stunden ausverkauft – für 150 bis 250 Euro. Auch bei Peter Maffay oder Pink greifen Fans tiefer in die Taschen. Ist dann noch Geld für kleinere Bühnen da? Was die Veranstalter dazu sagen.

Ein Zusatzkonzert werden AC/DC auf ihrer „Powerup“-Tour in Stuttgart nicht geben, obwohl auch dieses bestimmt rasch ausverkauft wäre. „Ihr Tourplan erlaubt dies nicht“, sagt Arnulf Woock, Sprecher des örtlichen Veranstalters SKS Russ.

 

Wenn Megabands unterwegs sind, werden Umsätze in schwindelerregender Höhe erzielt. Die australischen Rocklegenden, die zuletzt 2010 vor 65 000 Fans auf dem Wasen spielten, lassen sich ihren Highway to Hell von 1979 weiter vergolden. Ticketpreise von 150 bis 250 Euro schrecken die Fans nicht ab.

Für AC/DC wird ein Großteil des Wasens zur Konzertarena. 90 000 Besucherinnen und Besucher dürfen aufs Festgelände – so viele, wie seit Jahren nicht mehr. Man sieht: Die Pandemie ist nun endgültig vorbei. Zum Vergleich: Bei Rammstein waren es im Juni 2022 „nur“ 50 000 – aber Till Lindemann spielte mit den Seinen und viel Feuerwerk zweimal nacheinander.

Das Jahr 2024 ist das Jahr der Superlative. Schon für die Fußball-EM werden die Menschen viel Geld ausgeben. Gleich am Tag nach dem Finale (14. Juli), das beim Public Viewing auf dem Schlossplatz übertragen wird, geht es Schlag auf Schlag weiter. Am 15. und 16. Juli kommt Peter Maffay auf den Wasen – beide Konzerte (mit je 15 000 Sitzplätzen) sind so gut wie ausverkauft. Die noch vorrätigen Karten für die Abschiedstournee des 74-Jährigen kosten zwischen 74,95 und 99,95 Euro.

Am 19. Juli singt US-Star Pink in der MHP-Arena, dafür gibt es nur noch wenige Karten zum Preis von 179 bis 224 Euro.

Ausverkauft sind auch Sting und Herbert Grönemeyer (Tickets ab 80 Euro) bei den 30. Jazz Open auf dem Schlossplatz. Für die Topacts, so zeigt sich im Stuttgarter Festivalsommer 2024, ist bei den Fans genügend Geld da. Wenn man für die Highlights der Konzertsaison ordentlich hinblättern muss – bleibt dann noch was für kleinere Bühnen übrig?

Theaterhaus-Chef Werner Schretzmeier sagt, bei ihm spüre man „noch keine Delle“. Klar gebe es Formate in den Arenen, für die sich auch sein Publikum interessiere, das sich dann vielleicht entscheiden müsse. Doch offensichtlich scheint es in einer Stadt wie Stuttgart genügend Geld zu geben, damit Kultur in seiner Vielfalt ihr Publikum findet. „Es läuft gut bei uns“, erklärt Schretzmeier, „aber es könnte noch besser laufen.“ Mitunter läuft es so gut, dass die Parkmöglichkeiten nicht reichen. „Die Schlangen sind dann so groß, dass wir mit Veranstaltungen 15 Minuten später anfangen müssen, weil nicht alle da sind“, berichtet er.

„Im mittleren Preissegment geht die Nachfrage zurück“

Matthias Mettmann, Geschäftsführer bei Chimperator Live und Im Wizemann, sieht die Lage „durchwachsen“. Im unteren Preissegment laufe es weiterhin recht gut, doch im mittleren Bereich gehe die Nachfrage zurück. Dabei müsse sein Haus nun die Umsätze steigern. Dies sei notwendig, da die Zeit der Pandemie nicht kostendeckend gewesen wäre und ein nichtgefördertes Haus wie das Wizemann dringend die Rentabilität verbessern müsse, „um langfristig bestehen zu können“.

Was laut Mettmann ein Problem ist: Während für die teuren Superstars die Karten sehr früh gekauft werden, warte das Publikum bei nicht so bekannten Künstlern lange ab. „Deshalb haben wir keine Planungssicherheit“, bedauert er. Zusätzliche Kosten im Vergleich zum Vorjahr entstehen für die Hip Hop Open, weil diesmal auf dem Wasen Synergieeffekte wie eine gemeinsame Bühne, Absperrungen und Infrastruktur nicht möglich sind – die Konzerte etwa des Kesselfestivals (31. Mai und 1. Juni) und der Hip Hop Open (9. und 10. August) liegen so weit auseinander, dass man nichts stehen lassen kann zur weiteren Nutzung.

Manche Künstler geben Frühbucher-Rabatte

Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder bestätigt, dass das Publikum immer später Karten kauft. Deshalb werden bei ihm die Frühbucher-Preise niedriger, während die Preise an der Abendkasse höher werden. Bei Kollegen, sagt der Travestiekünstler, sei die Sorge groß, dass Besucherinnen und Besucher, wenn sie Rekordpreise bei den Mega-Stars bezahlen, auf regionale Künstler verzichten, die häufiger kommen.

Was sagen die Leute vom Club Kollektiv?

Zählen die Stuttgarter Clubs zu den Verlierern der teuren Konzertsaison? Inwieweit dies Einfluss auf den Clubbetrieb hat, kann Dirk Wein vom Club Kollektiv „nur schwer abschätzen“. Dies könnte durchaus ein Faktor sein, aber es gebe „andere, relevantere Gründe, dass es bei den etliche Clubs leider gerade eher schlechter läuft“.

Andreas „Bär“ Läsker, der Manager der Fantastischen Vier, beobachtet, wie viele Bands mit höheren Eintrittspreisen „ausbleibende CD-Verkäufe kompensieren wollen“. Der Trend aus den USA, die Preise nach der Nachfrage zu richten, komme nun nach Deutschland. „Da gibt es dann Tickets, die kosten 200 Dollar und ein paar Tage später kosten die 1800 Dollar“, sagt er, „ein Bruce-Springsteen-Ticket für 3000 Dollar ist Abzocke.“ Das beliebte Festival Rock am Ring, daran erinnert „Bär“, sei 2023 zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht ausverkauft gewesen, was wohl an hohen Preise liege. Seine Einschätzung: „Die Preisspirale in der Konzertbranche ist noch längst nicht durchbrochen. Aber es ist ein Zeichen, dass sich die Preise nicht beliebig nach oben treiben lassen.“