Verleger Joachim Herbstreuth, Buchladenbesitzerin Juliane Hansen, der Mann aus dem English-Shop, Peter Sondheim und Werberin Karin Bitterle (von links) haben eines gemeinsam: Die Liebe zu England - aber ein geteiltes Verhältnis zur Traumhochzeit des Jahres, wie sie in den Kurzinterviews verraten. Foto: Montage cah

Wie erleben Engländer in Stuttgart und jene, deren Job "very british" ist, die Hochzeit des Jahres?

Stuttgart - Die Emotionen schlagen hoch, wenn Kate und William am Freitag in der Westminster Abbey zum Traualtar schreiten. Das Blut der Briten gerät in Wallung, denn die meisten Untertanen sind unglaublich stolz auf „ihre“ königliche Familie.

Das weiß Englandkennerin Juliane Hansen nur zu gut von ihren zahlreichen Reisen ins Vereinigte Königreich. Seit sie vor zwölf Jahren ihren Shop "Under-Cover" in der Nesenbachstraße eröffnet hat und englischsprachige Krimis und Hörbücher an eine immer größer werdende Fangemeinde verkauft, sind ihre Stippvisiten auf die Insel rarer geworden. „Ich habe gar nicht gewusst, dass die Hochzeit am Freitag stattfindet“, gibt sie unumwunden zu.

Solange kein Mord bei der royalen Riesensause passiere – was sie dem trauten Paar keinesfalls wünscht – habe sie nichts im Sortiment, was mit dem großen Tag zu tun hat, erklärt Hansen schmunzelnd. Auch wenn sie selbst als England-Fan von dem Spektakel völlig kalt gelassen werde, die Monarchie stärke es in jedem Falle.

b>Im English-Shop gehen Tassen und Fahnen aus

Im Hochzeitsfieber wähnt sich auch Peter Sondheim nicht. Dafür glüht die fünfjährige Tochter vom Inhaber des "Piccadilly English-Shop" in der Schellingstraße bereits vor Begeisterung. „Sie ist so gespannt auf das Kleid von Kate.“ Da geht es der Kleinen vermutlich kaum anders als den bekennenden Fans der britischen Königsfamilie. Und von denen pilgern in den vergangenen Wochen immer mehr in Sondheims Laden. Im Stuttgarter Mekka für Devotionalien aller Art werden sie fündig und kaufen vermehrt Tassen und Fähnchen mit dem Konterfei des ältesten Sprosses von Diana und dessen Auserwählter. „Ich war regelrecht überrascht von dem großen Interesse“, erzählt Sondheim, der ein waschechter Engländer ist und in jüngster Vergangenheit vermehrt in seine frühere Heimat reiste. „Um Nachschub zu holen.“

Für die meisten Engländer sei die Hochzeit von Kate und Willie ein willkommener Anlass, um Straßenfeste zu feiern und ordentlich Alkohol zu konsumieren. Bei Peter Sondheim werden den Kunden zur Live-Übertragung am Freitag allerdings antialkoholischer englischer Schwarztee und Gurkensandwiches gereicht.

Keine Medien zu Willie und Kate ins Regal stellen

Kundenwünsche sind die Spezialität von Joachim Herbstreuth. In seinem gleichnamigen Verlag hat er sich seit 25 Jahren auf den Versand englischsprachiger Bücher, Filme und mehr spezialisiert. Doch „irgendwelche Medien“ zum Thema Kate und William kommen ihm nicht in sein gut ausgewähltes Standardsortiment. „Wir hatten auch keinerlei Kundenanfragen in dieser Richtung.“

Selbst ist Herbstreuth gar nicht infiziert von der allgemeinen Hysterie um die Adelshochzeit. Da ist er sich mit seinen Kunden ganz einig. „Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden diese Hochzeit als Tagesereignis registrieren und in den üblichen Medien verfolgen und kein Interesse daran haben, eine Publikation zum Thema „Royal Wedding“ ins Regal zu stellen.“

Filzpantoffeln für den Prinzen und seine Gattin

Ganz klar mehr Begeisterung für den medialen Höhepunkt des Jahres zeigt Karin Bitterle. Sie organisiert die Werbemaßnahmen bei „Designerhände“ für schwäbische Designer, Künstler und Handwerker. Very british daran: Auch kreative Engländer dürfen bei der Werbegemeinschaft mit Sitz in der Griegstraße 27 mitmachen. Klar stammt auch so mancher Kunde von der Insel und Karin Bitterle höchstselbst hat ihr Schuhdesign-Studium in London gemacht. „Ein Freund hatte daher die Idee, ich solle Kate und William ein Paar meiner exklusiven Filz-Hauspantoffeln (www.vegg04-v.de) zukommen lassen. Nach der anstrengenden Hochzeit, zum Entspannen“, sagt die Designerin lachend.

Dem großen Ereignis am Freitag fiebert Karin Bitterle allerdings nicht entgegen. „Nur am Rande und mehr in Erinnerung an Diana.“ Nicht nur für den Prinzen hofft die Werbefachfrau, dass Kate eine gute Wahl ist. Aber Monarchie hin oder her, Karin Bitterle findet die Insel immer toll. „Die Royals gehören dazu. Ohne Sie wäre England nicht England.“ Für Bitterle ist der royale Glanz „eine Konstanz im Gegensatz zur heutigen, schnelllebigen Glamour-Promi-Welt“.





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