Wer hat Angst vor Gelb, Rot, Blau? So wirbt das Stuttgarter Ballett für seinen Uraufführungsabend „Aufbruch“. Foto: Monica Menez

Bauhaus! Weimarer Verfassung! 1919 brach eine neue, bewegte Zeit an. 100 Jahre später erinnert das Stuttgarter Ballett daran mit drei Uraufführungen. Doch wie tanzt man den „Aufbruch“?

Stuttgart - Endlich „Aufbruch“! Fast zu lange hatte der neue Intendant des Stuttgarter Balletts das Publikum auf neue Impulse warten lassen. Entsprechend laut war der Jubel am Donnerstag im Schauspielhaus, wo Katarzyna Kozielska mit „It. Floppy. Rabbit“, Eduard Clug mit „Patterns in 3/4“ und Nanine Linning mit „Revolt“ an die bewegten Zeiten vor hundert Jahren erinnerten, als die Gründung des Bauhauses und eine neue Verfassung von Veränderung kündeten. Im Auftrag von Intendant Tamas Detrich sollten gleich drei Uraufführungen auch beim Stuttgarter Ballett für „Aufbruch“ sorgen – und dass zwei davon von Choreografinnen stammen, ist ein schönes Zeichen gegen die unsichtbaren Regeln der Diskriminierung, von denen sich auch der Tanz erst noch befreien muss.

Nanine Linning erzählt von der Energie der Freiheit

Am Ende war es vor allem Nanine Linning, die mit 16 blau gekleideten Tänzern Energie so eruptiv bündelte, dass ihr Ausbruch wie eine Naturgewalt lauerte – und das Glück der Freiheit schließlich alle erfasste. In beeindruckender Reduktion verwandelte Edward Clug die Ästhetik von Bauhaus-Räumen in Tanz. Katarzyna Kozielskas Hommage ans Bauhaus behandelte die Tänzer dagegen mit viel zu verschnörkelten Bewegungen und kessen Arabesquen wie kostbare Jugendstilfiguren – und verfehlte damit ihr Thema.

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