Hartmut Schick, Chef der Daimler-Bussparte Foto: dpa

Während in Brasilien die Märkte einbrechen, brummt die Fernbus-Branche. Unter dem Strich bleibt für die Daimler-Bussparte ein sinkender Absatz – und ein steigender Gewinn.

Stuttgart - Sie heißen Flixbus, DeinBus oder Postbus – und sie gehören zu einer Branche, die bei Daimler für Jobs sorgt. Denn das starke Wachstum bei den Fernbuslinien hat das Geschäft bei Daimler Buses, der Bussparte des Stuttgarter Konzerns, beflügelt. Im vergangenen Jahr sind die Fahrgastzahlen in der Branche um 25 Prozent auf 20 Millionen gestiegen, und in diesem Jahr erwartet Spartenchef Hartmut Schick unter Berufung auf Experten einen Anstieg um weitere 25 Prozent. Angesichts eines Daimler-Marktanteil bei deutschen Fernbussen von 55 Prozent liegt da offensichtlich erhebliches Wachstumspotenzial. Die günstige Entwicklung wirkte sich auch auf die Arbeitsplätze in Deutschland aus – die Sparte mit Marken wie Mercedes und Setra beschäftigt in Deutschland mit 7152 Mitarbeiter ein Prozent mehr als im Vorjahr, davon den Löwenteil in den Werken Mannheim und Neu-Ulm.

So sehr die Bussparte mit ihrem hohen weltweiten Marktanteil von wachsenden Teilmärkten profitiert, so sehr ist sie betroffen, wenn Märkte absacken – wie etwa in Brasilien, wo der Daimler-Absatz um 47 Prozent sank. Dass der Marktanteil dennoch von 50 auf 53 Prozent stieg, sagt einiges über die Entwicklung in dem Land, das mit 200 Millionen Einwohnern so bevölkerungsreich ist wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Doch das Wachstum in Westeuropa – nicht zuletzt wegen der immer neuen Fernbuslinien – konnte die Einbußen beim Absatz zu einem guten Teil ausgleichen. Und dem Einbruch in Brasilien begegnen die Sparte auch, indem sie dort Busse für den Export produziert, die sich wegen der abgestürzten brasilianischen Währung besser absetzen lassen. Der Absatz der Sparte sank um 15,3 Prozent auf 28 100 Fahrzeuge und Fahrgestelle, der Umsatz um 2,5 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Die Digitalisierung soll die Laufzeit von Bussen erhöhen

Dass die Sparte ihre Umsatzrendite dennoch von 4,7 auf 5,2 Prozent steigern konnte, zeigt, dass sie heute flexibel genug ist, um auch mit stark schwankenden Märkten zurechtzukommen. Das Ergebnis selbst stieg um 9 Prozent auf 214 Millionen Euro.

Im Februar gründete Schick eine neue Abteilung, die dafür sorgen soll, dass die Bussparte neue Trends frühzeitig erkennt und nutzt. Dazu gehört die digitale Vernetzung, die auch im Busgeschäfts immer wichtiger ist, im den es – anders als beim Pkw – darauf ankommt, dass die Fahrzeuge möglichst pausenlos laufen. Sensoren, die erkennen, wann etwa Bremsbeläge abgefahren sind, und dies automatisch an eine Zentrale melden, können dazu beitragen, die Laufzeiten zu erhöhen und die für die Betreiber wichtigen laufenden Betriebskosten zu senken. So kann rechtzeitig und automatisch ein passender Termin herausgesucht werden, zu dem das Fahrzeug ohnehin nicht läuft.

Zur Strategie gehört auch, zunehmend marktspezifische Lösungen für einzelne Länder zu entwickeln, weil Fahrzeuge zum Beispiel – je nach Straßenverhältnissen – unterschiedlich robust sein müssen. Dazu beitragen soll auch die Produktion vor Ort – so hat die Bussparte in Chennai im Südosten Indiens vor knapp einem Jahr ein neues Werk in Betrieb genommen, das für den regionalen Markt produziert und auch Abnehmer in Asien, Afrika und Lateinamerika beliefert. Marktchancen sieht Schick auch im Iran. In dem Land, das annähernd so viele Einwohner hat wie Deutschland, sieht Schick einen erheblichen Nachholbedarf bei Personentransport.

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