Stuttgart-Zuffenhausen Porsche hautnah: Blick hinter die Werkstore

Von Georg Linsenmann 

Auch ein Blick in die  Montage im  Porsche-Werk  in Zuffenhausen war Teil der Leserführung der Nord-Rundschau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auch ein Blick in die Montage im Porsche-Werk in Zuffenhausen war Teil der Leserführung der Nord-Rundschau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

20 Leser bekamen eine spannende Führung durch die Porsche-Fabrik in Stuttgart-Zuffenhausen geboten.

Zuffenhausen - Mit fünf Jahren war Iris Haker zum ersten Mal in einem 911er gesessen: „Da wusste ich: Ich will zu Porsche!“ Zu Porsche, jedenfalls zu einer Führung durch die Produktionsstätten, wollten auch viele Leserinnen und Leser der Nord Rundschau. Dass sie es in die auf 20 Personen begrenzte Gruppe geschafft hat, sei für sie „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Angelika Bagli, „denn Porsche ist etwas ganz Besonderes“. Mit Iris Haker vorneweg sollte sich das schnell bestätigen. Denn die Kunsthistorikerin, die im Porsche-Museum arbeitet, repräsentiert nicht nur in persona das Faszinosum Porsche, sie zeigte in der zweistündigen Führung auch wie nebenbei, was die harte Basis des legendären Rufes der Autoschmiede ist.

Das beginnt schon am Porsche-Platz, wenn Haker über einzelne Gebäude die Historie skizziert und auf Werk 1 zeigt: Ein Backsteingebäude aus dem Jahr 1948, wo noch heute das Büro des Firmengründers Ferdinand Porsche in Benutzung ist. Oder am Reutter-Gebäude, das seinen Namen von einem einstigen Kompagnon von „Ferdie“ hat. Dieser hatte nicht an den Erfolg des 911ers geglaubt und war ausgestiegen. Auch ein Hinweis darauf, dass die Erfolgsgeschichte der Marke keineswegs so selbstverständlich ist, wie sie aktuell erscheint: „1992 waren wir Pleite“, stellt Haker trocken fest. Die Wende brachte der Manager Wendelin Wiedeking, der sich bei Toyota die „schlanke Produktion“ abgeschaut hatte.

Betriebseigene Ausbildung

Neben das absolute Effizienz-Prinzip auf allen Ebenen pflanzte er aber auch einen anderen Parameter, der Porsche auch für die Mitarbeiter zu etwas sehr Besonderem macht: „Respect the people!“, was locker übersetzt heißt: „Achte auf deine Leute!“ – und laut Haker bedeutet: „Gut verdienen, eine gute Zeit haben, dann stimmt auch die Qualität der Arbeit.“ Auch die betriebseigene Ausbildung ist eine Basis der Porsche-Qualität, wie sie dann in der Sattlerei zu besichtigen war. Für jede Art von Naht gibt es eine spezielle Maschine, wofür die 20 Näherinnen pro Schicht zwischen den Stationen pendeln. Eine kaum sichtbare Delle, und schon fliegt das belederte Cockpit raus! Und taugt nur noch als Demonstrationsobjekt, auch für die „Null-Fehler“-Strategie in der Produktion. „Wie viel Wert hier auf Qualität gelegt wird!“, staunte Heinz Jaiser, „aber Porsche hat die Kundschaft, die das verlangt und auch bereit ist, das zu bezahlen“.

Dann geht es ins Herzstück der Produktion, ans Band zur Hauptmontage. Fast lautlos schnurren die Wagen des fahrerlosen Transportsystems um die Anlage, bringen punktgenau die an den 118 Stationen benötigten Montageteile. Frisch lackiert schwebt ein gelber Boxster in die „Einsteuerung“ und wird aufs Band gesetzt, das im Dreiminuten-Takt vorrückt. „Perlenkette nennen wir das“, sagt Haker und beschreibt den Modell-Mix, der hier vorbeischleicht. Auch ein Cup ist dabei, ein reinrassiger Motorsportler. Und dann: „Noch ein Boxster für China. Das Land der Mitte ist heute unser Hauptmarkt“, erklärt Haker.

Investitionen für den E-Porsche

600 Mitarbeiter arbeiten hier in zwei Schichten, auch einige Frauen sind am Schaffen. Edwin Mädche ist fasziniert, „wie abwechslungsreich die Arbeit ist“, denn auch hier werden die Positionen durchgewechselt. Und noch etwas fällt ihm auf: „Die sind konzentriert, aber auch entspannt, lachen und sind lustig. Schön, das zu sehen! Es ist ganz anders als erwartet.“ „Das muss man gesehen haben, alles läuft wie am Schnürchen“, sagt Dieter Käb und fügt hinzu: „Allein die Ausdehnung des Werkes, und wie viel hier investiert wird!“ Dabei gilt sein Blick der vielstöckigen Halle, in der nächstes Jahr der erste reine E-Porsche hergestellt wird. Womit noch kurz der Blick in die Zukunft geht: „Wir stehen an einer Zeitenwende. Schwierig wird das vor allem für die Zulieferer“, meint Haker, „für die nötigen neuen Qualifizierungen der kleineren Betrieb ist die Politik gefragt“. Dann ist sie wieder ganz bei Porsche: „Wir sind da in einer komfortableren Position.“ Und sie ergänzt: „Der erste E-Porsche muss auch das beste E-Fahrzeug sein.“ Etwas Besonderes eben. Der starke Beifall, den sie zum Schluss bekommt, gilt dann der ganzen Führung, für die sich die Gruppe herzlich bedankt.

Redaktion Zuffenhausen

Ansprechpartner
Bernd Zeyer
zuffenhausen@stz.zgs.de

Lesen Sie jetzt