Fußball gespielt wurde am Fuß des Fernsehturms schon immer. Im Detail haben sich seit 1955 (links) ein paar Dinge verändert, wie die Bildergalerie zeigt. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart

In unserer Serie „Stuttgart von oben“ geht es diesmal hoch hinaus: Wir schauen dem Stuttgarter Fernsehturm aufs Dach – dem Wahrzeichen der Stadt.

Stuttgart - Fast kommt es einem etwas unschicklich vor, ihm aufs Dach zu schauen. Denn normalerweise kommt über ihm für einen wahren Stuttgarter nur noch der Himmel. Der Fernsehturm ist für die Bürger der Stadt das Allergrößte – nach Linsen mit Spätzle natürlich. Doch ab und zu traut sich jemand hoch hinaus und fotografiert ihn von oben. So geschehen 1955, aus jenem Jahr datiert unsere historische Aufnahme. Sie entstand im Herbst, also wenige Monate nach der Fertigstellung des Turms.

Es geht eine Legende um in Stuttgart. Sie besagt, dass der Architekt des Fernsehturms, Fritz Leonhardt, sich während der Bauzeit beim Frühstück gerne hinter der Tageszeitung versteckt hätte. Nicht, um kein Gespräch führen zu müssen. Sondern um erst die Frage zu stellen: „Und, steht er noch?“ Erst dann soll er selbst einen Blick über den Talkessel gewagt haben, um das neue Bauwerk dort wachsen zu sehen.

Bewegen Sie den Pfeil von links nach rechts, um zwischen dem Luftbild von 1955 und dem aktuellsten verfügbaren aus 2015 hin- und herzuwischen.

Aus heutiger Sicht erscheint es nahezu rasant, wie wenig Zeit damals vom Einreichen der Idee bis zur Eröffnung seinerzeit verging. Die Stuttgarter saßen damals nicht im Tal der Ahnungslosen, aber doch in dem der Schwer-Erreichbaren: In den Talkessel zu senden, das war damals nicht einfach. Das fiel bei internationalen Großereignissen auf, etwa bei der Krönung der englischen Königin Elizabeth II am 2. Juni 1953.

1953 die Idee – 1955 ist der Turm fertig

Damit Fernsehen fortan im Kessel keine Glückssache mehr sein sollte, beantragte der Süddeutsche Rundfunk im Januar 1953 den Bau eines Fernseh-Grundnetzsenders in Form eines Stahlgittermastes auf dem Bopser. Davon hörte Fritz Leonhardt, und der Ehrgeiz des Ingenieurs war geweckt: Er schrieb dem SDR und dem OB Arnulf Klett, dass sein Vorschlag eines „Sendeturms mit Gaststätte in schwindelnder Höhe eine einmalige Attraktion für die Stadt Stuttgart“ werden könnte.

Im Mai 1954 beschloss der Sender, den Turm ohne städtischen ­Zuschuss zu bauen – der OB wollte nichts springen lassen. Pünktlich zum 1. Juli 1955 war das Bauwerk dann fertig – zur Eröffnung der Landesausstellung. Zügig, könnte man denken. Offenbar war man in der jungen Republik kürzere Entscheidungszeiten gewohnt, und so hieß es im Richtspruch: „Doch verging noch manche Weile/Bis der Turm in jedem Teile/Diskutiert und finanziert./Schließlich, als ein Jahr zerronnen/hat man mutig ihn begonnen/Und von da ab hat’s ­pressiert.“

Die Kickers kicken seit 1905 auf der Waldau

Der Blick auf die Umgebung zeigt, dass dort die Beständigkeit regiert: Der Fußballplatz neben dem der SV Eintracht ist damals wie heute der der Blauen. Die Stuttgarter Kickers dürfen sich rühmen, die Fußballmanschaft Deutschlands zu sein, die so lange wie keine andere auf ein und demselben Platz spielt: 1905 hieß die Spielstätte Kickersplatz, heute heißt sie Gazi-Stadion.

Eine Straßenbahn brachte Ausflügler übrigens schon lange vor dem Bau des Fernsehturms zur ­Ruhbank. Von 1930 an fuhr dort die Linie 10 hinauf. Bis 1982 schnaufte die Linie 5 hinauf, von 1982 bis 2007 die Linie 15. Die Haltestelle Ruhbank in heutiger Form wurde mit der Umstellung auf die Stadtbahn im Jahr 2007 gebaut. Die alte Trasse der Straßenbahn verlief im Wald – in der Luftaufnahme von 1955 unterhalb der Jahnstraße zu sehen.

Weitere Luftbilder aus unserer Serie finden Sie hier.

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